Wie Zensur wirkt Foto: Melanie Jilg

Der Autor macht sich Gedanken über gute sowie schlechte Nachrichten und weshalb es freie Medien braucht.

Es waren für uns quasi Nachrichten in eigener Sache. Und keine guten: Vor einigen Tagen meldete die Organisation Reporter ohne Grenzen, dass Deutschland in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit aus den Top Ten gerutscht ist – Platz elf bedeute einen „historischen Tiefstand“. Vor Ort aber gibt es einen Lichtblick.

 

Es soll an dieser Stelle kein Hohelied gesungen werden auf die unabhängige Berichterstattung, auf ihre Bedeutung für die Demokratie, den Kampf gegen Unrecht, Machtmissbrauch und Korruption. Wem ein Blick in Artikel 5 unseres Grundgesetzes nicht ausreicht, findet massig einschlägige Literatur voll erhobener Zeigefinger, die davor warnen, Journalisten in ihrer Arbeit zu behindern, sei es bewusst oder unbewusst.

Stattdessen soll von einem Mann die Rede sein, der vor einigen Monaten Protagonist eines Artikels der Lahrer Zeitung war, in dem er – gelinde gesagt – nicht gut wegkam. Es ist unverzichtbarer Teil unseres Jobs, auf Missstände aufmerksam zu machen und anzuprangern, wenn etwas querläuft, in öffentlichen Verwaltungen, Wirtschaftsunternehmen und manchmal auch im Privaten. Dass jene, denen vors Schienbein getreten wird, nicht jubilieren, die doch so wichtige Pressefreiheit in dem Moment buchstäblich auf den Mond wünschen, ist menschlich nachvollziehbar.

Umso bemerkenswerter die Reaktion des Ärger-Geschichten-Akteurs, als wir uns vergangene Woche zufällig über den Weg liefen. Ich wisse sicher, wandte er sich an mich, dass er „nicht erfreut“ gewesen sei über meine damalige Anfrage und noch viel weniger über die folgende Berichterstattung. „Im Nachhinein aber“, fuhr der Mann während zaghaften Nickens meinerseits fort, „muss ich Ihnen sagen, dass Sie aus objektiver Sicht richtig gehandelt haben. Wenn die Medien das nicht mehr täten, würde uns etwas fehlen.“

Mir fehlen selten die Worte, in dem Moment aber blieb mir nur, die ausgestreckte Hand meines Gegenübers zu ergreifen. Und mehr brauchte es auch nicht, um Hoffnung zu schöpfen: Vielleicht klettern wir ja bald wieder nach oben im Reporter-ohne-Grenzen-Ranking.