Ein Mann Mitte 40 hat sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt vor dem Amtsgericht Hechingen verantworten müssen. Der Burladinger hatte über Whatsapp Nacktbilder und Videos gefordert.
Er sei völlig vereinsamt gewesen durch die Isolation in der Corona-Pandemie und entschuldige sich für seine Taten, heißt es in der Erklärung des Mannes, der wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern ohne Körperkontakt am Amtsgericht Hechingen verurteilt wurde. Der Mann aus dem Raum Burladingen ließ seinen Verteidiger die Erklärung mit Geständnis vortragen. Weiter hieß es in dieser, er bedaure, was er getan habe und schäme sich. „Es wird nicht mehr vorkommen.“
„Vorgekommen“ war Folgendes: Im Sommer 2022 war der Mann in diversen Chats unterwegs, um dort sexuelle Vorlieben zu teilen und pornografisches Material mit seinen Chatpartnerinnen auszutauschen. Diese waren minderjährig, 13 Jahre alt.
Mann forderte ein einstündiges Video
Laut Anklage forderte der Mann von den Mädchen Bilder und Videos mit Nacktaufnahmen und eindeutigen Handlungen. Diese bekam er von ihnen teilweise auch zugeschickt. Er selbst versendete von sich ebenfalls eindeutige Aufnahmen.
In einem Fall forderte er von einem der Mädchen ein einstündiges Video mit sexuellen Inhalten – als letzten Wunsch aufgrund einer vorgeblichen Hodenkrebsdiagnose. Dieses Video bekam er nicht.
Hunderte Chat-Verläufe
Ein Polizist, der den Fall damals bearbeitet hat, brachte als Zeuge weitere Details ans Tageslicht. So habe eines der Mädchen unter psychischen Problemen gelitten, wie aus der damaligen Vernehmung hervorging. Sie habe damals gemerkt, dass es falsch gewesen sei, was sie da gemacht habe.
Die Polizei hat Hunderte Chat-Verläufe gesichtet und analysiert. Der jetzt Verurteilte hat laut Zeugenaussage viele Unterhaltungen geführt und ist dabei auch hartnäckig gewesen, wenn Antworten ausgeblieben sind, berichtete der Polizist vor Gericht. „Es ging inhaltlich schnell ins Sexuelle“, führte er aus.
Vater verständigte die Polizei
Aufgeflogen sind diese Vorfälle, weil der Vater eines der Mädchen davon Wind bekommen hatte und die Polizei verständigte. Über den Klarnamen auf Instagram konnte die Polizei letztlich die Handynummer und dessen Besitzer ermitteln – so führte die Spur nach Burladingen.
Der Mann sagte in der Verhandlung, dass er jetzt die Finger von solchen Chats lasse. Sein Bruder kontrolliere ihn und seinen Whatsapp-Verlauf darauf.
Bruder saß wegen sexuellem Missbrauch im Gefängnis
Ob diese Kontrollinstanz richtig gewählt ist, ist jedoch fraglich, da der Bruder vor etwa 13 Jahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern im Gefängnis saß.
Dort wollte die Staatsanwältin auch den Mann im aktuellen Fall sehen: Sie forderte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.
Diese Forderung war für den Rechtsanwalt des Angeklagten „irritierend, sogar schockierend“: „Mein Mandant war geständig, hat sich entschuldigt und viele der Chats waren ohne sexuelle Inhalte. Da muss es dem Gericht doch möglich sein, ein Strafmaß unter zwei Jahren zu finden, das auf Bewährung ausgesetzt werden kann“, forderte der Anwalt.
Zu Bewährungsstrafe verurteilt
Ein solches Strafmaß verhängte die Richterin am Ende: Der Mann wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.
Eine Bewährungsauflage: 3000 Euro muss er in Raten an den Jugendförderverein Zollernalbkreis zahlen. Dieser Verein betreut unter anderem Jugendliche, die Opfer genau solcher Taten geworden sind.