Mehrere Traktorfahrer haben sich am Montagabend mit den „Montagsdemonstranten“ in Freudenstadt zusammengetan. Der Vorsitzende des Kreisbauernverbands geht indes deutlich auf Distanz zu der Aktion.
Laut hupend kommen acht Traktoren und mehrere Lastwagen die Martin-Luther-Straße in Freudenstadt entlanggefahren. Nach einer kurzen Schleife am Marktplatz vorbei biegen sie in die Stuttgarter Straße ein. Und dann passiert am Montagabend das, was kurz zuvor noch unwahrscheinlich erschien: Die protestierenden Traktorfahrer solidarisieren sich mit den Montagsdemonstranten, die seit der Corona-Pandemie regelmäßig durch die Freudenstädter-Innenstadt ziehen.
Die Demonstranten sind gerade dabei, die Stuttgarter Straße zu überqueren, da bringen die Bauern ihre Fahrzeuge auf beiden Seiten des Protestzugs in Stellung. Auch mehrere Lastwagen sind dabei. Die gelben Warnlichter und die Flutlichter der Fahrzeuge beleuchten die Szenerie. Wummernde Musik von der Ladefläche eines Pick-up-Trucks und fast schon ohrenbetäubendes Hupen hallt durch die eiskalte Nacht. Und erneut steht erstmal der Verkehr in der Freudenstädter Innenstadt still.
Zwar sind die acht Traktoren nur ein winziges Aufgebot im Vergleich zu den 200 Fahrzeugen, die am Montagmorgen durch Freudenstadt gezogen sind. Dennoch ist den „Kritischen Bürgern Freudenstadt“, die hinter den Montagsdemonstration stehen, mit der Aktion ein Coup gelungen.
Viel wurde vorab bundesweit darüber berichtet, dass verschiedene Gruppierungen – auch einige vom rechten Rand – versuchen, die Bauernproteste zu instrumentalisieren. Kreisbauernvorsitzender Gerhard Fassnacht hatte deshalb schon früh seinen Standpunkt klargemacht: „Irgendwelche Strömungen, die nicht demokratisch sind“, wolle er bei den Protesten nicht mit dabei haben, sagte er am Donnerstag gegenüber unserer Redaktion.
Seit dem Wochenende kursierte dann ein Plakat in den sozialen Medien. Darauf stand zu lesen:„Schluss mit der staatlichen Abzocke der Bürger, Unternehmer und Landwirte.“ Aufgerufen wurde zu einer Demo mit anschließender Kundgebung am Montagabend vor der Stadtkirche. Im Hintergrund war auf dem Flyer ein Traktor zu sehen, der eine Ampel überrollt.
Was auf den ersten Blick aussah, wie ein weiterer Aufruf zu den Bauernprotesten, die am Montag auch im Landkreis Freudenstadt stattfanden, hatte bei genauerem Hinsehen kaum etwas damit zu tun. Denn der Aufruf stammte nicht vom Kreisbauernverband, sondern von den „Kritischen Bürgern Freudenstadt“.
Passend dazu hat die Bewegung schon vor dem Protest am Montagabend versucht, einen Schulterschluss mit den protestierenden Landwirten zu erreichen. „Ich habe Kontakt aufgenommen mit dem Kreisbauernverband – per E-Mail“, erzählte Heike Dallmann-Grammel, die Sprecherin der Bewegung, am Nachmittag im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich habe aber noch keine Antwort bekommen.“
Deshalb hat unsere Redaktion noch mal beim Kreisbauernvorsitzenden nachgefragt – wenige Stunden vor dem Protest am Abend. Von der E-Mail der „Kritischen Bürger“ habe er noch nichts mitbekommen, berichtet Fassnacht. „An mich wurde das bisher noch nicht herangetragen.“ Auch erklärte er, die „Kritischen Bürger“ überhaupt nicht zu kennen. „Ich habe noch nie etwas davon gehört“, meinte Fassnacht.
Doch dazu, dass nun eine Bewegung versucht, den Protest der Landwirte für sich zu nutzen, hat Fassnacht eine klare Meinung: „Das ärgert mich.“ Dass die Bauern Unterstützung aus der Bevölkerung bekommen, findet Fassnacht gut. „Aber nicht von irgendwelchen Verschwörungstheoretikern.“
So berichtet Fassnacht dann auch, dass bei den Protesten am Montagvormittag ein Landwirt von außerhalb des Landkreises dabei gewesen ist, der eine schwarze Flagge der historischen rechtsradikalen „Landvolkbewegung“ gezeigt habe. Doch das wollten die anderen protestierenden Landwirte nicht hinnehmen. „Der musste die Flagge wegmachen, dann durfte er weiterfahren“, berichtet Fassnacht.
Doch während es den Bauern offenbar gelungen ist, während den Protesten am Morgen und am Mittag eine klare Trennlinie zu anderen Bewegungen zu ziehen, hat es nun doch einen Schulterschluss zwischen einigen wenigen Landwirten und den Montagsdemonstranten gegeben. Dazu sagt der Kreisbauernvorsitzende in einem weiteren Telefonat am Abend: „Der Verband hat zu 1000 Prozent nichts davon gewusst. Ich finde es auch nicht richtig.“ Doch letztendlich könne der Verband eben nicht kontrollieren, was jeder einzelne Landwirt tue. Schon allein deshalb, weil nicht alle Bauern Mitglied seien.