m Januar ehrte VVS-Geschäftsführer Horst Stemmler (rechts) den 250.000. Handyticket-Nutzer Michael Erben. Foto: Peter Petsch

Mit dem Handyticket hat der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) ein echtes Erfolgsprodukt gelandet. Die Entwicklung der ersten digitalen Fahrkarte, die vor allem bei jungen Kunden Anklang findet, war rasant.

Stuttgart - Die Handy-Applikation des VVS, die digitale Bahnfahrkarte, wird vor allem von der jüngeren Generation gefeiert. Klar, dass diejenigen, die Tabloids Printprodukten vorziehen, auch dem gedruckten Fahrschein nicht allzu viel abgewinnen können. Doch hat der Trend mit der Digitalisierungswut nur seine Sonnenseiten?

Nadine Szymanski, Pressesprecherin der VVS, ist jedenfalls davon überzeugt und sieht die wachsende Zustimmung für die digitale Fahrkarte in Zahlen: „Als wir das Handyticket einführten, haben wir monatlich nicht einmal die Hälfte der Karten verkauft, die sich heute aufs Smartphone gezogen werden. Insgesamt 400 000 Handytickets haben wir bisher verkauft. Ein besonderer Anstieg war noch mal zum Jahresende spürbar, als wir den Preis der digitalen Fahrkarte reduziert haben.“ Das hat aus VVS-Sicht nicht nur ökologische, sondern vor allem ökonomische Gründe. Man spart sich den Ausdruck von Fahrkarten und weniger Abnutzung der Automaten bedeuten geringere Instandhaltungskosten.

Insgesamt nutzen rund zwei Prozent der Fahrgäste das Handyticket. Der Trend zum Digitalen wird vor allem bei den Studenten sichtbar: 25 Prozent dieser Gruppe beziehen ihr Studententicket zum Selbstausdrucken. Da sie in der Regel keine Gelegenheitsfahrer sind, ist das Handyticket für die meisten wenig sinnvoll.

Junge Menschen finden sich mit Technik schnell zurecht

„Ihre Fahrscheine bitte!“ Jeder kennt die alltägliche Situation, wenn das Kontrolleursteam nach Schwarzfahrern fahndet. Wer jetzt siegessicher sein Smartphone zückt, um seine davor heruntergeladene Handyfahrkarte hervorzuzeigen, den könnte das böse Erwachen ereilen, wenn er seinen Handyakku nicht aufgeladen hat. „Da es keine Nachweismöglichkeit gibt und beim Kauf auch digital nichts personifiziert ist“, sagt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn e.V., „ist das gleichzusetzen mit Schwarzfahren und kostet 60 Euro Strafe.“

Sonst ist Naumann mit dem digitalen Bahnticket vollauf zufrieden. Eine „gute Erweiterung des Angebots“ für die Generation „Heute Auto, morgen Bahn, übermorgen Fahrradfahren“ nennt er das innovative Ticket. Während sich junge Menschen sofort mit der Technik zurechtfinden, sieht Naumann vor allem ein Problem für Senioren, die eigentlich genauso Zielgruppe des neuen Tickets wären, da sie nicht so mobil sind und deshalb seltener eine Monatskarte brauchen. „Meine Forderung an den VVS ist ein Angebot à la Modern mit dem VVS unterwegs, bei dem Rentnern der öffentliche Verkehr erklärt wird, was man braucht und wie die App funktioniert. Bei Kaffee und Kuchen“, so Naumann.

Zukunftsmusik: Wird in einer immer digitalisierteren Welt eines Tages der Fahrkartenautomat sinnlos? Was wird dann aus denen, die mobil bleiben wollen, aber sich eben nicht unbedingt mit einem Smartphone und dessen Applikationen herumschlagen? Karl-Peter Naumann sieht dem entspannt entgegen: „Es kann passieren, dass man da ein paar Automaten zurückbaut. Aber als ein Verkehrsbetrieb in Hannover versuchte, Kosten zu sparen, indem er seine Automaten ausschließlich mit Chipkarte betreiben wollte, wurde er vom Verwaltungsgericht gestoppt: Das einzige legitime Zahlungsmittel in Deutschland bleibt das Bargeld.“

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