Ein Mann, der im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen untergebracht ist, hat bei einem Ausgang ein zwölfjähriges Mädchenangegriffen und einen Passanten verletzt.
Ein gefährlicher, psychisch kranker Gewalttäter hat am 23. April gegen 7.30 Uhr in der Nähe eines Reiterhofs zwischen Gundelfingen und Vörstetten bei Freiburg ein zwölf Jahre altes Mädchen überfallen und versucht, dem Kind sein Fahrrad abzunehmen. Ein Passant, der dem Kind in der Notsituation helfen wollte, wurde von dem Angreifer verprügelt und verletzt. Bei dem Mann handelt es sich um einen syrischen Flüchtling, der im September 2017 in einer Asylunterkunft in Freiburg im Wahn einen Bewohner angegriffen und schwer verletzt hatte. Die Tat wurde später als versuchter Totschlag gewertet.
Bei dem Vorfall am 23. April alarmierte eine vorbeifahrende Zeugin die Polizei, die den flüchtigen Mann mithilfe eines Polizeihubschraubers nach knapp eineinhalb Stunden in der Nähe des Tunisees bei Freiburg festnehmen und ins Zentrum für Psychiatrie Emmendingen (ZfP) zurückbringen konnte. Dort ist der Mann seit neun Jahren im Maßregelvollzug untergebracht.
Mann hat bereits mehrfach Polizeihunde attackiert
Bei der Festnahme leistete der Tatverdächtige massiven Widerstand, trat einen Diensthund und beschädigte einen Streifenwagen. Das zwölfjährige Mädchen blieb äußerlich unverletzt, der Opferbeauftragte der Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.
Den Vorfall hat die Freiburger Staatsanwaltschaft auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt. Aber wieso berichteten die Behörden nicht von sich aus? Laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft Freiburg, Carola Seith, da „ein Schwerpunkt der zu treffenden Maßnahmen in der genauen Aufklärung des vorgelagerten Sachverhalts“ gelegen sei. Brisant dabei: Der Freigang aus der Psychiatrie, von dem der Mann am Abend vor dem Überfall nicht zurückgekehrt war, war zuvor auf Empfehlung der Emmendinger Klinik von der Staatsanwaltschaft Freiburg genehmigt worden. Im ZfP kam es, wie die Klinik auf Nachfrage bestätigt, zwischen 2020 und 2025 mehrfach zu Zwischenfällen, bei denen teilweise auch die Polizei eingreifen musste. In zwei Fällen wurden Diensthunde der Polizei von dem Mann verletzt.
Ausgang des Mannes war genehmigt worden
Im vorliegenden Fall hatte die Freiburger Behörde einen unbegleiteten Ausgang des Mannes in Emmendingen erlaubt, den das ZfP „ausdrücklich“ befürwortet hatte, so Seith. Als der Mann am 22. April abends nicht wie vereinbart zurückgekehrt sei, habe man ihn umgehend zur Fahndung ausgeschrieben. Mittlerweile sei ein neues Strafverfahren gegen ihn eingeleitet worden, so Seith.
Sämtliche Lockerungen der Unterbringung seien für ihn aktuell gestrichen, so Ralf Zehnle, der Medizinische Direktor der forensischen Abteilung am ZfP in Emmendingen. Der Patient sei bei der Festnahme verletzt worden und habe im Krankenhaus wegen eines Hundebisses behandelt werden müssen, zwischenzeitlich sei er wieder im ZfP untergebracht.
Klinik erfährt durch Presseanfrage von dem Vorfall
Dass bei dem Vorfall im April ein Passant verletzt worden sei, habe man erst durch die Anfrage unserer Redaktion erfahren.
Seit einer massiven psychischen Krise im Juni 2025 hatte sich der 30-Jährige Zehnle zufolge gut stabilisiert. Seit November hätte er unbegleitete Ausgänge „problemlos absolviert“ und sei seit März in einer offenen Station in der Klinik untergebracht. In der Vergangenheit habe er auch in einer Wohngruppe gelebt, dann aber durch psychische Krisen bedingt wieder in die Klinik verlegt werden müssen.
Dass Patienten entweichen, komme zwar immer wieder vor. Meistens würde sie dann von alleine oder von Angehörigen oder der Polizei schnell wieder in die Klinik gebracht. Zwischenfälle wie dieser seien die absolute Ausnahme, betont Zehnle.