Mit dem Hochwasser ist eine Katastrophe ohne Vorwarnzeit über Bisingen hereingebrochen. Feuerwehrkommandant Marc Mayer und Bürgermeister Roman Waizenegger sensibilisieren Eigenvorsorge zu treffen. Waizenegger: „Es gibt in solchen Situationen keine Vollkaskomentalität.“
Die Wetterkarte wirkt bedrohlich: Direkt über Bisingen steht am 2. Mai 2024 die Gewitterzelle. Innerhalb weniger Minuten stürzen mindestens 70 Liter pro Quadratmeter in einer Stunde auf die Kirchspielgemeinde – mit verheerenden Auswirkungen. Bürgermeister Roman Waizenegger zeigt die Karte während eines Pressegesprächs im Rathaus. In kurzer Zeit richteten die Fluten Schäden an, die in die Millionen Euro gehen.
Appell, sich vorzubereiten
Waizenegger und Feuerwehrkommandant Marc Mayer appellieren an private Hausbesitzer, auch selbst vorzusorgen. Waizenegger: „Bei solchen Ereignissen gibt es keine Vollkaskomentalität. Es gilt, Eigenvorsorge zu betreiben.“ Im Hinblick aufs Hochwasser zum Beispiel mit der Abdichtung des Kellers und der Außenwände. Außerdem sinnvoll sei, einen Vorrat von Sand und Sandsäcken zu haben.
Auf der Internetseite der Gemeinde sind zudem Gefahrenkarten hinterlegt. Diese zeigen an, wo bei Hochwasser und Starkregen potenziell mit Überflutungen zu rechnen sein könnte. Daran könnten sich Eigentümer orientieren. Für Thanheim, Zimmern und Wessingen gab es zum Zeitpunkt des Hochwassers solche Karten schon. Michael Breimesser von der Gemeinde sagte, dass zur Vorbereitung auf Notlagen nicht nur Hochwasser gehört. Als Beispiel nennt er den flächendeckenden Stromausfall.
Fast keine Vorwarnzeit
Eine weitere Erfahrung während des Hochwassers: Die Vorwarnzeit war nur wenige Minuten lang. Deshalb haben die neu installierten Sirenen nicht ihre volle Wirkung entfalten können. Darüber hinaus erklärt Waizenegger, dass das akustische Signal alleine nicht ausreicht. Weitere Infos dazu müssten auf einer App – etwa NINA – bereitgestellt werden, sodass Bürger ein Verständnis für die Gefahr erhalten.
Wer von außen nach Bisingen gefahren ist, „wusste nicht, was los war“. Auswirkung: Der Verkehr der B27 ging über Steinhofen und hat die Anfahrt der Rettungsfahrzeuge erschwert.
Prioritäten werden gesetzt
Feuerwehrkommandant Marc Mayer berichtet, dass die Notrufzentrale „mächtig überlastet“ war. Manch ein Bürger sei ans Feuerwehrhaus gekommen und habe sich beschwert, dass man ihn „nicht ad hoc bedient“ habe. Mayer versichert: „Jeder Notruf wird dokumentiert und weitergegeben.“
An diesem Tag war die Priorität jedoch klar beim Thema Menschenrettung. Ein Keller, in dem das Wasser steht, ist „an so einem Tag eine Lappalie“. Ruft jemand wegen einer Lappalie fünf Mal an, blockiert er fünf Mal die Leitung – Zeit, in der andere auf der Strecke hätten bleiben können. Es bringe auch nichts, das Feuerwehrhaus zu kommen, „weil wir am Arbeiten sind“. An erster Stelle steht in diesen Situationen die Menschenrettung.
Schäden noch vorhanden
„Wir sind noch immer am Abarbeiten“, berichtet Waizenegger und nennt beispielhaft das Kegelstüble im Gebäude der Hohenzollernhalle. Wer die Kegelbahnen kurz nach der Flut sah, konnte augenscheinlich keine allzu großen Schäden feststellen. Doch das Wasser dran ganz offensichtlich unter den Estrich, der nun in einer Dicke von 25 Zentimetern abgetragen wird. Auch für manche Privatpersonen sei das Hochwasser noch lange kein abgeschlossenes Thema.
Bisher 737 388,40 Euro
Die Kosten der Gemeinde beziffert Waizenegger auf 737 388,40 Euro. Der größte Anteil davon entfällt auf die Instandsetzung der Infrastruktur: Für rund 428 500 Euro wurden unter anderem Bachläufe sauber gemacht, Treibgut weggeräumt, Straßen und Brücken saniert. Unbürokratisch ließ die Gemeinde Abfallcontainer aufstellen und kam auch für die Entsorgung auf.
Wie es nun weitergeht
Wie geht es nach dem Hochwasser weiter? Die Gemeinde will mehrere Projekte anstoßen, die die Auswirkung von Hochwasser durch übertretende Gewässer und Starkregen abmildern können. Dazu wird der Gemeinderat noch vor der Sommerpause Kosten-Nutzen-Untersuchungen in Auftrag geben können. Kosten und Nutzen hängen in diesem Fall auch mit den potenziell erwartbaren Schäden durch Hochwasser zusammen.