Mit zwei zusätzlichen Weichen soll der Hauptbahnhof Freudenstadt ausgestattet werden. Die Arbeiten beginnen voraussichtlich im März 2027. Foto: Carolin Schöffler

Die Bahn stellte die umfangreichen Weichenumbaumaßnahmen und den neuen Zeitplan für den Hauptbahnhof Freudenstadt vor.

Bei einem Termin am Freudenstädter Hauptbahnhof hat die Deutsche Bahn (DB) mit der baden-württembergischen Konzernbevollmächtigten Clarissa Freundorfer, Projektleiterin Peggy Bretfeld sowie Projektleiter Manuel Kreuzer im Beisein von Ministerialdirektor Berthold Frieß vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg sowie weiteren Vertretern des Landes politische Mandatsträger aus der Region zu den umfangreichen Arbeiten an der Infrastruktur und dem neuen Zeitplan informiert.

 

Im Rahmen der laufenden Planungen habe sich gezeigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn, dass die mögliche Lärm- und Erschütterungsentwicklung während der Baumaßnahmen bei den gesetzlich geltenden Immissionsschutzvorgaben ein Planfeststellungsverfahren erfordere. Dies habe die DB InfraGO umgehend eingeleitet. Die Arbeiten selbst sind von März bis Dezember 2027 vorgesehen.

Einschränkung für Reisende

Die Bahn setze alles daran, dass während der Bauphasen Einschränkungen für Reisende so gering wie möglich gehalten werden. Die Arbeiten sollen überwiegend nachts oder an Wochenenden stattfinden, anstatt den Bahnhof über längere Zeit komplett zu sperren.

Der Blick auf die Umbauarbeiten mache deutlich, dass es in Freudenstadt nicht um „eine Weiche“ gehe, sondern vielmehr komplexe Anpassungen der Infrastruktur notwendig seien.

Die DB InfraGO will zwischen den Gleisen 2 und 3 zwei neue Weichen einbauen, die eine flexible betriebliche Verbindung ermöglichen sollen. Aufgrund der unterschiedlichen Höhenlage der Gleise werden diese auf einer Länge von 300 Metern neu gebaut sowie der gesamte Gleisoberbau erneuert. Dabei tauscht die Bahn laut Mitteilung rund 1,5 Tonnen Oberbaumaterial, passt die Entwässerung an und ersetzt 30 Betonschwellen.

Stellwerkssoftware wird angepasst

Damit sowohl die neuen Weichen als auch bestehende handgestellte Rangierweichen in das Stellwerk eingebunden werden können, will DB InfraGO die Leit- und Sicherungstechnik im gesamten Bahnhofsbereich anpassen. Vorgesehen sind der Bau von fünf neuen Signalen, der Einbau von drei elektrischen Weichenantrieben sowie neue technische Einrichtungen im bestehenden Stellwerk.

Es sollen sechs Magnete zur Geschwindigkeitsüberwachung installiert, rund 2,5 Kilometer Kommunikationskabel erneuert, vier zusätzliche Gleisquerungen hergestellt und 600 Meter Kabelkanal gebaut werden. Abschließend werde die Stellwerkssoftware angepasst. Auch die Oberleitungsanlage müsse umgebaut werden, heißt es in der Mitteilung. Dazu stelle die Bahn zwölf neue Oberleitungsmasten auf und baue sieben bestehende Masten zurück.

Zuverlässigkeit im Winter

Um den Zugverkehr während der Bauzeit aufrechtzuerhalten, sollen zusätzlich fünf Behelfsmaste errichtet werden. Insgesamt erneuere DB InfraGO rund zwei Kilometer Oberleitung. Zusätzlich müsse für die Arbeiten die bestehende Gleisfeldbeleuchtung der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft auf einer Länge von etwa 350 Metern angepasst werden.

Damit die Weichen auch im Winter zuverlässig funktionieren, errichte die DB eine neue Weichenheizstation mit einer Leistung von 75 Kilovoltampere. Sie umfasse ein neues Technikgebäude sowie die Heizelemente für die Weichen.

Die DB InfraGO erneuere zudem den Übergang zwischen den Bahnsteigen, verbreitere ihn von 2,70 Meter auf 3,30 Meter und statte ihn mit taktilem Leitsystem für Menschen mit Sehbehinderung, besserer Beschilderung und neuem Geländer aus.

Anpassung der Infrastruktur im Hauptbahnhof Freudenstadt

Warum die Anpassung notwendig ist
 Für einen stabilen Betrieb und den Einsatz der neuen, batterieelektrischen Züge des Zugbetreibers SWEG, die einen barrierefreien Einstieg ermöglichen und längere Haltezeiten als die alten Dieselzüge haben, sei die Anpassung der Infrastruktur im Hauptbahnhof Freudenstadt notwendig, schreibt die Deutsche Bahn. Es handle sich um eine äußerst komplexe Umbaumaßnahme im Umfeld eines stark frequentierten Knotenpunktes im Netz.

Rückblick
Dem ursprünglich einfachen Auftrag zur Änderung einer Weichenverbindung sei 2022 eine signifikante Umbestellung mit dem neuen Auftrag gefolgt, für eine bessere Betriebsabwicklung eine weitere Weichenverbindung in Freudenstadt zu realisieren. Entgegen ersten Prämissen habe sich im Planungsprozess herausgestellt, dass aufgrund der geänderten Betriebssituation und des Umfangs der Maßnahme ein Planrechtsverfahren nach Paragraf 18 Allgemeines Eisenbahngesetz (AEG) beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) erforderlich wird. Im weiteren Planungsverlauf habe sich nun gezeigt, dass die Bahn das Vorhaben in ein Planfeststellungsverfahren überführen muss. Grund dafür sei der Umbau in mehreren Bauphasen mit einer entsprechend verlängerten Bauzeit, so dass die bisherigen Ausnahmeregelungen zu Bau- und Erschütterungsimmissionen während der Bauzeit nicht mehr anwendbar sind. Eine rechtssichere Beteiligung lasse sich nur im Rahmen eines Planfeststellungsverfahrens insbesondere durch die öffentliche Auslage der Unterlagen realisieren.

Einschränkungen
Die Umbaumaßnahmen sind laut Mitteilung für den Fahrplan mit den neuen Zügen zwingend erforderlich. So werde die Möglichkeit geschaffen, dass aus Richtung Hausach zwei Bahnsteiggleise erreicht werden, das heißt ein Zug kann ankommen und der nächste Zug direkt nach dessen Ankunft abfahren. Bis zum Abschluss der Arbeiten können weiter nicht alle Halte an der Strecke bedient werden. Der Ersatzverkehr mit Bussen ist für die Fahrgäste in Schenkenzell und Loßburg-Rodt überwiegend mit längeren Fahrzeiten verbunden.