Der Bau des Sport-Parks auf der Dammenmühle in Lahr schien ausgemachte Sache. Bis jetzt. Nicht wenigen Stadträten bereiten die Kosten Sorgen. Kommt’s zum Rückzieher?
Es war eine Entscheidung mit viel Vorlaufzeit, die geprägt war von hitzigen Diskussionen: Im Oktober sagte der Lahrer Gemeinderat Nein zum Bau einer Sport-Kita auf der Dammenmühle. Vor allem bei Tennis- und Hockeyclub war der Ärger darüber groß, hatten die beiden sich in der Fusion befindlichen Vereine doch auf ein gemeinsames Heim unter dem Dach der Betreuungseinrichtung gehofft.
Was die Gemüter zumindest etwas beruhigte, war der gleichzeitig erklärte Wille des Stadtgremiums, zumindest den sogenannten Sport-Park umzusetzen, für einen Bruchteil der avisierten Kita-Kosten von 16 Millionen Euro. Doch nun der Schock: Zunehmend werden Stimmen laut, die auch den Bau eines neuen Hockeyplatzes kritisch sehen. Die Entwicklung hat in den zurückliegenden Tagen schnell Fahrt aufgenommen – und dabei große Dynamik erhalten.
Kosten von insgesamt rund 2,5 Millionen Euro
Am vergangenen Montag veröffentlichte die Stadtverwaltung, wie berichtet, die Vorlage für die Gemeinderatssitzung am kommenden Montag. Darin wurde deutlich, dass das Rathaus seit dem Herbst seine Hausaufgaben gemacht hat. Die ausgearbeiteten Planungen sehen die Errichtung einer modernen Spielstätte für die Hockeyspieler auf dem alten Sportplatz beim Tiergesundheitszentrum vor. Kostenpunkt: 1,85 Millionen Euro, abzüglich verschiedener Fördergelder in Höhe von von insgesamt 370 000 Euro. Als zweiter Baustein des Sport-Parks ist die Sanierung des bald 16 Jahre alten Kunstrasenplatzes des SC Lahr geplant. Sie soll mit rund 450 000 Euro zu Buche schlagen, wobei der Verein selbst 67 500 Euro zu tragen hat.
Auf ein Grummeln folgt lautes Knurren
Indes – bei der nichtöffentlichen Sitzung des Haupt- und Personalausschusses am selben Abend soll bereits ein Grummeln zu vernehmen gewesen sein, das spätestens am Mittwoch im Technischen Ausschuss zu einem lauten Knurren wurde. Hinter verschlossenen Türen artikulierten Kritiker ihren Unmut. Fast zwei Millionen Euro für ein Spielfeld für einen relativ kleinen Hockeyclub seien angesichts der angespannten Haushaltslage sehr viel Geld, hieß es. Zudem warte man nach Jahren der Vorbereitung noch immer auf den angekündigten Zusammenschluss mit den Tennisspielern. Und auch die neidvollen Blicke aus den Stadtteilen und ihren Vereinen, die nicht so reich oder gar nicht mit öffentlichen Geldern bedacht werden, waren am Mittwoch Thema.
Sportbeirat ist für Verwaltungsvorschlag
So steigt die Spannung: Gibt der Gemeinderat wie vor drei Monaten grundsätzlich zugesagt sein finales Ja, oder wird dem Sportstättenkonzept auf der Zielgeraden noch der Garaus gemacht? Eine Frage, deren Antwort nicht zu prognostizieren ist, zumal sich der Sportbeirat am Donnerstag, ebenfalls nichtöffentlich, nach LZ-Informationen mit deutlicher Mehrheit für den von der Verwaltung eingebrachten Vorschlag aussprach und damit dem Wunsch der beteiligten Vereine nachkam.
Auch der SC Lahr ist betroffen
Denn klar ist: Auch der SC Lahr hat großes Interesse an der Umsetzung des Sport-Parks. Zwar rüttelt (bisher) niemand an dessen Kunstrasen-Sanierung. Doch sollte der Hockeyclub statt eines neuen Platzes nur die Ertüchtigung des alten zugestanden bekommen, würde der Traum der Fußballer von „einem Verein, einer Heimat“ platzen. Ein Abschied von der Klostermatte und ein Zusammenziehen aller Mannschaften auf der Dammenmühle ist nämlich nur mit einem dritten Sportplatz möglich – und der soll einmal dort angelegt werden, wo heute noch das in die Jahre gekommene Hockeyfeld liegt.
Gibt es am Montag einen neuen Beschlussvorschlag?
Die Stadt wollte sich am Freitag auf LZ-Nachfrage nicht zu den überraschenden Entwicklungen äußern – und weder bestätigen noch dementieren, dass es am Montag einen modifizierten Beschlussvorschlag geben könnte. Offenbar plant ein beträchtlicher Teil des Gemeinderats einen Kompromiss, der es möglich machen soll, Antragsfristen für Zuschüsse zu wahren, ohne dabei aber eine verbindliche Zusage zum Bau eines neuen Hockeyplatzes zu geben.
Die Sitzung am Montag
Der Lahrer Gemeinderat trifft sich am kommenden Montag, 26. Januar, im Alten Rathaus zur ersten öffentlichen Sitzung des Jahres. Beginn ist eine halbe Stunde früher als üblich, nämlich bereits um 17 Uhr.