Freude über eine mehr als 100 Jahre alte Flasche: Fördervereinsvorsitzende Dora-Luise Klumpp aus Baiersbronn und Otto Günter Baus aus Homburg. Foto: B. Schwarz

Freude im Kulturpark Glashütte Buhlbach: Dort hatte ein Gast aus Homburg eine ganz besondere Überraschung mitgebracht.

Baiersbronn-Obertal-Buhlbach - Man kann auch an kleinen Dingen große Freude haben. Zum Beispiel an einer alten Sektpulle. Pardon: an einer Champagnerflasche. Und Pardon zum zweiten: An einer circa 100-jährigen mundgeblasenen Champagnerflasche, wie sie einst in der Glashütte in Baiersbronn- Obertal als "Buhlbacher Schlegel" im Schichtbetrieb hergestellt wurde.

Einst mehrere Niederlassungen

Diese Flasche gab am Sonntag allerhand Grund zur Freude im Kulturpark Glashütte. Dorthin hatte Dora-Luise Klumpp mit ihren "drei Frauen am Grill" die Mitglieder des Fördervereins Glashütte Buhlbach zu einem Weißwurst-Frühstück eingeladen, zu dem sie einen Überraschungsgast angekündigt hatte.

Der entpuppte sich als Günter Otto Baus, der mit seinen 88 Jahren aus Homburg im Saarland mit dem Zug nach Baiersbronn angetuckert kam, extra zu diesem Frühstückstreff. Im Gepäck hatte er einen etwa 100 Jahre alten Schlegel, eine druckfeste Champagnerflasche, die vor etwa 100 Jahren in der Glashütte in Homburg mundgeblasen worden war. Die Buhlbacher Glashütte Boehringer unterhielt seinerzeit mehrere Niederlassungen in Deutschland, unter anderem auch in Homburg, die ebenfalls Schlegel nach dem Muster der Flaschen aus der Mutterfirma in Baiersbronn fertigten.

In Buhlbach war der Schlegel aus einer besonderen Glasmischung und mit der typischen Delle im Boden als damals erste und einzige druckfeste Champagnerflasche entwickelt worden. Dabei stellt die Eindellung des Flaschenkörpers bis heute den optimalen Druckausgleich in der mit Champagner gefüllten Flasche her. Bisher waren im Kulturpark Glashütte nur alte Schlegel aus Buhlbach ausgestellt, die auf zum Teil recht abenteuerlichen Wegen aufgetrieben wurden. "Jetzt", so freute sich stolz Fördervereinsvorsitzende Dora-Luise Klumpp, "haben wir den Beweis, dass auch in den Niederlassungen nach dem Verfahren in Buhlbach gearbeitet wurde." Sie dankte dem Überbringer, Günter Otto Baus aus Homburg, herzlich.

Baus war ein langes Arbeitsleben Kaufmann für französische Weine und Champagner und in dieser Eigenschaft mehr als 100 Mal in der Champagne. Als er sich an die Arbeit machte, in einem kleinen Buch sein großes Wissen über den edlen Perlwein zu verfassen, fiel ihm auf, dass zwar viel über den Inhalt, aber nur wenig beziehungsweise gar nichts über die Flaschen geschrieben ist. Bei den Recherchen zu seinem Buch "Der Champagner von der Rebe bis zur Flasche" (2015 erschienen im Engelsdorfer Verlag) stieß er auf den erfolgreichen Schlegel und besuchte 2017 auch "den historischen Boden der Glashütte Buhlbach", wie er sagte.

So war es kein Wunder, dass er als Fachmann informiert wurde, als kürzlich bei Bauarbeiten auf dem ehemaligen Glashüttengelände in Homburg ein paar alte Flaschen auftauchten.

Mithilfe des städtischen Archivs in Homburg sicherte er sich ein Exemplar – noch verkrustet von "historischem" Schmutz und Erdreich aus Homburg – und überbrachte es nun der Glashütte im Schwarzwald.