Landwirt Alexander Dietz hat einen Waldrapp- eine extrem seltene Zugvogelart – auf seinem Acker bei Harthausen entdeckt.
Einen absolut außergewöhnlichen gefiederten Begleiter hatte Alexander Dietz, Hofchef des landwirtschaftlichen Biobetriebs „Ziegenhütte Zollernalb“, beim Pflügen seines Ackers, als er inmitten einer Schar von Krähen einen Waldrapp entdeckte.
Gut zwei Stunden war der außergewöhnliche Gast, der laut World Wildlife Fund (WWF) zu den seltensten Vögeln der Welt zählt, im Gewann Egenhart südlich von Harthausen unterwegs und schnappte nach Würmern, Käfern und aufgeschreckten Feldmäusen.
Harthauser Waldrapp kam von Österreich über Umwege angeflogen
Mit seinem kahlen Gesicht, dem roten, sichelförmigen Schnabel und den abstehenden, strubbeligen Nackenfedern ist der Waldrapp, der zur Familie der Ibisse gehört, unverwechselbar.
Landwirt Alexander Dietz, der bei seiner Feldarbeit immer auch ein Auge für die heimische Flora und Fauna hat, gelang es vom Traktor herab einige Schnappschüsse von der einmaligen Begegnung zu machen.
Dabei ist zu erkennen, dass der Vogel unberingt und auch nicht besendert ist, was wiederum darauf hindeutet, dass er weder in einem Zoo noch in einer Zuchtstation aufgezogen wurde.
Die Harthauser Vogelfreunde haben den Nabu sowie die Verantwortlichen des Waldrapp-Projektes in Überlingen über die Sichtung informiert – und Antwort aus dem österreichischen Salzburg erhalten, wo man sich gleichwohl um die Auswilderung der extrem seltenen Vogelart bemüht.
Im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa ausgestorben
Der Zugvogel stammt offenbar aus der dortigen Kolonie und sei im vergangenen Herbst zur Überwinterung nicht nach Süden, sondern in einer größeren Gruppe fälschlicherweise nach Norddeutschland und weiter bis nach Dänemark geflogen.
Von dort sei der Waldrapp in diesem Jahr wieder südwärts gezogen. Vor seinem Auftauchen in Harthausen wurde er auch in Böbingen auf der Ostalb gesichtet.
Waldrappe wurden früher stark bejagt und als Delikatesse verspeist, so dass sie bereits im 17. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa ausstarben.
Seit etwa zehn Jahren wird in verschiedenen Zoos und Zuchtstationen, wie zum Beispiel in Überlingen am Bodensee, intensiv daran gearbeitet, diesen Zugvogel in unseren Breiten durch Zucht und Auswilderung wieder heimisch zu machen.
Ein Ultraleichtflugzeug weist den Weg über die Alpen
Der WWF zusammen mit dem europäischen LIFE Programm fördert dieses weltweit einzigartige Wiederansiedlungsprojekt.
Da Waldrappe ihr natürliches Zugverhalten verlernt haben, wird am Bodensee seit Jahren mit zunehmendem Erfolg versucht, den Vögeln ihren Zugweg über die Alpen durch ein begleitendes Ultraleichtflugzeug zu zeigen.