Uhus waren in Deutschland jahrzehntelang ausgerottet. Mittlerweile gibt es wieder 2500 Brutpaare. Foto: Peter Steffen

Mindestens zwei Uhus fühlen sich offenbar in Haslach wohl und balzen.

Wer derzeit abends im Haslacher Eichenbach unterwegs ist, hat es vielleicht schon einmal gehört: ein tiefes, ernsthaftes „Huh!“, das aus dem Wald schallt, manchmal gefolgt von einem etwas höheren „Huhu!“ von anderer Stelle. So mancher wird gedacht haben, dass ein paar Käuzchen ein nächtliches Konzert veranstalten. Doch der tiefe Ruf stammt von einem größeren und weitaus selteneren Tier: einem Uhu. Der scheint sich nun auch in Haslach wohl zu fühlen.

 

Dass es im Kinzigtal Uhus gibt, ist spätestens seit September der vergangenen Jahres klar. Damals hatte die Polizei einen angefahrenen Uhu vor dem Hausacher Tunnel aufgesammelt (siehe Info). Nicht überrascht, aber erfreut zeigt sich aus diesem Grund Manfred Weber vom Nabu Offenburg, dass in Haslach nun zwei Uhus zu hören sind. Weber ist für das Monitoring der Uhus in der Region zuständig, also der Erfassung der Populationen. „Die Bestände der Uhus im Schwarzwald erholen sich gut. Mittlerweile sind hier in der Region fast alle Steinbrüche von Uhus besetzt“, berichtet er. Nachdem der Vogel in den 40er- bis 60er-Jahren in Deutschland sowie in weiten Teilen Europas vollkommen ausgerottet war, siedele er sich langsam wieder an. Menschen sahen den Uhu, der sich von Kleintieren und kleineren Vögeln ernährt als Nahrungskonkurrenten und Schädling an und bejagten ihn gnadenlos. Nachdem der Uhu in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz unter Höchstschutz gestellt wurde, kam der Vogel mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter wieder nach Deutschland. Laut Weber gab es einige Auswilderungsprogramm, aber der Uhu wanderte beziehungsweise flog auch aus anderen Ländern ein. Seit einigen Jahren hat sich der Bestand in Deutschland auf etwa 2500 Brutpaare erholt.

Etwa 20 Brutpaare gibt es in der gesamten Ortenau

Etwa 20 leben in der Ortenau, wie Weber schätzt. Von einer Überpopulation kann also noch lange nicht die Rede sein, auch wenn zu diesen Paaren wohl noch eine Dunkelziffer hinzu kommt und einige Jungtiere dazu zu zählen sind, die noch auf der Suche nach einem eigenen Revier sind.

Den „Huh“-Ruf des Uhus kann man aus diesem Grund das ganze Jahr über hören, doch dass gerade jetzt in Haslach die Stimmen gleich zweier Vögel zu hören sind, sei eine erfreuliche Nachricht: Es ist gerade Balzzeit und ein tiefer Ruf, gefolgt von einem höheren, sei typisch für ein Männchen und ein Weibchen, die sich gefunden haben. Wie Weber ausführt, sind Uhus monogam, das heißt, hat sich ein Pärchen füreinander entschieden, bleibt es ein Leben lang zusammen – und das nicht nur zur Brutzeit. Gegen Ende des Winters, meistens im Februar, beginnt die Balzzeit und im März legt das Weibchen zwei bis drei Eier, aus denen im April die Jungen schlüpfen. Das Männchen versorgt Junge und Weibchen während der Brut und danach mit Nahrung. Als Brutort wählen sie typischerweise Felsen und gerne Steinbrüche. Allerdings sind die Vögel anpassungsfähig und brüten auch mal in Bäumen oder sogar am Boden. Natürliche Feinde haben sie außer dem Menschen ausgewachsen kaum, so Weber. Die Jungen müssen sich bei einer Bodenbrut nur vor Fuchs, Dachs und Wildschwein fürchten. Die zunehmende Zahl der invasiven Waschbären, die sehr gute Kletterer sind, könnte in Zukunft allerdings zum Problem werden.

Die meisten Uhus sterben allerdings im Verkehr, berichtet Weber, und der Uhu, der in Hausach angefahren wurde, sei ein typisches Beispiel. „Uhus sind Ansitzjäger. Erspähen sie Beute, fliegen sie tief darauf zu und können schnell heranfahrenden Autos oder Zügen nicht ausweichen“, so der Experte. Die Zersiedelung der Landschaft, die von vielen Straßen und Gleisen durchzogen wird, stellt für den Uhu damit die größte Gefahr dar.

Revierverhalten ist vom Nahrungsangebot abhängig

Vor seinen Artgenossen hat er allerdings nicht viel zu fürchten – zumindest wenn es genug Nahrung gibt. Im Gegensatz zum Storch, bei dem einige Individuen wie das Paar, das auf dem Haslacher Kirchturm brütet, sehr territorial sein können, hängt das Revierverhalten des Uhus vom Nahrungsangebot ab. „Je mehr es zu fressen gibt, desto eher dulden sie andere Uhus in der Nähe“, fasst Weber zusammen. „Die Reviere können sich auch überschneiden.“

In Haslach ist bisher jedenfalls nur ein Paar zu hören. Der Haslacher Rudi Allgeier, der sich in der Haslacher Vogelwelt gut auskennt, schätzt, dass sich dieses den Steinacher Steinbruch als Brutort auserkoren hat. Ob sie dort oder vielleicht doch irgendwo im Wald ihre Jungen aufziehen, wird sich spätestens im Mai zeigen. Dann seien die Bettelrufe der kleinen Uhus nämlich gut zu hören, weiß Weber.

Dann, aber auch sonst gelte: Die Uhus müssen in Ruhe gelassen werden, damit sie in Ruhe brüten und ihre Jungtiere aufziehen können. Auf Störungen reagieren die Tiere nämlich sehr empfindlich. Fotografieren oder gar zum Nest klettern sei tabu, betont Weber.

Nutztierhalter müssen sich übrigens wenige Sorgen machen: Schafe, Ziegen und Gänse stehen nicht auf dem Speiseplan des Uhus. Zwar ist er mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Metern der größte Eulenvogel Europas, aber mit einem Gewicht von maximal 2,5 Kilogramm könnte er mit einer solchen Beute niemals wegfliegen. Und: „Wie bei allen Beutegreifern gilt, dass der Uhu Beute bevorzugt, die leicht zu erlegen ist. Er fängt vor allem alte und kranke Tiere“, erklärt Weber die biologische Rolle des Uhus.

„Ahab“

Der angefahrene und am Auge verletzte Uhu, den die Polizei September vor dem Hausacher Tunnel aufsammelte, kam zunächst in die Obhut des Haslacher Vogelexperten Rudi Allgeier, der dem Tier den Namen „Ahab“ gab. „Ahab“ wurde schließlich in die Obhut einer Expertin aus Oberwolfach übergeben. Diese versorgte ihn bis er wieder genesen war.