Rund 40 Väter und Mütter von Kindergartenkindern disku­tieren über Schnelltests für ganz Kleine. Der Gesamtelternbeirat hatte zur Online-Veranstaltung eingeladen. Foto: Heinig

Tatjana Martin ist sauer über die jetzt verpflichtenden Nasentests bei Kindergartenkindern und lässt ihrem Missmut bei einem Online-Treffen des Gesamtelternbeirates freien Lauf: "Es reicht! Was sollen wir unseren Kindern denn noch alles antun?"

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Villingen-Schwenningen - Rund 40 Väter und Mütter hatten sich am Mittwochabend zugeschaltet. Dabei gingen die Meinungen für oder wider die vorerst bis 6. Juni geltende Testpflicht erwartungsgemäß auseinander. Die am Schluss durchgeführte Schnellabfrage ergab: Zwei Drittel der Eltern wünschen sich beim Selbsttest ihrer Kinder Freiwilligkeit, nur ein Drittel hält eine Pflicht für sinnvoll.

Einig waren sich dagegen alle bei der Forderung nach Testalternativen, die sie schließlich auch gemeinsam an die Adresse der Stadt formulierten. Nicht alle Kinder konnten sich in der vergangenen ersten Testpflichtwoche in den Notgruppen mit dem "langen Stäbchen in der Nase" anfreunden. Die Probleme reichten dabei vom Nasenbluten bis hin zur Verweigerung weiterer Kita-Besuche.

In anderen Städten werden Spuck- oder die sogenannten Lolli-Tests angeboten, wusste Andreas Krause. "Wenn man es machen muss, braucht es Alternativen." Grundsätzlich plädierte er für eine Freiwilligkeit.

"Wir brauchen die Notbetreuungen"

Annette Kohler hat mit ihren Kindern, zwei und sechs Jahre alt, gute Erfahrungen gemacht. "Wir brauchen die Notbetreuungen", sagte sie. Die Testungen seien ein Beitrag, den Familien leisten sollten, um Kita-Schließungen zu vermeiden. Zum einen sei die Möglichkeit einer ärztlichen Bescheinigung gegen das Testen gegeben, zum anderen müssen Kinder lernen, neue Gesundheitsregeln einzuhalten, fand sie.

Auch Svenja Randerath befürwortete die Tests, die sie mit einem Kinderarztbesuch verglich, der eben sein müsse. Froh sei sie über den Vertrauensvorschuss, als Eltern selbst testen zu dürfen und stellte die Frage: Was wäre die Konsequenz, wenn wir es nicht täten? Die Möglichkeit, die Kinder morgens zu Hause zu testen, sieht auch eine Mutter aus Marbach entspannend und befürchtet, dass der Lollitest "komplizierter" ausfällt.

Die Kinder von Jan Jansen werden nicht notbetreut. "Ich wäre froh, wenn mein Vierjähriger getestet wieder in die Kita dürfte", sagt der Selbstständige. Der Kleine brenne sogar darauf, das selbst machen zu dürfen, was er bei seinen Eltern schon gesehen habe.

"Und wenn ich meinen Job verliere"

Doch es gibt nicht nur Befürworter der Testpflicht. "Ich teste mein Kind nicht und wenn ich meinen Job verliere", sagt die eine Mutter, die andere sieht darin einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit ihres Kindes. Angst vor belasteten, in China produzierten Nasenstäbchen gibt es dabei – und ein Unverständnis dafür, dass Kinder "wie Virenschleudern" behandelt werden.

Athina Kalpaktsi beklagt, dass Geimpfte bald wieder alles dürfen, ihr Neunjähriger aber seit einem halben Jahr nicht mehr in der Schule war. Stefanie Schmoll findet es nicht richtig, beweisen zu müssen, dass man gesund ist. Und sie misstraut den Testergebnissen, nachdem zwei ihrer Kinder positiv schnellgetestet wurden, der PCR-Test im Labor dann aber negativ ausfiel.

"Wir Eltern sind doch die Deppen vom Dienst", wurde Tatjana Martin deutlich. Homeoffice, Homeschooling, Kontaktbeschränkungen und jetzt noch Tests für die ganz Kleinen – "meine Toleranzgrenze sinkt", sagt sie. Ganz andere Bedenken hegt Srdjan Zivkovic, wenn er über die Ehrlichkeit der Eltern nachdenkt, deren Kinder im Schnelltest positiv sind.

Nach eineinhalb Stunden "Kropfleeren" sprachen die Teilnehmer dem veranstaltenden Vorstandsteam, allen voran dem Vorsitzenden Srdjan Zivkovic und seinem Stellvertreter Michael Osburg, Dank für die virtuelle Möglichkeit aus und wünschten sich alsbaldige Wiederholung, die zugesagt wurde. "Gegen eine Testpflicht werden wir nur schwer ankommen", schloss Zivkovic, aber man werde auf Test-Alternativen beharren und zugleich die statistischen Ergebnisse der Probe­phase des Testens in Kitas einfordern.

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