Gerhard Gröschel betreibt in seinem Haus in Murr ein Observatorium,um Ausschau nach Ufos zu halten. Wobei er ohnehin schon jetzt völlig sicher ist: Es gibt Außerirdische.
Was für ein Spektakel am Himmel über Murr! Gerhard Gröschel ist an jenem 22. März 2011 komplett begeistert – und auch überrascht. Die imposante Erscheinung direkt über seinem Haus, die er zufällig nach Einbruch der Dunkelheit beobachtet, nennt der 72-jährige Privatier „das i-Tüpfelchen“. Er sei sich damals im Grunde schon sicher gewesen: Es gibt Ufos, unbekannte Flugobjekte, die von hyperintelligenten Außerirdischen gesteuert werden. Aber danach war nicht der leiseste Zweifel mehr. Das Objekt, das er am besagten Dienstagabend vor knapp 15 Jahren gegen 20.45 Uhr über Murr beobachtet haben will, beschreibt der Ufo-Forscher als ein „matt-weißes Dreieck“.
Zunächst habe er eine Spiegelung im Fenster vermutet. Gröschel erzählt an einem trüben Herbstvormittag von diesem Schauspiel, und seine Augen glänzen vermutlich mit der gleichen Begeisterung wie früher, als er noch ein Bub von kaum mehr als zehn Jahren war und mit kindlicher Freude von unbekannten Flugobjekten und Außerirdischen in den Illustrierten seiner Eltern gelesen hat.
Länger als ein Jumbojet
Am 22. März 2011 öffnet Gröschel also das Fenster im Dachgeschoss seines Reihenhauses. „Das Objekt ist keine Spiegelung, es bewegt sich lautlos und zügig in gerader Richtung, etwa mit der Geschwindigkeit, die Wolken bei einem sehr starken Sturm haben. Ich sehe das Objekt von unten und vorne, dann von unten und hinten“, so beschreibt Gröschel seine Beobachtungen auf seiner Internetseite. „Das Objekt fliegt über mein Haus in östliche Richtung. Ich gehe sofort an das Ostfenster und öffne es, kann jedoch nichts mehr von dem Objekt sehen.“ Er erzählt „von einer unglaublichen Größe“, das Objekt sei deutlich länger gewesen als ein Jumbojet. Das Ufo sei geräuschlos im Gleitflug unterwegs gewesen und dann nach ein paar Sekunden wieder verschwunden.
Handfeste Beweise für die Beobachtung hat der Mann, der einst Fernmeldemonteur gelernt hat und später als selbstständiger Unternehmer Alarm- und Überwachungssysteme gebaut, verkauft und betreut hat, freilich nicht. Auch keine Fotos und Videoaufnahmen. Obwohl er seit vielen Jahren ganz oft seine selbst konstruierten Apparaturen mit Kameraobjektiven in Richtung Himmel richtet. Die allermeisten Menschen dürften seine Schilderungen bezweifeln. Das wisse er, sagt Gröschel, es sei ihm aber ziemlich egal. Er sei „kein Prediger“, wolle niemanden überzeugen. Es sei ihm völlig egal, ob Menschen an Ufos glaubten oder nicht. Was will dieser Mann, der sich täglich bis zu acht Stunden mit seiner Passion beschäftigt, überhaupt? Seine Antwort: „Erkenntnisse.“
Ein Video als Erweckungserlebnis
Zurück in seine Kindheit und Jugend. Gerhard Gröschel sagt, sein Faible für Ufos und ferne Galaxien sei nach ein paar Schülerjahren zunächst wieder verflogen. Als Teenager begeistert er sich für ganz andere, zunächst ebenfalls fremde Welten: für Mädchen. Nach der Schule macht er die Lehre zum Monteur bei den Technischen Werken der Stadt Stuttgart, dann geht er für zwei Jahre zur Polizei in Göppingen. „Aber das war alles nichts für mich“, sagt er. „Mit Vorgesetzten komme ich halt schlecht zurecht.“
Auch einen Job bei Siemens wirft er bald wieder hin, macht sich schließlich selbstständig und arbeitet für viele namhafte Firmen im Raum Stuttgart. Gröschel verdient gutes Geld. Seine Zwillingstöchter kommen zur Welt, sie sind mittlerweile 44 Jahre alt und haben zusammen acht Kinder.
Mit Anfang 30 bekommt Gerhard Gröschel zufällig eine VHS-Kassette mit einem Film über Ufos in die Hände. Er schaut sich die Sequenzen an und ist wieder angefixt, wie damals als Schüler. Die alte Neugier ist erwacht. „Ich habe mir dann alle Kassetten und deutschsprachigen Bücher zum Thema unbekannte Flugobjekte gekauft.“
Was andere über ihn denken, ist ihm egal
Er sieht weiße Kugeln am dunklen Himmel und sonstige unerklärbare Erscheinungen, liest spannende Berichte, tritt mehreren Vereinen bei, die sich mit Ufos befassen. Die Mitglieder eines Clubs seien „extrem skeptisch“ gewesen. Der Mann aus Murr will alles ganz genau wissen, tauscht sich mit Leuten aus, die überzeugt sind von der Existenz von Ufos und Aliens. Aber auch mit solchen Menschen, die arg zweifeln.
Gröschel beginnt, Menschen zu befragen, die sagen, sie hätten Ufos gesehen. Eine Frau aus der Nähe von Rüsselsheim, die von einer über ihrer Terrasse schwebenden Kugel erzählt, beeindruckt ihn besonders. Sie habe ganz viele kleinste Details geschildert. Das unbekannte Flugobjekt habe einen Durchmesser von zehn bis 15 Metern gehabt, sei zunächst gelb gewesen, dann schwarz geworden. Das Schwarze sei „wie ein Vorhang“ von oben nach unten über die Kugel gekommen. Die Oberfläche des Objekts habe die Frau an die Haut einer Orange erinnert.
Nach zig Gesprächen mit Leuten, die sich bei ihm gemeldet haben, weiß Gröschel: „Das kostet alles nur Zeit und Geld. Wir brauchen eigene Videos und Messwerte.“ Zusammen mit einem befreundeten Informatiker und Tüftler konstruiert er seither Apparate und Gerätschaften, die den Himmel filmen sowie das Magnetfeld und die Gravitation messen. Bald hat er so viele Himmelsphänomene aufgenommen, dass er sicher ist: Es gibt Ufos. Und die Außerirdischen seien weit intelligenter als die Menschen, „sonst wären wir bei denen und nicht die bei uns“.
Unglaubliche Storys
Viele Kumpels und Bekannte kennen Gerhard Gröschel in erster Linie als Sportler. Früher war er Triathlet. Doch seit das Knie zwickt, rennt er nicht mehr, sondern fährt gelegentlich Mountainbike und schwimmt fast jeden Tag mehrere Kilometer. Viele wüssten von seinen ungewöhnlichen Ufo-Forschungen, sagt er. Ob diese Leute ihm seine unglaublichen Storys abnehmen?
Zum Beispiel die Geschichte aus Canneto di Caronia auf Sizilien, wo sich angeblich sogenannte Geister-Feuer ereignet haben sollen. Wegen dieser Berichte und angeblicher Ufo-Sichtungen reist Gröschel im Mai 2016 für ein paar Tage in das Dorf an der Mittelmeerküste. Später notiert er: „Der Abend des 7.5.2016 hat mehrere eindrückliche Aufnahmen eines unbekannten Objekts gebracht.“
Zudem habe er auf Sizilien „etwas Unmögliches erlebt“. Mitten in der Nacht seien seine Aufzeichnungsgeräte von ominösen Unbekannten bewegt worden, zudem habe er „unglaubliche Magnetfeldänderungen“ aufgezeichnet. Gröschels Schlussfolgerung: „Ich hatte Besuch von Außerirdischen.“
Die Nachmittage sind reserviert für seine Ufo-Recherchen
Glaubt ihm vermutlich auch wieder keiner. Egal. Er sagt, er werde unverdrossen weiterforschen. Er will auch künftig jeden Morgen die Videoaufzeichnungen, die seine Kameras während der vergangenen 24 Stunden vom Dach seines Hauses aus gemacht haben, sichten, dann frühstücken und anschließend schwimmen gehen, im Sommer im Freibad Hoheneck, im Winter im Hallenbad Neckarsulm. Die Nachmittage seien dann reserviert für seine Ufo-Recherchen, für das Schreiben von Berichten und die Pflege seiner Homepage. Das erfüllt ihn irgendwie.
Würde er gerne Aliens treffen? „Auf jeden Fall“, sagt Gröschel. Denn das wäre der „ultimative Beweis“. Nur entführt werden, das wolle er doch lieber nicht. Gerhard Gröschel erwartet indes, dass weder das eine noch das andere passiert. Denn spätestens nach der Episode auf Sizilien weiß er: „Ich bin für die Außerirdischen zu uninteressant.“