Ab Weihnachten wird der stationäre Klinikbetrieb in Ettenheim angestellt. Foto: Ullrich

Die Tage des Ettenheimer Krankenhauses sind nun endgültig gezählt: Zu Weihnachten dieses Jahres wird der stationäre Klinikbetrieb komplett beendet.

Ettenheim – Ein Nachnutzungskonzept für das Krankenhaus Ettenheim im Zuge des Reformprozesses der Ortenau-Kliniken (Agenda 2030) ist hinlänglich bekannt. Geplant ist an seiner Stelle ein Zentrum für Gesundheit mit Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) und einer Klinik für geriatrische Rehabilitation. Durch diese Einrichtungen soll der Verlust des Akutklinikums ein Stück weit aufgefangen werden.

Baukonzeption kostet 27 Millionen Euro

Knapp 27 Millionen Euro wird die gesamte Neukonzeption mit Kernsanierung des Altbaus und Einrichtung des MVZ, mit Teilabriss und Neuerrichtung der geriatrischen Reha-Klinik kosten. Zu Weihnachten dieses Jahres wird der stationäre Klinikbetrieb in Ettenheim komplett beendet. Bis zum Sommer 2025 erwartet Keller das Ende der gesamten Bauarbeiten.

Der am Dienstagabend nun zur Beschlussfassung vorgelegte Entwurf eines städtebaulichen Vertrags regelt im Wesentlichen, die Weiternutzung des Grundstücks und der Gebäude sowie die Mindestanforderungen des Gemeinderats an die Nachnutzung.

Schwesternwohnheim geht in Besitz der Stadt über

Weiter ist im Vertragsentwurf enthalten, dass das mit dem "Schwesternwohnheim" bebaute Grundstück zum 1. Januar 2023 an die Stadt übergeht. Eine bedarfsgerechte Änderung des Bebauungsplanes "Meierberg und Kuppe Klein-Münchberg" behält sich die Stadt auf eigene Kosten vor.

Mit viel "Manpower" traten die künftigen Betreiber des Zentrums für Gesundheit in der Gemeinderatsitzung am Dienstagabend auf, um das Nachnutzungskonzept aus Sicht ihrer Zuständigkeit aufzuzeigen. Vom Ortenau-Klinikum waren Geschäftsführer Christian Keller und Verwaltungsdirektor Christof Mutter vor Ort, von den Medizinischen Versorgungszentren Ortenau Geschäftsführer Rainer Bühn und vom Paul Gerhardt-Werk Vorständin Silke Boschert. Sie gaben Einblicke in die Konzeption, in zeitliche Abläufe der Umstrukturierung, Personalfragen und finanzielle Aufwendungen.

Ambulante medizinische Versorgung bleibt auch während der Kernsanierung erhalten

Als wertvoll erachtet wurde von Bürgermeister Metz sowie von mehreren Gemeinderäten die Tatsache, dass die derzeitige ambulante medizinische Versorgung auch in der Zeit der Kernsanierung des Altbaus weiter bestehen bleibt.

Bestandteil des Vertrags ist unter anderem ein medizinisches Versorgungszentrum mit mindestens vier Facharztsitzen (unter anderem Chirurgie, Endoskopie); Erhalt einer Röntgendiagnostik; Notfallpraxis oder Notfallsprechstunde mit bedarfsgerechten Öffnungszeiten; Sicherstellung eines Zentrums für ambulantes Operieren mit zwei zeitgemäß eingerichteten Eingriffsräumen; Erhalt des Notarztstandortes Ettenheim an sieben Tagen die Woche über 24 Stunden; Sicherstellung einer Rettungswache (in Absprache mit dem DRK) sowie ein "Case Management" zur Patientenlenkung.

Weitere Ärzte und Therapeuten sollen für Ettenheim gewonnen werden

Das Nachnutzungskonzept spricht im Detail noch einige weitere Zielsetzungen an, beispielsweise die Gewinnung weiterer Ärzte und Therapeuten, einen dritten OP-Raum, die Einrichtung von Veranstaltungsräumlichkeiten, die Schaffung eines Patientenlotse oder einen Café-Betrieb. Ferner ist die klare Zielsetzung formuliert, dass keine Praxen aus der Altstadt zum Umzug ins Zentrum animiert werden sollen.

Mit der neuen, dreigeschossigen geriatrischen Reha-Klinik mit ihren beiden Lichthöfen und 60 Plätzen wird ein Mietvertrag über 40 Jahre abgeschlossen. Für die südliche Ortenau bieten MVZ und Reha-Klinik künftig, so Geschäftsführer Keller, "eine wertvolle sektorenübergreifende medizinische Versorgung". Auch Bürgermeister Metz und Sprecher aller vier Gemeinderat-Fraktionen sehen im erreichten Nachfolgekonzept "eine gute medizinische Versorgung" – und dies "an einem der schönsten Standorte der Ortenau" (Metz).

Warnung an Klinikum-Chef Christian Keller

Nach langem Kampf habe man nun mit allen Beteiligten ein gutes Paket miteinander geschnürt, so Metz. Dieses Verdienst schrieben die Sprecher aller vier Fraktionen – Thomas Breyer-Mayländer (CDU), Sabine Meier (FLE)), Charlotte Götz (FWV) und Wolfgang Mutter (SPD) – in besonderem Maße dem Ettenheimer Rathauschef selbst zu, der im Kreistag hierfür vehement gekämpft habe. An die Adresse von Christian Keller richtete Charlotte Götz die "Mahnung", man werde allerdings "auch weiterhin genau beobachten", ob alle Versprechungen und Vereinbarungen auch tatsächlich eingehalten werden.