Auf der Suche nach einer Notdienst-Apotheke legte ein Mann im Kreis Calw jüngst weite Wege zurück. Das hat seinen Grund. Foto: ©Satawat - stock.adobe.com

Um an ein Medikament zu kommen, musste ein Mann weit fahren. Dass rund um Calw keine Apotheke Notdienst hatte, bezeichnet er als Armutszeugnis. Doch Calw kann nichts dafür.

Es ist ein Tag Anfang Mai. Der obere, systolische Blutdruck eines Mannes zeigt einen Wert von 188 an. Deutlich zu hoch. Der Betroffene begibt sich in die Notaufnahme des neuen Calwer Krankenhauses.

 

Dort wird ihm auch „perfekt geholfen“, bescheinigt der Mann in einer E-Mail, die er an Calws Oberbürgermeister Florian Kling und an unsere Redaktion schreibt.

Doch dann beginnen die Probleme.

Von Calw über Friolzheim nach Pforzheim

Noch am selben Tag soll der Patient sich ein Medikament besorgen und es einnehmen. Doch es ist Sonntag. Und weder im Stadtgebiet von Calw, noch in der näheren Umgebung gibt es eine Notdienst-Apotheke.

Der Betroffene fährt nach Friolzheim im Enzkreis, etwa zehn Kilometer Luftlinie nordöstlich von Bad Liebenzell an der A8 gelegen. Doch die Apotheke dort hat die benötigte Medizin nicht vorrätig, berichtet er.

„Die nächste Apotheke war dann in Pforzheim, die die Arznei nur in großer Menge hatte“, schreibt der Mann weiter. Er solle sich ein neues Rezept besorgen. Nach längerer Diskussion habe der Apotheker schließlich die benötigte Menge aus einer Großpackung entnommen.

„Habe Stunden gebraucht, über 50 Kilometer gefahren, um heute meine Arznei zu bekommen“, ärgert sich der Mann. „Meinen Sie nicht, es ist ein Armutszeugnis, dass Calw nicht in der Lage ist, eine Apotheke als Notdienst bereitzuhalten?“, schreibt er an den Oberbürgermeister.

„Das ist doch unverantwortlich“

Andere Menschen in einer solchen Lage „wären längst gestorben. Das ist doch unverantwortlich. Wir haben ein neues Krankenhaus, aber keine Apotheke für den Notdienst. Da sollte man schnellstens mal über eine Lösung nachdenken“, meint er abschließend.

Der Unmut des Betroffenen ist verständlich. Doch er richtet sich an den falschen Ansprechpartner. Organisator der Apotheken-Notdienste im Südwesten ist die Landesapothekerkammer. Und die hat die Verteilung der Notdienste bereits seit Januar 2025 umgestellt.

Zuvor hatte es in Baden-Württemberg knapp 100 Notdienstkreise gegeben. Das hatte Mirjam Taufenbach, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Landesapothekerkammer (LAK), bereits vor gut einem Jahr auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. „Dort wurden die Notdienste einzeln ermittelt, und selten wurden Notdienste mit benachbarten Notdienstkreisen abgestimmt.“

Dadurch sei es mitunter zu Überschneidungen und unregelmäßigen Entfernungen gekommen. Das neue System verteile die Notdienste dagegen mittels künstlicher Intelligenz landesweit, „sodass eine möglichst gleichmäßige Abdeckung mit Notdienst-Apotheken gewährleistet ist“.

Verteilung orientiert sich nicht mehr an Orten oder Landkreisen

Die Verteilung orientiert sich seitdem auch nicht mehr an Orten oder Landkreisen, sondern an Entfernungen. Dadurch könne es passieren, „dass in einem Landkreis keine Apotheke Dienst hat, sondern nur in nahe gelegenen Ortschaften“.

Grundsätzlich würden die Wege dadurch insbesondere in ländlichen Gebieten insgesamt etwas länger.

Die weiteren Wege seien laut Sprecherin Taufenbach aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Zahl der Apotheken in Deutschland sinke. Nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände schlossen innerhalb des vergangenen Jahres 440 Apotheken bundesweit. Zum Jahresende 2025 waren es noch 16.601 Standorte.

Die Kammer versuche stets, ein Mittelmaß zu finden – zwischen der Belastung für die Apothekenleiter, im Notdienst zu arbeiten, und den Bedürfnissen der Patienten, eine Notdienst-Apotheke zu finden, sagt Taufenbach.

Apotheken entlasten, schlechterer Versorgung vorbeugen

Eine bessere Verteilung solle die Apotheken entlasten und einer Verschlechterung der Notdienstversorgung vorbeugen. In Baden-Württemberg hat laut Landesapothekerkammer jede Pharmazie im Schnitt 16,5 Notdienste im Jahr zu verrichten.

Die jeweiligen Entfernungen zum nächsten Standort werden auf der Internetseite der Landesapothekerkammer unter der Rubrik „Apotheken-Notdienst Umkreissuche“ in Straßenkilometern angegeben.

Mit einem Klick lässt sich dort auch Google Maps öffnen, um den schnellsten Weg zur Apotheke anzeigen zu lassen.