Der Wohnraum für Geflüchtete aus der Ukraine wird in Calw knapp. Der städtische Flüchtlingsbeauftragte Michael Kunert ist gerade dabei, die beiden letzten zur Verfügung stehenden Wohnungen zu belegen. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Michael Kunert sucht Wohnungen für Flüchtlinge aus der Ukraine. "So viele wie möglich", sagt der Flüchtlingsmanager der Stadt Calw im Gespräch mit unserer Zeitung. Sicher kein leichtes Unterfangen in einem angespannten Markt.

Calw - Der Zustrom an Flüchtlingen angesichts des anhaltenden Kriegs in der Ukraine hält unvermindert an. Die Landeserstaufnahmestelle (LEA) in Karlsruhe nenne ständig steigende Zahlen. Die LEA ist ebenso voll wie die Gemeinschaftsunterkünfte in den Kommunen. Mittlerweile sind die Städte und Gemeinden aufgerufen, Flüchtlinge direkt zu vermitteln, was in Calw schon seit längerem geschieht. Vor allem muss vermieden werden, dass Flüchtlinge in Zelten und Turnhallen untergebracht werden müssen. Denn, so Kunert, "das kann durchaus eskalieren."

Einliegerwohnungen im Fokus

Gleichwohl gibt sich der städtische Flüchtlingsmanager zuversichtlich, weitere Unterkünfte zu finden. Kunert denkt da vor allem an die vielen leer stehenden Einliegerwohnungen. Aber auch alle anderen Wohnungen nimmt er gerne. Kunert: "Da gibt es alle Konstellationen. Von Alleinstehenden über die Mutter mit drei Kindern bis hin zu großen Familien."

Bislang sind von den 234 ukrainischen Flüchtlingen in Calw 116 in 30 Wohnungen untergebracht, 82 privat bei Familien und 36 in Gemeinschaftsunterkünften auf dem Wimberg und in der Eduard-Conz-Straße.

Kunert ist gerade dabei, die beiden letzten Wohnungen zu belegen. Die Zeit drängt also. In den bestehenden Mietverhältnissen hat es bislang keine Probleme gegeben, sagt der Flüchtlingsmanager. Lediglich zwei Kündigungen habe es gegeben. Gründe waren keine Mietstreitigkeiten, sondern Krankheit und Wegzug. Die Stadt tritt als Ankermieter auf, die Hausbesitzer gehen also kein Risiko ein. Die Abwicklung erfolge schnell und unbürokratisch.

Ansturm auf Integrationskurse

Kunert zeigt sich vom Integrationswillen der Ukrainer beeindruckt. Seien die ersten Flüchtlinge noch davon ausgegangen, dass der Krieg nach wenigen Wochen beendet sein wird und sie in ihre Heimat zurückkehren können, wird jetzt deutlich, dass sie länger und auf unbestimmte Zeit in Deutschland bleiben müssen. Deshalb habe ein wahrer Ansturm auf Integrationskurse eingesetzt, sie waren schnell ausgebucht. Diejenigen, die keinen Platz bekommen haben, kaufen sich Bücher, um sich die deutsche Sprache selbst beizubringen. Sie versuchen, so schnell wie möglich eine Arbeitsstelle zu finden – und sind dabei nicht wählerisch.

Wissensdatenbank in Eigenregie

Die Flüchtlinge sind hervorragend organisiert, weiß Kunert. Ukrainer in Calw betreiben beim Messaging-Dienst Telegram zwei Kanäle, wo Flüchtlinge eine Vielzahl an Informationen finden. Das reicht von Adressen von ukrainisch oder russisch sprechender Ärzte bis hin zum Umgang mit Behörden und Öffnungszeiten von Schwimmbädern. Laut Kunert "ist das die beste Wissensdatenbank für ukrainische Flüchtlinge in Deutschland".

Schusslöcher in so manchem Fahrzeug

Und Kunert erinnert auch an die Gründe für die Flucht. Die Menschen in den russisch besetzten Gebieten leiden unter den permanenten Bombardierungen. Ständig sei die Energieversorgung unterbrochen, die wirtschaftliche Lage sei katastrophal. Kunert: "Hier sind schon Flüchtlinge in Autos angekommen, die Schusslöcher aufwiesen."

Info: Kontakt

Wer eine Wohnung zu vermieten hat, wendet sich per E-Mail an: mkunert@calw.de.