So sehen Sieger aus: Mit einem kleinen, aber recht routinierten Kader ärgerte der VfL Nagold den Favoriten. Foto: Luca Hofmann

Auswärtspunkte sind bei den Nagolder Handballerinnen rar. Umso spektakulärer war das Spiel des VfL Nagold beim Topteam SG Maulburg/Steinen.

65 Tore in 60 Minuten – die Zuschauer in der Sporthalle Steinen erlebten ein Torspektakel. Zu erwarten war das im Vorfeld nicht. Denn eigentlich sind beide Teams eher für ihr Defensivarbeit bekannt.

 

Nun, an diesem Abend war aus VfL-Sicht ohnehin einiges anders als sonst. Und vielleicht war es gerade aus diesem Grund, dass die Truppe aus dem Nagoldtal so überzeugend aufspielte und letztlich verdient siegte.

Die Anfahrtsstrecke zum Beispiel war mit gut 180 Kilometern ungewöhnlich lang. Und auch, dass so gut wie keine Fans mitreisten, ist für die Nagolder Frauen eher ungewohnt. Schließlich war auch der Kader knapp bemessen.

Ausgedünnter Kader

Nicht nur die A-Jugendspielerinnen fehlten in der Fremde als Verstärkung, auch vier weitere Spielerinnen mussten absagen. Und so hatte das Trainerteam Renz/Seyfarth letztlich zwar drei Torhüterinnen im Kader, aber eben nur acht Feldspielerinnen. Da gab es also nicht viele Wechselmöglichkeiten.

Konzentriert von Anfang an

Die Mannschaft aber ließ sich nach dem hohen Heimsieg gegen Steißlingen nicht kirre machen und spielte von Anfang an konzentriert. Jede Spielerin wusste, dass es an diesem Abend auch auf sie ankommen würde, und jede gab wirklich alles.

Markus Renz begeistert

Schon beim Aufwärmen merkte Trainer Markus Renz: „Da waren alle mit vollem Fokus dabei.“ Und so kann sein Fazit auch gar nicht anders lauten als: „Das war ein super Auswärtsspiel von uns!“

Wobei es durchaus ein paar Minuten dauerte, bis der VfL Nagold ein erstes Ausrufezeichen setzen konnte. Die ersten zehn Minuten verlief das Spiel noch ausgeglichen, dann setzten sich die Gastgeberinnen bis zur 19. Minute auf 13:9 ab.

Der Favorit zieht davon

Die SG wurde da ihrer Favoritenrolle absolut gerecht. Schließlich stand das Team bis dato nach nur einer Niederlage weit oben in der Tabelle auf Platz drei, punktgleich mit dem Tabellenzweiten. Nagold dagegen war als Tabellenachter angereist.

Auszeit bringt den VfL zurück

Doch von diesem Unterschied war in der Sporthalle Steinen am Samstagabend nichts zu spüren. Nachdem Coach Renz beim Rückstand von 9:13 die Auszeit genommen hatte, war sein Team nochmals fokussierter. „Ab da stand dann auch unsere Abwehr echt gut“, sagt Renz. Und Keeperin Julia Völpel habe auch wieder einen super Tag gehabt.

Sensationelle Führung zur Pause

Die Folge: der VfL Nagold arbeitete sich emsig heran und belohnte die Aufholjagd gar mit einer knappen 17:16-Pausenführung.

Die besten 30 Minuten seit Langem

Das allein war schon beeindruckend, doch in der zweiten Hälfte lieferte das Nagolder Team wohl mit seine besten 30 Minuten ab, die es je in der Verbandsliga auswärts gespielt hat. Da war absoluter Siegeswille zu spüren. Das sollte vielleicht immer so sein, doch gerade in Auswärtsspielen ist das bei den Nagolderinnen nicht immer der Fall. „In der zweiten Hälfte waren wirklich alle vom Kopf her voll bei der Sache“, schwärmt Renz. Auf bis zu fünf Tore enteilte Nagold den Gegnerinnen.

Das Team bleibt immer cool

Und immer blieb das Team cool – auch, als es zwischendurch mal wieder enger wurde und die Gegnerinnen drei Minuten vor dem Ende nur noch ein Tor zurücklagen (30:31).

Julia Völpel hält alles

Doch der VfL Nagold zog voll durch. Auch Julia Völpel entschärfte in dieser Phase zwei entscheidende Torwürfe der Gegnerinnen. „In der Crunchtime waren wir einfach das abgeklärtere Team“, sagt Renz. Auch ein Satz, den man nach Auswärtsspielen des VfL Nagold nicht oft zu hören bekommt.

Aline Rau trifft 15-mal

Überzeugt haben alle Spielerinnen, doch Aline Rau gilt es besonders hervorzuheben. Sie traf sagenhalfte 15-mal. Manchmal von außen, ihrer angestammten Position. Doch vor allem netzte sie ein Kontertor nach dem anderen ein. Und diese leichten Kontertore wiederrum waren der Abwehrarbeit der gesamten Mannschaft und der Keeperin zu verdanken.

Ein Sieg mit Seltenheitswert

Der Auswärtssieg in Steinen war für den VfL nicht nur der erste Auswärtserfolg in dieser Saison. Es war auch erst der dritte Auswärtssieg der Nagolderinnen in der Verbandsliga überhaupt. Und der gehört man immerhin schon seit drei Jahren an.

SG Maulburg/Steinen – VfL Nagold 31:34 (16:17)

VfL Nagold: Nele Sautter, Annika Thillmann und Julia Völpel im Tor, Aline Rau (15), Aileen Hofmann (4), Alisa Kübler (4), Sofia Thomaidou (4), Alena Wolf (4), Sarah Kunz (2), Janina Koch (1), Marlen Dengler und Luisa Eipper.

Schiedsrichter: Mesut Parlak, Harald Rottinger.