Daniel Hernes läuft gerne oberkörperfrei – auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Foto: Hernes

1000 Klimmzüge und 100-Kilometer-Läufe sind für ihn kein Problem: Extremsportler Daniel Hernes begeistert mit seinen Videos auf Instagram tausende Fans. Der 36-jährige Offenburger rennt gerne oberkörperfrei und mit Strohhut durch den Schwarzwald.

100 Kilometer läuft Daniel Hernes im Schnitt in der Woche. Oberkörperfrei und mit Strohhut auf dem Kopf rennt der Ultraläufer aus Offenburg durch den Schwarzwald.

 

Mit seinen Videos, in denen er mal eben 5000 Liegestütze macht, 100 Klimmzüge in weniger als fünf Minuten ausführt oder durch eine Schneelandschaft saust und „der Kessel muss brennen“ ruft, begeistert er tausende Menschen in den sozialen Medien.

Nicht nur auf Instagram hat der 36-Jährige Fans – 230 000 Menschen folgen seinem Profil „danny_run“ – auch auf der Straße wird er erkannt und angesprochen.

36-Jähriger trainiert oft in der Nacht

„So fit wie ich jetzt bin, war ich noch nie“, erklärt Hernes im Gespräch. Auch wenn die Distanz Offenburg – Lahr kein Problem für den Extremsportler wäre, legt er den Weg in unsere Redaktion nicht zu Fuß zurück. „In meinem Leben gibt es eine wichtige Reihenfolge. An erster Stelle kommt meine Familie, dann meine Arbeit und wenn alles erledigt ist, kommt mein Training. Deshalb trainiere ich viel in der Nacht oder früh am Morgen“, erklärt der 36-Jährige, der seine Sportkarriere im Alter von zehn Jahren mit dem Turnen begann. Ganze Tage habe er damals in der Turnhalle in Haslach verbracht und auch dort übernachtet. „Wenn meine Freunde weggegangen sind, bin ich erst noch trainieren gegangen. Anfangs bin ich später dazugestoßen, später nicht mehr“, erinnert sich Hernes. Er sei viel alleine gewesen in der Zeit. „Das war aber so gewollt. Ich würde alles wieder so machen“, betont er. Nach einer Verletzung 2013 war für den Turner plötzlich Schluss: „Bei dem, was wir damals abgezogen haben, ist es krass, dass nicht mehr passiert ist. Ich habe ein kaputtes Knie, bin aber noch glimpflich davongekommen“, sagt er heute.

Daniel Hernes läuft bei längeren Strecken mit seinem Rucksack. Foto: Hernes

Doch ein Ende der Sportkarriere war dieser Einschnitt nicht – im Gegenteil: „Auf einer Autofahrt hatte ich eine Art Blitzeinschlag: Ich höre auf, Zigaretten zu rauchen und werde Ultraläufer. Ein so starkes Gefühl hatte ich davor noch nie.“ So begann Hernes zu laufen. Er machte viele Wettkämpfe mit, etwa auf der Zugspitze. Doch schnell merkte er: Sein Ding sind Läufe auf eigene Faust – ohne Pflichtausrüstung und ohne andere Teilnehmer. „Bei uns im Schwarzwald gibt es 26 Fernwanderwege. 2020 habe ich entschlossen, alle  zu laufen“, erklärt der 36-Jährige. Einen Großteil der Strecken habe er schon hinter sich und halte auf vielen auch den Streckenrekord.

Seine bisher größte Challenge: der Westweg, eine Strecke von Pforzheim bis Basel, rund 300 Kilometer, etwa 8500 Höhenmeter. „Für 100 Kilometer brauche ich keine große Vorbereitung. Da ziehe ich den Rucksack an und laufe los“, so Hernes. Doch der Westweg sei eine Herausforderung gewesen – selbst für ihn. Nachdem ein erster Versuch 2023 missglückte – „als Sportler ist es wichtig zu wissen, wann man aufhört“ – lief es im vergangenen Jahr dann „wunderschön“. Der 36-Jährige ist sichtlich stolz auf seine Extremleistung: „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke“, betont er.

Der Erfolg in den sozialen Medien war ungeplant

Er startete in Pforzheim, rannte Nächte durch, sah Sonnenauf- und -untergänge, schlief kaum, ernährte sich an Naturkühlschränken, hatte Halluzinationen und kam in gefährliche Situationen, in denen ein falscher Tritt den Tod bedeutet hätte. „Von der zweiten Nacht kann ich mich gar nicht an so viel erinnern, da bin ich einfach im Autopilot gelaufen“, berichtet Hernes. „Bei Kilometer 265 auf dem Blauen dachte ich mir zum ersten Mal: Wann nimmt der Westweg ein Ende?“ Was ihm half, den Rest der Strecke durchzuhalten? Eine Käsebretzel mit Speck, die er sich bei einem Bäcker holte.

Der Westweg war für den 36-Jährigen bisher die größte Challenge. Foto: Hernes

„Das war wunderschön“, so Hernes. Die Bilanz, nachdem er kurze Zeit später den Bahnhof in Basel erreichte: 63 Stunden und 58 Minuten (von Montag bis Donnerstag) bei insgesamt rund vier Stunden Schlaf. „Ich werde das nie wieder rennen. Ich will es so in Erinnerung behalten. Das war für mich ein wunderschönes Abenteuer“, betont der Ultraläufer. Seine Frau – Hernes ist verheiratet, hat eine Tochter und arbeitet Vollzeit als Büroangestellter – nehme seine Projekte locker. „Sie kennt mich und weiß, dass für mich das Wichtigste ist, wieder gesund nach Hause zu kommen“, erklärt er. Seine Familie und Zeit mit ihr zu verbringen sei für ihn sehr wichtig.

Der Erfolg in den sozialen Medien sei ganz ungeplant passiert. Er habe angefangen, Videos zu veröffentlichen und dann „entwickelte es sich sehr schnell“. Mittlerweile verdient sich der unter „danny_run“ bekannte Influencer über eine Kooperation mit „ESN – Elite Sports Nutrition“, ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln, etwas dazu.

Authentizität steht bei Hernes an oberster Stelle

Er sei sehr stolz, „ESN Athlet“ zu sein und das repräsentieren zu dürfen. „Bei mir steht Authentizität an oberster Stelle. Ich gebe mich so, wie ich auch in der Freizeit bin und würde mich niemals verstellen“, betont er. Am Anfang hätten Leute seine Videos für Satire gehalten. „Ich habe mittlerweile aber verstanden: Was für mich völlig normal ist, ist es für andere nicht“, sagt er.

Das, was er tue, habe nichts mit Sportsucht zu tun, betont Hernes. „Ich schätze, was ich kann, und verheize meinen Körper nicht.“ Solange es gehe und solange er keine Schmerzen habe, wolle er weitermachen. „Aber ich weiß, dass der Tag kommt, an dem ich es nicht mehr machen kann. Dann spiele ich Boccia im Garten“, so der 36-Jährige.

Die Internetpromis

Unsere Serie
„Ortenauer Internetpromis“ stellt Menschen aus der Region vor, die in den sozialen Medien bekannt geworden sind. In Porträts zeigen wir, was sie und ihre Arbeit ausmacht.

Auf Instagram
findet man Daniel Hernes unter @danny_run. Weitere Informationen zu ihm, seinen Tätigkeiten und eine Kontaktmöglichkeit gibt es online.