Das IWF-Frühjahrstreffen zeigt: Putins Krieg lähmt auch die Arbeit an den großen Fragen der Zeit. Das wird sich rächen, befürchtet Thorsten Knuf.
Seit fast zwei Monaten führen russische Truppen ihren mörderischen Feldzug in der Ukraine. Entschieden ist der noch lange nicht, Wladimir Putin hat bisher kein einziges Kriegsziel erreicht. Stattdessen ist sein Reich international weitgehend isoliert und steht an der Schwelle zum wirtschaftlichen Ruin. Selbst wenn der Krieg eines Tages vorbei sein sollte, wird sich ein Großteil der restlichen Welt schwer damit tun, wieder normale Beziehungen zu Putins Russland zu pflegen.
Putins Krieg lähmt die G 20
Beim traditionellen Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie der Weltbank diskutieren Politiker, Notenbanker und Finanzexperten aktuelle Probleme der Weltwirtschaft. Auch russische Vertreter nehmen üblicherweise an den Washingtoner Konferenzen teil. Russland gehört der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G 20) an, was zumindest die westlichen Mitglieder gerade vor ernsthafte Problem stellt. Sie wollen dem Land schließlich keine Bühne bieten, sondern es so weit wie möglich isolieren. Putins Krieg lähmt auch die G 20: Ihm wohlgesinnte Mächte wie China, Indien und Brasilien werden sich dort kaum offen gegen Russland stellen. Die USA wiederum haben angekündigt, auf dem Weg zum G-20-Gipfel im Herbst Konferenzen zu boykottieren, wenn dort Repräsentanten Moskaus mit am Tisch sitzen. Beim Treffen der G-20-Finanzminister verzichtete man bereits auf eine gemeinsame Abschlusserklärung. Als der russische Vertreter das Wort ergriff, verließen mehrere westliche Delegierte den Raum.
Ist der Multilateralismus tot?
Die G 20 sind ein Forum, in dem recht effizient grundlegende Fragen der Menschheit behandelt werden können: die Klimakrise etwa, die Bekämpfung von Armut und Hunger oder Wege zu nachhaltigem Wachstum. Doch es geht längst nicht nur um die G 20. Früher oder später wird sich auch die Frage stellen, wie man im Rahmen der Weltklimakonferenzen mit Russland umgeht. Man sollte Putin nicht unterschätzen. Er hat nicht nur mächtige Sympathisanten, sondern verfügt auch über Machtmittel, um Schwellen- und Entwicklungsländer auf seine Seite zu ziehen. Mit der bevorzugten Lieferung von Öl oder Getreide dürfte sich so manche Regierung gefügig machen lassen.
All das verheißt auf absehbare Zeit nichts Gutes für den Multilateralismus. Dabei gilt eigentlich, dass zur Lösung der großen Probleme unserer Zeit jede helfende Hand gebraucht wird und kein Land der Welt die Dinge im Alleingang regeln kann. Einen Donald Trump hat das internationale System der Zusammenarbeit einigermaßen schadlos überstanden. Ob das auch für einen Wladimir Putin gilt, muss sich erst noch zeigen.