In einem Jahr kommt bei den Gemeinden im Altkreis Lahr einiges an Spenden zusammen. (Symbolbild) Foto: Klose

Es sind willkommene Beiträge in finanziell schwierigen Zeiten: Immer wieder dürfen sich die Gemeinden über Spenden freuen. Vor allem in Lahr ist seit 2022 eine beachtliche Summe zusammengekommen, wie die Recherche unserer Redaktion zeigt.

Höhere Kreisumlage, gestiegene Personalkosten, teurere Auftragsvergaben – alle Kommunen stehen zurzeit vor enormen finanziellen Herausforderungen. Um neue Projekte stemmen zu können, ist ihnen jeder Cent aus privater Hand Recht und so freuen sie sich stets über – oft zweckgebundene – Spenden. Die Verwaltungen dürfen Spenden annehmen, allerdings müssen sie die Gelder offenlegen und der Gemeinderat muss seine Zustimmung geben (siehe Info). Unsere Redaktion hat nachgehakt, wie oft und vor allem wie viel an die Städte und Gemeinden der Region gespendet wird.

 

Lahr: Eine beachtliche Summe – insgesamt fast 800 000 Euro – an Spenden hat die Stadt Lahr seit 2022 entgegengenommen. Etwa 40 bis 50 Spenden, heißt es aus dem Rathaus, erhält die Stadt jährlich. „Das Spendenaufkommen schwankt von Jahr zu Jahr stark, was unter anderem auf konjunkturelle Gegebenheiten zurückzuführen ist“, teilt Pressesprecher Nicolas Scherger mit. So wurden im Jahr 2024 rund 78 000 Euro gespendet, während 2022 die 300 000 Euro-Marke geknackt wurde. Die größte Einzelspende waren 115 I-Pads, die die Firma Herrenknecht dem Max-Planck-Gymnasium schenkte.

Seelbach: Die Seelbacher Verwaltung verweist auf Anfrage unserer Redaktion auf das Ratsinfosystem, wo alle eingenommen Spenden dokumentiert seien. Aufzeichnungen oder Statistiken zu Spenden gebe es nicht. Der Blick in die Ratsbeschlüsse verrät, dass 2024 Spenden in Höhe von 3600 Euro zusammenkamen. Die größte: 1500 Euro für das Feuerwehrzeltlager von der Firma Holiday Heimtex.

35.000 Euro für Pfarrscheune in Schuttertal

Schuttertal: Die kleine Gemeinde mit gut 3000 Einwohnern verzeichnete 2024 in der Region etwas mehr Spenden als ihre Nachbarn. 5060 Euro, so Kämmerin Lisa Kopf, kamen zusammen. Im Jahr gebe es im Schnitt etwa zehn bis 15 Spenden, die „hauptsächlich auf einmal jährlich erfolgende Geldspenden für Buchpräsente im Grundschulbereich (für Schulabgänger) zurückzuführen sind“, so Kopf. Die größte Spenden in den vergangenen Jahren waren 35 000 Euro von der Regionalstiftung der Sparkasse für die Errichtung der Pfarrscheune im Ortsteil Schuttertal im Jahr 2019.

Friesenheim: Stattliche 185 000 Euro an Spenden hat die Gemeinde Friesenheim von 2018 bis 2024 erhalten – das sind im Schnitt gut 26 000 Euro pro Jahr von etwa 15 Spendern. Das vergangene Jahr blieb unterm Schnitt: Die Gemeinde erhielt 15 200 Euro. Die größte Spende, erklärt Julia Berger von der Pressestelle, erhielt die Gemeinde im Jahr 2018 in Höhe von 27 500 Euro.

Schwanauer spenden für die Kinderkrebshilfe

Schwanau: Durchschnittlich 18 Spenden, berichtet Hauptamtsleiter Michael Fertig, erhielt die Gemeinde Schwanau in den vergangenen zehn Jahren. Dabei kämen stets viele Kleinspenden zusammen, da die Veranstalter des Ferienprogramms den ihnen zustehenden Organisationsbeitrag an die Kinderkrebshilfe weiterreichen. Die größte Spende im genannten Zeitraum seien 13 000 Euro gewesen – mehr als im Jahr 2024 insgesamt gespendet wurde (rund 11 100 Euro). Die Spenden, so Fertig, werden etwa für Schulen, Kindergärten, Feuerwehr, Flüchtlingsarbeit, Infrastruktur oder eben die Kinderkrebshilfe verwendet.

Meißenheim: Die Gemeinde Meißenheim schickte auf Anfrage unserer Redaktion eine Übersicht über die Spenden seit 2020. Demnach beläuft sich die Spendensumme im Jahr 2024 auf knapp 16 000 Euro. 10 000 Euro gingen vom BGV (Badischer Gemeinde-Versicherungs-Verband) an die Feuerwehr im Rahmen der aktiven Schadenverhütung. Insgesamt erhielt die Gemeinde seit 2020 rund 65 000 Euro.

Jährlich um die acht Spenden in Neuried

Neuried: Wie Kämmerer Andreas Delfosse berichtet, gehen in Neuried jährlich um die acht Spenden ein. Im vergangenen Jahr kamen rund 5530 Euro zusammen. Seit 2017 sind es knapp 39 000 Euro. Die größte Spende in diesem Zeitraum waren 5000 Euro, die ein eingetragener Neurieder Verein für die Jugendarbeit im Ortsteil Schutterzell gespendet hat, so Delfosse. Hinzu kommen Gegenstände, die der Förderverein der Realschule aus eigenen Mitteln beschafft und die in das Eigentum der Gemeinde Neuried übergegangen sind. Seit 2017 sind dies Gegenstände im Wert von rund 37 400 Euro.

Kippenheim: Bei der Gemeinde Kippenheim, heißt es knapp auf Anfrage unserer Redaktion, bewegen sich die Spenden „im niedrigen vierstelligen Bereich“. In der Regel spenden Bürger oder Firmen, hin und wieder gehen Beiträge an die Schule oder die Feuerwehr. Im Jahr 2024 kamen so zweimal 1000 Euro zusammen.

Tabakmuseum in Mahlberg im Fokus

Mahlberg: 104 Spenden (43 Geldspenden, 61 Sachspenden) sind in den vergangenen zehn Jahren bei der Stadt Mahlberg eingegangen, berichtet Hauptamtsleiter Enver Altay. Gesamtwert: rund 86 600 Euro. 2024 lag dabei mit 19 Spenden im Wert von fast genau 11 000 Euro über dem Schnitt. Die meisten Geschenke an die Stadt seien Sachspenden, vor allem Ausstellungsstücke, an das Oberrheinische Tabakmuseum. So war auch die größte Spende in den vergangenen zehn Jahren eine historische Pfeifensammlung mit 258 Einzel-Exponaten im Wert von 7725 Euro.

Ettenheim: Im Rathaus der Rohanstadt gehen sogar noch mehr Spenden als im Lahrer Rathaus ein – „zwischen 50 und 80“ jedes Jahr, schreibt die Verwaltung. Durch die Solidaritätspartnerschaft mit der ukrainischen Stadt Vilkhovetska seien die Spenden in den vergangenen beiden Jahren angestiegen. 2024 kamen insgesamt 80 Spenden mit einem Wert von 44 850 Euro zusammen. Über die größte bekannte Spende gibt die Stadt keine Auskunft.

Rust erhielt den größten Spendenbrocken

Kappel-Grafenhausen: In der Doppelgemeinde belief sich die größte Spende auf knapp 21 500 Euro. Sie kam den Wilden Weiden zugute und stammt von der Regionalstiftung der Sparkasse. Im vergangenen Jahr erreichten Gelder in Höhe von 13 800 Euro das Kappel-Grafenhausener Rathaus. Ein Großteil der Spenden, so Hauptamtsleiterin Ulrike Conrad, werde von der Gemeinde über den Hilfsfonds „Hilfe für Menschen“ weitergereicht. Das Geld wird für Hilfsmittel und Therapien für Behinderte und Erkrankte sowie die Unterstützung von Brandopfern genutzt.

Rust: Einen großen Spendenbrocken, den größten in dieser Auflistung, hat die Europa-Park-Gemeinde im vergangenen Jahr für das Projekt des integrativen Spielplatzes erhalten. Nämlich 100 000 Euro. Geldgeber ist einmal mehr die Regionalstiftung der Sparkasse. Wie Pressesprecher Mirko Masen mitteilt, gingen im vergangenen Jahr insgesamt knapp 108 000 Euro an die Gemeinde Rust. Seit 2014 wurde jedes Jahr im Schnitt etwa 17 Mal gespendet, besonders hoch sei das Spendenaufkommen im Jahr 2017 aufgrund der Flüchtlingsaufnahme gewesen. Insgesamt kamen in diesem Zeitraum 297 600 Euro zusammen.

Ringsheim: Lediglich drei Spenden, so Hauptamtsleiterin Helena Gutbrod, hat die Gemeinde Ringsheim im Jahr 2024 erhalten. 10 000 Euro trug die Firma Simona zum Bau des Beachvolleyballplatzes bei. 11 289 Euro kamen insgesamt zusammen, was auch dem Schnitt der vorherigen Jahre entspricht.

Berichtspflicht

Laut der Gemeindeordnung Baden-Württemberg darf eine Gemeinde zur Erfüllung ihrer Aufgaben Einnahmen aus Steuern, Entgelten, Krediten und eben auch Spenden verwenden. Die Entgegennahme einer Spende obliegt dem Bürgermeister, beziehungsweise dem Oberbürgermeister, sowie den Beigeordneten. Spenden müssen dem Gemeinderat vorgelegt werden, der die Annahme beschließen muss. Die Gemeinde hat zudem jährlich einen Bericht zu erstellen, in dem die Zuwendungen und deren Zwecke aufgeführt sind. Dieser Bericht muss der Rechtsaufsichtsbehörde vorgelegt werden.