Die Kinderbetreuung soll um fast zehn Prozent teurer werden. Ein entsprechender Beschluss steht auf der Tagesordnung der Gemeinderatssitzung am kommenden Montag. Die Gemeinde erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von 2400 Euro im Monat.
Rund 1,7 Millionen Euro hat die Gemeinde Seelbach im Jahr 2022 für ihre Kindertageseinrichtungen ausgegeben. Etwas mehr als 19 Prozent – rund 330 000 Euro – davon wurden durch die Elternbeiträge finanziert, wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht. Die Gemeinde möchte nun die Beiträge erhöhen.
„Nach wie vor unterliegt die Arbeit in der Frühkindlichen Bildung stetigen Kostensteigerungen“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage. Nicht zuletzt die Lohnerhöhung pädagogischer Fachkräfte im Tarifvertrag sorge dafür. Mit 1,54 Millionen Euro Personalkosten machen diese 90 Prozent der Gesamtkosten für die Seelbacher Kitas aus. Vor dem Hintergrund, dass die tatsächlichen Kostensteigerungen in Zeiten der Pandemie bewusst nicht im erforderlichen Maß in die Erhöhung der Elternbeiträge eingeflossen sind, müsse nun nach und nach eine deutlich höhere Anpassung der Beitragssätze nachgeholt werden, heißt es. Die Empfehlung von Städte- und Gemeindetag sowie der Kirchenleitungen dafür liege bei 8,5 Prozent.
Gemeinde orientiert sich an der Empfehlung
An diesem Wert orientiert sich nun die Gemeinde. Die Beiträge für Kinder ab drei Jahren in Familien mit einem Kind sollen beispielsweise von 127 Euro auf 138 Euro steigen. Die größte Erhöhung kommt auf Kinder ab drei Jahren in der Ganztagsbetreuung in der St. Nikolaus-Kita zu. Dort erhöht sich der Betrag von 411 auf 446 Euro. Bei fast drei Vierteln der Kinder jedoch beträgt die Erhöhung nicht mehr als 15 Euro im Monat.
Von Seiten der Eltern, so geht aus der Beschlussvorlage ebenfalls hervor, hat es bereits Mitte des Jahres Kritik gegeben. „Die angedachte Erhöhung der Kita-Beiträge um 8,5 Prozent entspricht auf keinen Fall der aktuellen Inflation und ist deshalb so nicht zu rechtfertigen. Ferner ist der zu erwartende Lohnausgleich noch weit von 8,5Prozent entfernt“, nahmen die Elternbeiräte in einem Schreiben an die Gemeinderäte Stellung. Man verstehe, dass die „tolle Arbeit der Erzieherinnen“ entsprechend entlohnt werden müsse. „Allerdings sehen wir in der Gemeinde Seelbach durchaus das Potenzial, diese Finanzierung anders zu gestalten, um unsere Kleinsten und die Familien zu entlasten“.
Finanzierung per Kurtaxe?
Als Möglichkeit hatten die Eltern die Kurtaxe ins Auge gefasst. Neben einer allgemeinen Erhöhung seien auch reduzierte statt kostenfreie Angebote für Feriengäste ein gangbarer Weg. „Dieser minimale Mehrbeitrag würde keinen Urlauber abschrecken, aber könnte gleichzeitig die Familien in Seelbach entlasten“, schlugen die Eltern vor.
Bei einem Treffen am 26. Juli mit Elternvertretern, Trägern und Leitungen der Kitas, Gemeinderäten und der Verwaltung sei den Elternvertretern das Thema vorgestellt worden, heißt es in der Beschlussvorlage. Dabei wurden die Finanzierung der Tageseinrichtungen und die Auswirkungen der Beitragsanpassungen erläutert und auch dargestellt, dass der angestrebte Deckungsgrad von 20 Prozent durch Elternbeteiligung noch unterschritten wird. „Die Elternbeiräte haben nach der ausführlichen Vorstellung für die vorgeschlagene Beitragsanpassung zum Dezember 2023 Verständnis gezeigt“, heißt es. Eine gewisse Entlastung habe es dadurch gegeben, dass die Anpassung auf Dezember verzögert wurde.
Sitzung am 16. Oktober
Das Thema Kita-Gebühren wird bei der Sitzung des Gemeinderats am Montag, 16. Oktober, ab 19 Uhr im Bürgersaal des Rathauses besprochen. Weitere Themen der Sitzung sind der Beschluss über die Bereitsstellung des Parkplatzes „Im Wiesengrund“ für eine Flüchtlingsunterkunft (wir berichteten) sowie die Eröffnungsbilanz der Gemeinde.