Der Eklat zwischen Pater und Organist hatte sich während des Gottesdienstes am ersten Advent in der katholischen Kirche St. Leodegar in Schliengen ereignet. Foto: Claudia Bötsch

In der ehemaligen Seelsorgeeinheit Schliengen, die seit diesem Jahr zur XXL-Pfarrei Breisgau-Markgräflerland gehört, gibt es personelle Veränderungen.

Die katholische Kirche ist im Umbruch: Mit der „Kirchenentwicklung 2030“ startete die Erzdiözese Freiburg einen tiefgreifenden Veränderungsprozess.

 

In diesem Zusammenhang gingen die bisherigen Seelsorgeeinheiten zwischen Schliengen im Süden und Vogtsburg im Norden zum 1. Januar in der neuen Groß-Pfarrei Breisgau-Markgräflerland auf. Insgesamt 36 solcher Pfarreien wurden in der Erzdiözese gebildet.

Für die bisherige Seelsorgeeinheit Schliengen bringt der Wandel auch personelle Veränderungen mit sich, wie auf Nachfrage bei der Pressestelle der Erzdiözese Freiburg zu erfahren ist. Pater Norbert Riebartsch, der seit vier Jahren als Kooperator in den jetzt aufgelösten Seelsorgeeinheiten Schliengen und Markgräflerland tätig war, wird künftig nicht mehr in diesen Gemeinden tätig sein.

Wechsel nach Bad Krozingen

„Pater Norbert wird mit einem anderen örtlichen Schwerpunkt im Westen der neuen Pfarrei St. Alban in Bad Krozingen als Kooperator eingesetzt“, teilt Pressesprecher Michael Hertl mit. Sein Dienstsitz werde somit künftig Bad Krozingen sein.

Pater wurde laut

Diese Personalentscheidung resultiert nicht nur – aber auch – aus dem Vorfall im Dezember: Pater Norbert war während eines Advents-Gottesdienstes in der Schliengener Kirche St. Leodegar derart laut geworden, dass der Organist und einige Besucher die Messe verließen.

Auslöser war, dass der Pater den Ablauf der Messe durch das zu frühe Einsetzen des Orgelspiels gestört sah. Der Fall ließ innerhalb der Kirchengemeinde die Wellen hochschlagen.

Entschuldigungsschreiben

Pater Norbert bat daraufhin die Gemeinde mit einem Schreiben, das er im Gottesdienst verlas und das auch in der Kirche auslag, um Entschuldigung. Darin räumte er ein, dass sein Verhalten „viele irritiert und vor den Kopf gestoßen“ habe. Der Vorfall wurde schließlich kirchenintern, auch in Gesprächen mit Betroffenen, aufgearbeitet.

Gesamtabwägung

Das Geschehen im Adventsgottesdienst habe indes nicht den Ausschlag für den jetzt vollzogenen Personalwechsel gegeben, macht die Erzdiözese gegenüber unserer Zeitung deutlich. „Personalentscheidungen dieser Tragweite sind immer das Ergebnis einer Gesamtabwägung mehrerer verschiedener Faktoren“, teilt Pressesprecher Hertl mit.

Das Ereignis am ersten Advent sei intern im Dialog mit allen Beteiligten intensiv reflektiert worden. Diese Reflektion sei einer der Anstöße dafür gewesen, „die örtlichen Schwerpunkte der priesterlichen Dienste in der Region neu zu bewerten“, heißt es weiter.

Vakanzen auffangen

Entscheidend für die jetzige Lösung sei der größere Kontext der „Kirchenentwicklung 2030“, macht der Pressesprecher der Erzdiözese deutlich. Er verweist darauf, dass die neue Pfarrei St. Alban (Bad Krozingen) vor erheblichen personellen Herausforderungen stehe. „Durch den Ruhestand des vormaligen Dekans sowie eines bisherigen Leitenden Pfarrers zum 1. Mai entstehen Vakanzen, die trotz Ausschreibungen bisher nicht besetzt werden konnten“, präzisiert Hertl die Problematik.

Priesterliche Präsenz

Um die Seelsorge für die Menschen in der gesamten Region Bad Krozingen, Staufen und Neuenburg trotz einer Reduzierung der Priesterstellen verlässlich zu gewährleisten, sei „eine umfassende Neuordnung der Einsatzorte unumgänglich“ gewesen, heißt es. Hertl: „Die Konzentration von Pater Norbert auf den Dienstsitz Bad Krozingen ist somit ein wesentlicher Baustein, um die priesterliche Präsenz vor Ort stabil zu halten.“

Neuer Pfarrer Huber

Für den scheidenden Pater kommt ein neuer Pfarrer in den südlichen Bereich der neuen Großpfarrei Breisgau-Markgräflerland: Matthias Huber wird zum 1. März als Kooperator Aufgaben von Pater Norbert übernehmen, teilt die Erzdiözese mit. Sein Dienstsitz ist Neuenburg.

Der neue Pfarrer Matthias Huber. Foto: Uni Freiburg

Huber wird Gottesdienste halten und für die Kasualien Taufe, Trauung und Bestattung zuständig sein, informiert der Geistliche im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Schwerpunkt liege auf Neuenburg mit Einsätzen in Bad Bellingen und Schliengen, führt er aus. Details müssten indes noch geklärt werden.

Zwischen Uni und pastoralen Einsätzen

Pfarrer Huber hat für seine pastoralen Einsätze ein halbes Deputat inne. Darüber hinaus arbeitet er an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Bisher habe er als Kooperator und „Springer“ in Freiburger Umlandgemeinden ausgeholfen, berichtet Huber am Redaktionstelefon.

2013 zum Priester geweiht

Huber – promovierter und habilitierter Theologe – wurde im Jahr 2013 zum Priester geweiht. Unter anderem arbeitete er in der Vergangenheit als Hochschulpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde in Konstanz.

Erst Physik, dann Theologie

Der 49-Jährige fand indes über Umwege zum Pfarrersberuf. Als er sein Theologiestudium aufnahm, war er bereits diplomierter Physiker. Er sei schon immer an der Theologie interessiert gewesen, schildert Huber am Redaktionstelefon. Letztendlich hätten ihn verschiedene Erlebnisse und Erfahrungen dazu gebracht, seiner Berufung zu folgen. „Ich habe gespürt, da gibt’s noch mehr.“ Seinen naturwissenschaftlichen Hintergrund wolle er dennoch nicht missen, macht er im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. „Die Verbindung von Glaube und Wissenschaft ist eines meiner Themen.“

„Kirchenentwicklung 2030“ der Erzdiözese Freiburg

Zum 1. Januar 2026
wurden die bisherigen Seelsorgeeinheiten der Erzdiözese Freiburg zusammengelegt zu 36 neuen Großpfarreien. Die Verschmelzung von mehr als 1000 Pfarreien ist Teil der tiefgreifenden Umstrukturierung des Erzbistums Freiburg, um dem Priestermangel und sinkenden Mitgliederzahlen zu begegnen.

Die Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland
ist eine der neuen XXL-Gemeinden. Ihr wurden unter anderem die bisherigen Seelsorgeeinheiten Schliengen und Markgräflerland zugeordnet. Das Gebiet erstreckt sich von Bad Bellingen und Schliengen im Süden bis Vogtsburg im Norden. Einen Überblick gibt es im Internet unter https://kath-bm.de/.

Der Eröffnungsgottesdienst
für die neue katholische Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland wurde kürzlich in Bad Krozingen gefeiert. Im Mittelpunkt stand die feierliche Investitur von Pfarrer Lukas Wehrle, der die Kirchengemeinde Breisgau – Markgräflerland leitet. Er wurde gemeinsam mit dem neu gebildeten Leitungsgremium in seine Aufgaben eingeführt.