Lange wurde nach einem Standort gesucht, schließlich wurde es die Innenstadt: Über dem Ordnungsamt wollen Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendamt ab Frühjahr zusammenarbeiten und junge Lahrer, die straffällig wurden, wieder in die Spur holen.
In die oberen Stockwerke in der Schillerstraße 16 kehrt wieder Leben ein: Über dem Ordnungsamt wird künftig das Lahrer „Haus des Jugendrechts“ zu Hause sein. Die Staatsanwaltschaft Offenburg bestätigte am Freitag entsprechende Informationen unserer Redaktion. Damit steht in Lahr ein Projekt vor der Verwirklichung, das schon viele Jahre in der Mache ist.
Was ist ein „Haus des Jugendrechts?“
Eine solche Einrichtung gibt es bislang im Ortenaukreis nur in Offenburg. Das Haus des Jugendrechts ist dort für sämtliche Verfahren gegen jugendliche Täter bis einschließlich 18 Jahre zuständig. Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendamt arbeiten dort zusammen, um Verfahrensabläufe zu beschleunigen.
Wann soll es losgehen?
Laut Staatsanwaltschaft Offenburg „im Frühjahr“. Man sei „drauf und dran“ die notwendigen Vorbereitungen zu treffen. Offenbar laufen derzeit schon die Umbauarbeiten.
Welche Bedeutung hat ein „Haus des Jugendrechts“?
Die Einrichtung soll dabei helfen, junge Menschen, die auf die schiefe Bahn geraten sind, wieder in die Spur zu holen. Dazu ist es zunächst wichtig, dass nach einem Delikt die Strafe auf dem Fuße folgt. „Wenn bei jungen Menschen eine adäquate Reaktion auf Straftaten oder begangenes Unrecht erst lange Zeit nach der Tat erfolgt, können die jungen Menschen die erzieherische Maßnahme und die Reaktion nicht mehr lernfähig mit ihrer Tat verknüpfen“, erklärte der in Offenburg zuständige Staatsanwalt Philip Nique im Mai 2023 im Gespräch mit unserer Redaktion.
Wie arbeiten die Behörden?
Abhängig vom Delikt könne es normalerweise einige Wochen oder sogar Monate dauern, bis eine Strafe folgt. Das wollen die Behörden im Haus des Jugendrechts durch gegenseitigen Austausch verhindern, erklärte Nique damals weiter. Man könne zudem frühzeitig Fehlentwicklungen erkennen und ein Fehlverhalten in die Lebenssituation des jungen Menschen einordnen. Anschließend sei es möglich, passgenaue Maßnahmen zu forcieren, darunter beispielsweise Unterstützungsbedarf der Familie allgemein, Drogenberatung oder Suchtberatung. Im schnellsten Fall könne dies noch am Tag der Tat geschehen.
Warum erhält Lahr eine eigene Einrichtung?
Bei den Verfahren gilt eine strikte Wohnortzuständigkeit. Heißt: Lahrer Jugendliche bleiben in Offenburg außen vor. Deren Fälle werden aktuell nur seitens der Staatsanwaltschaft behandelt. Eine zeitnahe Bestrafung und der erhoffte Lerneffekt sind also zurzeit nur schwer möglich. Bereits Ende 2021 hat Justizministerin Marion Gentges ein „Haus des Jugendrechts“ für Lahr angekündigt. Auch in Kehl soll eine solche Einrichtung entstehen.
Warum der Standort in der Schillerstraße?
Die Entscheidung für die Schillerstraße 16 ist durchaus überraschend, hatten die Behörden doch zunächst die Turmstraße 25 – das frühere Gefängnis – anvisiert. Schon Ende 2021 hieß es jedoch, dass dieser Standort „einen hohen Sanierungsbedarf“ aufweist. Wie schon die Stadt Lahr mit dem Ordnungsamt mietet sich das „Haus des Jugendrechts“ in die frühere Sparkasse ein.
Was sagt die Stadt?
Man begrüßt die Einrichtung eines „Haus des Jugendrechts“ in der Stadt, heißt es am Freitag aus dem Rathaus auf LZ-Anfrage. Es sei ein „Erfolgsmodell“, das sich in Offenburg bewährt habe. Die Stadt Lahr, so hieß es bereits im Januar 2023 in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft, werde in den zukünftigen Räumlichkeiten im Rahmen der Präventionsarbeit tageweise mit der städtischen Jugendarbeit präsent sein.
Präventive Maßnahme
Das „Haus des Jugendrechts“ unternimmt zur Eindämmung von Jugendkriminalität auch präventive Maßnahmen. So gibt es beispielsweise Projekttage an Schulen zu den Bereichen Drogen, Medien oder Gewalt. Dadurch soll das Gespür der Jugendlichen für strafbares Verhalten geweckt werden. Ähnliches sei auch in Lahr gut vorstellbar, so die Stadt Ende 2021 in einer Mitteilung.