Etwas ramponiert – wie das Porsche-Logo auf einer alten Sportwagenfelge steht derzeit auch die Aktie des Unternehmens da. Foto: Marijan Murat/dpa

Anfang September wird neu über die Einstufung in die erste Börsenliga entschieden. Was könnten die Folgen für den Wackelkandidat Porsche sein?

Es war ein bemerkenswert strammer Durchmarsch, als Porsche im September 2022 an die Börse ging. Nach nur drei Monaten stieg der Sportwagenhersteller aus Stuttgart-Zuffenhausen in die erste Liga auf. Seitdem gehört er zum Deutschen Aktienindex (Dax), in dem die 40 wertvollsten Firmen aufgelistet sind. Nun aber droht der Abstieg in die zweite Liga, genannt M-Dax.

 

Turnusgemäß beugt sich die Index-Kommission der Deutschen Börse alle drei Monate über die Zahlen. Der nächste Stichtag naht. Am 3. September wird verkündet, wie sich der Dax gegebenenfalls neu zusammensetzt. Unmittelbar vor der Internationalen Autoausstellung (IAA), die vom 9. bis 14. September in München stattfindet, wäre die Rückstufung eine bittere Pille für Porsche, ein Kratzer im Image allemal – zumal auch noch die Holdinggesellschaft Porsche SE, in der die Familien Porsche und Piech ihre Beteiligungen an Porsche und am VW-Konzern bündeln, auf der Kippe steht.

Porsche entwickelt sich schlechter als der Dax insgesamt

„Aktuell laufen unsere Schätzungen darauf hinaus, dass sowohl die Porsche AG als auch die Porsche Holding SE im September aus der ersten Reihe, dem Dax, in den geringer kapitalisierten M-Dax absteigen“, sagt Joachim Schallmayer, der Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka-Bank auf Anfrage. Auch Frank Biller, erfahrener Automotive-Analyst der LBBW, schätzt die Lage kritisch ein. „Die Aktie der Porsche AG hat sich deutlich schlechter entwickelt als der Dax insgesamt. Deshalb ist ein Abstieg möglich“, sagt Biller.

Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs des Sportwagenherstellers um fast 20 Prozent gesunken, während der Dax insgesamt um mehr als 20 Prozent zugelegt hat. Das Papier notiert aktuell bei gut 47 Euro. Zum Vergleich: der Ausgabekurs vor drei Jahren betrug 82,50 Euro. Zum Zeitpunkt des Aufstiegs in den Dax am 19. Dezember 2022 stand die Aktie bei 106 Euro. Es ist das Spiegelbild der Krise, in der sich die deutsche Autoindustrie nach dem Einbruch ihrer Marktanteile auf dem chinesischen Markt, angesichts der Transformationskosten Richtung Elektromobilität sowie der US-Einfuhrzölle befindet. Porsche, das keine Produktionsstätten in den USA unterhält, ist davon besonders betroffen.

Im Börsenindex zeigt sich die aktuelle Krise der Autoindustrie

Die Veränderungen im Dax, so sieht es Joachim Schallmayer von der Deka-Bank, seien symptomatisch für die strukturellen Veränderungen in der deutschen Volkswirtschaft: „Die Automobilindustrie, der Herzschlag der deutschen Wirtschaft, war über viele Jahre hinweg dauerhaft mit mehr als 15 Prozent im Dax enthalten. Mittlerweile ist dieser Industriezweig auf unter fünf Prozent geschrumpft.“ Nebeneffekt: Die Präsenz der Autoregion Stuttgart im Dax könnte bei einem Doppelabstieg von Porsche AG und Porsche SE von vier auf zwei AGs schrumpfen, es blieben die – momentan ungefährdeten – Konzerne Mercedes-Benz und Daimler Truck.

LBBW-Analyst Frank Biller Foto: LBBW

Trotzdem gelte es, mit Prognosen vorsichtig zu sein, meint der LBBW-Analyst Biller: „Noch ist nicht mit Sicherheit vorherzusagen, ob es wirklich so weit kommt. Die Index-Kommission hat zum Stichtag der Überprüfung zahlreiche Kriterien zu betrachten, es gibt da keinen zwingenden Automatismus.“ So kommt es beispielsweise auch darauf an, ob potenzielle Aufsteiger die geforderte Hürden nehmen. Momentan gelten das Immobilienportal Scout24 und der Anlagenbauer GEA als Kandidaten.

Nicht eindeutig lässt sich vorhersagen, was der mögliche Abstieg der Porsche AG für die Anleger bedeuten könnte. Einerseits müssten passive Investmentfonds, die den Dax nachbilden, die Porsche-Aktie verkaufen, erklärt Frank Biller. Trotzdem rechne er nicht mit massiven Kursbewegungen, sagt der LBBW-Experte. „Aufgrund der Underperformance der vergangenen Monate dürften einige Fonds schon Verkäufe geplant und technisch vorweggenommen haben. Das führt oft dazu, dass sich die Aktie nach einem Abstieg schnell wieder erholt.“

Die Frage, ob die Porsche AG im Dax bleibt oder in den M-Dax abrutscht, hält Biller deshalb für nicht entscheidend bei der Bewertung. Er bleibt bei der Einschätzung, die er nach Präsentation der Halbjahreszahlen getroffen hat: „In unserer Bewertung haben wir keine Auswirkungen im Falle eines Abstiegs berücksichtigt. Wir halten am Kursziel von 50 Euro für die Porsche AG und an der Kaufempfehlung fest.“

Deutscher Aktienindex

Anzahl
Im Dax werden die 40 wertvollsten deutschen Aktiengesellschaften geführt. Die Einstufung wird alle drei Monate überprüft.

Maßstab
Für die Bewertung entscheidend ist der Börsenwert im Streubesitz. Er errechnet sich aus der Zahl der Aktien, die frei gehandelt werden und nicht im festen Besitz von Großanlegern sind, multipliziert mit dem aktuellen Aktienkurs.