Die Erinnerung ans Hochwasser vom 2. Mai sind noch frisch. Die Hochwasserkarten sind virtuell bereits verfügbar – und sie geben detaillierte Einblicke.
Ein Ingenieurbüro hat für Bisingen unter anderem ermittelt, wie sich starker Regen auf die Pegelstände der Bäche im Ort auswirkt und wo Überflutungen drohen – ein Szenario das keineswegs unrealistisch ist, wie das Hochwasser vom 2. Mai gezeigt hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:
Woher wollen die Macher der Studie wissen, wie hoch das Wasser an welchen Stellen wird?
Im Zeitraum Dezember 2019 bis Januar 2020 wurde das Gemeindegebiet aus der Luft mit einem Laser erfasst. Was dadurch entstanden war, ist ein elektronisches Abbild des Geländes mit Höhen und Tiefen der Landschaft. Im zweiten Schritt werden theoretische Rahmenbedingungen festgelegt: Bei den Starkregenkarten zum Beispiel wie viel Millimeter Regen auf einer gewissen Fläche in einer Stunde fallen. Mit diesen Daten können Überflutungen simuliert werden.
Kann es zu Abweichungen von Realität kommen?
Ja, denn Modelle ersetzen die Realität nicht eins zu eins. In einer Pressemitteilung von Ende Juli stellt die Gemeinde nicht umsonst fest, dass es – die Erfahrung des Hochwassers vom 2. Mai einbezogen – Abweichungen gibt zwischen Modell und Realität. Augenscheinlich bestätigen die Starkregenkarten andererseits viele Eindrücke vom Hochwasser Anfang Mai.
Welche Bereiche sind laut Modellberechnung auf jeden Fall von Hochwasser betroffen?
Zunächst: Betrachtet werden in den Modellen extreme, außergewöhnliche und seltene Starkregenereignisse – die Kategorien bezeichnen verschieden hohen, in Millimeter gemessenen Niederschlag pro Quadratmeter. Und in allen drei Fällen sind unter anderem die Zufahrten von der B27 nach Bisingen betroffen, ebenso wie der Bereich rund um den Kreisverkehr bei der Bäckerei Gulde, sowie beim Feuerwehrhaus und in der Bachstraße, ebenso wie fast überall entlang Klingenbach, Angelbach und Borrenbach.
Welche Bereiche bleiben laut Modellberechnung weitgehend verschont?
Dazu gehören unter anderem weite Teile der ans Gewerbegebiet Hinter Stöck grenzende Wohngebiete, der östliche Teil des Wohngebiets Hohenlaien sowie höher gelegene Gebäude in Steinhofen. Allerdings zeigt die Starkregenkarte auch, dass in Bisingen sehr viele Gebäude und ihre Bewohner betroffen wären. Viele einzelne blaue Einfärbungen deuten darauf hin, dass bei sehr starkem Regen fast niemand zu 100 Prozent geschützt ist. Rundum: Es kann quasi jeden treffen.
Was sollen die Karten nun bringen?
Zum einen können sie die Grundlage sein, anhand der etwaige öffentliche Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Zum anderen können die Einwohner selbst erkunden, ob sie betroffen sein könnten und ob sie daraus präventive Maßnahmen ableiten. An den Karten kann man darüber hinaus ablesen, wie hoch das Wasser im Bereich des eigenen Hauses laut Berechnungen steigen könnte – dies lässt beispielsweise Rückschlüsse zu, wie hoch man im Notfall Sandsäcke (laut Modellberechnung) mindestens stapeln sollte.
Besteht eine Verpflichtung, dass auch Einwohner, Maßnahmen gegen Hochwasser zu ergreifen?
Ja. Im Wasserhaushaltsgesetz steht in Paragraf 5, Absatz 2: „Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.“
Können präventive Maßnahmen gegen Hochwasser zu 100 Prozent vor Überflutungen schützen?
Nein. Das Umweltbundesamt spricht auf seiner Internetseite gar von der „Illusion hundertprozentiger Sicherheit“ durch den Bau technischer Einrichtungen gegen Hochwasser. Demnach schützten beispielsweise Dämme zwar vor Hochwasser, „aber nur bis zu einem festgelegten Wasserstand und einer bestimmten Dauer des Hochwassers“. Ein Restrisiko bleibt immer. Was man tun kann, ist, sich bestmöglich vorzubereiten. Das könnte die präventive Lagerung von Sandsäcken, Füllmaterial und Schaufeln bedeuten, aber auch öffentliche Baumaßnahmen. Was für den Moment bleibt, ist der Hochwasserschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bürgern und Gemeinde.
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Ergebnisse werden vorgestellt
Infos
Die Untersuchungsergebnisse werden bei einer Informationsveranstaltung am 24. Oktober der Bevölkerung vorgestellt.