Das Rathaus Steinen Foto: Gabriele Hauger

Steinen und Maulburg blicken auf die Landtagswahlen. Was auffällt: Peter Schelshorn kommt gut an, die Grünen auch. Und die AfD liegt über dem Landesschnitt.

Die Grünen fahren sowohl in Steinen als auch in Maulburg die meisten Stimmen ein. In Maulburg verteidigen sie – trotz großer Verluste gegenüber der vorigen Landtagswahl – ihren Spitzenplatz mit 28,8 Prozent vor der CDU mit 24,5 Prozent. In Steinen bekommen sie 29,4 Prozent.

 

Aber: CDU-Mann Peter Schelshorn konnte vor seiner Grünen-Konkurrentin Sarah Hagmann die meisten der abgegebenen Erststimmen für sich verbuchen – und dies in beiden Gemeinden. In Steinen liegt er mit knapp vier Prozent deutlich vorne. Knapper, aber ebenfalls klar ist sein Vorsprung in Maulburg.

Was sagt Stefan Glaser

Stefan Glaser aus Steinen, CDU-Kreisvorsitzender, zeigt sich daher auf Nachfrage auch höchst zufrieden mit dem Abschneiden des CDU-Spitzenkandidaten. Zudem habe die CDU vor Ort mit Wahlständen große Präsenz gezeigt. „Wir haben gute Arbeit geleistet und brauchen uns nicht zu verstecken“, so Glaser.

Insgesamt sei das Ergebnis im Wahlkreis entsprechend des Landestrends ausgefallen. Den minimalen Vorsprung der Grünen müsse man hinnehmen.

Schock über AfD

Vielmehr habe ihn das Abschneiden der AfD geschockt. Diese kam in Steinen auf 20,8 Prozent und liegt damit deutlich über dem Landesschnitt von 17,7 Prozent. Deren Spitzenkandidat Wolfgang Koch bekam sogar noch mehr Stimmen, nämlich 21,7 Prozent. Für Glaser in keinster Weise nachvollziehbar. „In drei Wahllokalen hat die AfD sogar gewonnen, das wundert mich, besonders, dass er so viele Erststimmen erhielt. In Steinen hat er sich im Wahlkampf überhaupt nicht blicken lassen.“

Was sagt Gunter Braun

Steinens Bürgermeister Gunter Braun freut sich zunächst: Nicht über die Zahlen für die AfD, dafür aber über die Wahlbeteiligung. Diese lag in Steinen bei 70,5 Prozent und „damit deutlich besser als in vielen anderen Kommunen“, sagt er auf Nachfrage. Braun betont zudem rückblickend, dass die Gemeinde mit allen drei Kandidaten – Sarah Hagmann, Peter Schelshorn und Jonas Hoffmann – gut zusammenarbeite. „Wir hatten immer einen guten Austausch.“ Schade findet er, dass nach dem Wahlergebnis nur noch ein Vertreter aus dem Landkreis in Stuttgart präsent sei: „Wir bauen jetzt voll auf Sarah Hagmann.“

Kontinuität der Politik

Von der kommenden grün-schwarzen Regierung erhofft er sich Kontinuität und freut sich, dass das „politische mittlere Lager“ Bestätigung gefunden habe. Die AfD bestehe indes ja nur aus „Einzelteilen“. „Ich verstehe nicht, warum man die wählen muss.“ Immerhin seien die Prozentzahlen hierzulande im Vergleich zu den Neuen Bundesländern noch niedrig. Der Bürgermeister hofft, dass das auch so bleibt.

Form des Protests

Die guten AfD-Ergebnisse in seiner Gemeinde sieht er als Protest und als Reaktion auf ein vermeintliches Gefühl des Abgehängtseins. „Gerade im Bereich Fördermittel haben viele im ländlichen Raum das Gefühl, hinter dem Feldberg von Stuttgart abgehängt zu sein“, so seine Interpretation.

In Maulburg schneidet die AfD ähnlich wie in Steinen ab. Auch hier liegt Koch bei 20,8 Prozent, sogar noch vor der Zweitstimme, bei der die AfD 20,3 Prozent bekommt.

Was sagt Jessica Lang

„Dass die AfD auch bei uns über 20 Prozent holt – das ist schon ein Signal“, sagt die Bürgermeisterin von Maulburg. „Wir müssen das ernst nehmen, dass es offenbar Themen gibt, die verunsichern.“

Das Maulburger Rathaus Foto: Gabriele Hauger

Das Maulburger Wahlergebnis zeige insgesamt die politische Vielfalt, die sich in unterschiedlichen Erwartungen und Prioritäten widerspiegele. Dass Peter Schelshorn bei den Erststimmen vorne lag, zeige aber auch, dass von den Wählern zwischen Person und Partei unterschieden werde.

Viel Präsenz gezeigt

Jessica Lang findet, dass alle Kandidaten in der Regio stark vertreten waren. Besonders präsent habe sich Sarah Hagmann gezeigt. „Sie hat eine enorme Vielzahl an Themen abgedeckt und auch die ländlichen Kommunen besucht.“ Schockierend findet sie das Ergebnis für die SPD. Dass eine Volkspartei an der 5-Prozent-Hürde kratze, stimme sie nachdenklich. Sie bedauert, dass Jonas Hoffmann nun nicht mehr die Interessen des Kreises in Stuttgart vertrete. „Mit seinen Hauptthemen Wohnraum, Wirtschaft und Digitales wird das fehlen.“

Erfreulich findet auch sie die Wahlbeteiligung von knapp 70 Prozent. „Das spricht für die Maulburger Bürger, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen und sich für die Zukunft interessieren.“