Cornelia Gaigl (links) und Theresia Lydia Schonhardt haben die Tierschutzarbeit in Villingen-Schwenningen viele Jahre maßgeblich mitgeprägt. Nun geben beide ihr Amt im Vorstand des Tierschutzvereins Villingen-Schwenningen ab. Foto: Simone Neß

Die langjährige Vereinsführung des Tierschutzvereins Villingen-Schwenningen tritt ab – am 23. April soll ein neues Team übernehmen. Dafür werden noch weitere Mitstreiter gesucht.

Sie verbindet die Liebe zu Tieren und inzwischen auch eine gute Freundschaft: Cornelia Gaigl und Theresia Lydia Schonhardt haben sich gemeinsam viele Jahre für das Wohl von Tieren in und um Villingen-Schwenningen eingesetzt. Doch Ende April legen beide ihr Amt als erste und zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins Villingen-Schwenningen nieder.

 

Das kommt keineswegs unerwartet: Bereits Ende 2024 kündigte der knapp 700 Mitglieder zählende Verein an, dass für beide Posten Nachfolger gesucht werden – andernfalls hätte der Verein aufgelöst werden müssen. In der Mitgliederversammlung am Donnerstag, 23. April, wird sich das fünfköpfige Vorstandsteam nun sogar nahezu vollständig nicht mehr zur Wahl stellen. Dazu gehören die erste Vorsitzende Cornelia Gaigl, die zweite Vorsitzende Theresia Lydia Schonhardt, Daniela Sangiorgio (Mitgliederverwaltung) und Schriftführerin Inka Thiele. Kassenwartin Monika Fuchs-Eller wird dem Verein noch ein weiteres Jahr zur Verfügung stehen.

„Jeder hat seine eigenen Beweggründe“, betont Schonhardt. Ein Streit sei keineswegs der Grund, warum der Vorstand nahezu komplett aufhört. „Es war immer harmonisch im Team“, ist sie sich mit ihrer Vorstandskollegin einig.

Tierschutzarbeit nimmt viel Zeit in Anspruch

Schonhardt ist inzwischen seit 16 Jahren im Tierschutzverein aktiv. Aus Altersgründen möchte sie sich langfristig komplett aus der Tierschutzarbeit zurückziehen. Gaigl tritt aus gesundheitlichen Gründen nicht nochmal zur Wahl an. Beide wollen künftig wieder mehr Zeit für sich haben – denn die Tierschutzarbeit sei zuletzt deutlich intensiver und dynamischer geworden. Über digitale Kanäle erreichen den Verein zum Teil sogar Anfragen aus über 600 Kilometern Entfernung.

Tagsüber ist der Verein über Notfalltelefone praktisch durchgehend erreichbar. Drei bis vier Stunden Tierschutzarbeit täglich seien dabei ganz normal, sagt Schonhardt – meist über den gesamten Tag verteilt. Ein einzelnes Tier könne jedoch auch schon einmal einen ganzen Tag in Anspruch nehmen, ergänzt Gaigl. Hinzu komme eine umfangreiche Buchhaltung und viel PC-Arbeit.

Umso wichtiger ist es, dass Vorstandsmitglieder ausreichend Zeit für dieses Engagement mitbringen. Die vergangenen Wochen und Monate wurden daher genutzt, Nachfolger für die beiden Ämter zu finden, damit der Verein auch künftig handlungsfähig bleibt – mit Erfolg: Am 23. April soll das neue Team gewählt werden. „Wir geben die Bahn frei – ein neuer Vorstand bedeutet auch neuen Wind“, freut sich Gaigl darüber, dass es mit dem Verein weitergeht. Und sie versichert auch: „Wir unterstützen natürlich, wo wir können.“

Rückblick auf eine bewegte Zeit

Im Gespräch mit unserer Redaktion nutzen die beiden Tierfreundinnen auch die Gelegenheit, zurückzublicken. Auslöser für Schonhardts Engagement war einst ein Katzenwurf in ihrem eigenen Garten in Tannheim, durch den sie in Kontakt mit dem Tierschutzverein kam. 2010 trat sie dem Verein bei, war zunächst drei Jahre im Beirat tätig, bevor sie 2013 zur zweiten Vorsitzenden gewählt wurde und dieses Amt bis heute inne hat.

Seitdem gingen bei ihr zahlreiche Katzen ein und aus – in erster Linie als Pflegestelle, doch manche Tiere schloss sie so sehr in Herz, dass sie bei ihr bleiben durften. Lachend nennt sie sich deshalb auch „Pflegestellenversagerin“.

Auch Gaigl hat so manchem Tier ein neues Zuhause gegeben – ihre erste Pflegekatze kam vor fast 17 Jahren zu ihr und lebt noch heute bei ihr. 2008 trat die Schwenningerin dem Tierschutzverein bei und war viele Jahre überwiegend im Außendienst aktiv. Seit vier Jahren ist sie erste Vorsitzende. Im Laufe der Zeit kümmerte sie sich um die unterschiedlichsten Tiere – von Wüstenmäusen bis hin zu Raben.

Die enge Zusammenarbeit im Tierschutz hat die beiden Frauen zusammengeschweißt und eine gute Freundschaft entstehen lassen.

Der große Erfolg: die Katzenschutzverordnung

Auf eine Sache sind beide aber besonders stolz, wenn sie auf die Erfolge der Tierschutzarbeit in den letzten Jahren zurückblicken. Und sie müssen sich nur kurz anschauen, bevor sie wie aus einem Mund sagen: „Katzenschutzverordnung.“ Seit 2025 gilt diese flächendeckend in allen Kommunen im Schwarzwald-Baar-Kreis, womit der Landkreis in Baden-Württemberg eine Vorreiterrolle einnimmt. „Die Stadt VS war eine harte Nuss, aber wir haben sie geknackt“, freuen sich beide über den Erfolg, auch die Kreisstadt ins Boot geholt zu haben.

Inwieweit die Katzenschutzverordnung wirkt, werde sich im Mai und Juni zeigen, wenn die Katzen Junge bekommen haben. Trotzdem betont Gaigl: „Es ist so unfassbar erleichternd, die Verordnung im Rücken zu haben.“ Denn sie ermögliche es Tierschützern nun bei freilebenden, unkastrierten Katzen einzugreifen.

Freude und Leid liegen oft nah beieinander

Dass Freude und Leid im Tierschutz oft sehr nah beieinander liegen, mussten die beiden in den letzten Jahren unweigerlich feststellen. „Wenn das Tier nicht bei mir ist, kann ich das ausblenden“, sagt Schonhardt. Etwas schwieriger fällt es Gaigl, mit dem Tierleid umzugehen: „Wenn das Tier in einer ausweglosen Situation ist und man nicht helfen kann, dann geht mir das sehr nah“, sagt sie.

Damit auch weiterhin vielen Tieren geholfen wird, startet der Tierschutzverein am 23. April mit einem neuen Vorstandsteam in eine neue Ära. „Wir wünschen uns, dass es mit dem Verein gesund weitergeht“, betont Gaigl auch etwas wehmütig und vergleicht den Verein mit einer Firma, die man in neue Hände übergibt. Sie wünscht sie, dass mit neuen Leuten auch neue Ideen entstehen und versichert: „Wir sind mega zuversichtlich.“

Trotzdem appelliert sie an weitere interessierte Mitstreiter, denn für diverse Posten werden noch Leute gesucht. Wer sich vorstellen kann, ein Amt im Vorstand oder Beirat des Tierschutzvereins zu übernehmen, oder sich anderweitig aktiv einbringen möchte, kann sich im Vorfeld der Mitgliederversammlung per E-Mail unter vorsitz@tierschutzvereinvs.de melden.