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Über 110 Vogelarten in Stuttgart Papageien sind die Stars unter den wilden Stadt-Vögeln

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Seit mehr als 20 Jahren bevölkern Gelbkopfamazonen die Parks der Stadt Stuttgart. Welche Vögel sich dort sonst noch wohl fühlen, erfahren Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Stephan Egelhof

Stuttgart - Vögel gucken nach Feierabend, auf englisch „After-Work-Birding“, könnte der Freizeittrend von morgen sein. Tatsächlich gibt es reichlich Hobby-Ornithologen in der Stadt, die der Einladung Ulrich Tammlers vom Naturschutzbund (NABU) regelmäßig folgen. Der Diplom-Ingenieur kennt die Vögel von Stuttgart ­besonders gut und führt gerne durch deren ­Lebensraum, wie zum Beispiel den Rosensteinpark.

Hauptattraktion sind die Gelbkopfamazonen, die Tammler „Krawallmacher“ nennt. Mit ihren schrillen Schreien fliegen sie seit den 80er Jahren durch die Parks der Stadt. Die Population liegt bei 40 bis 45 Papageien. Nun haben sie sich wohl auch im Rosensteinpark niedergelassen. Eine Blaustirnamazone ist auch Teil der bunten Truppe.

Neben den Schreihälsen findet sich aber auch das andere Extrem, Tammlers„Heimlichtuer“. Für ihn sind das kleine Vögel, die kaum auffallen, wie zum Beispiel der Zwergtaucher: ein schmächtiger brauner Vogel mit blassem Schnabel. „Der kleine Kerl taucht unermüdlich, um seinen Nachwuchs satt zu bekommen“, erzählt der Naturschützer. Ausgerüstet mit Ferngläsern folgen ihm im Schnitt zehn bis fünfzehn Stadtbewohner, die das unbekannte Tierreich vor der eigenen Haustür besser kennenlernen wollen.

Teichhühner mit Gehschwierigkeiten

Denn dieses ist täglicher Schauplatz vieler Kuriositäten. So haben ­einige Vögel mit ganz individuellen Problemen zu kämpfen. „Die Ringeltaube ist oft so gut genährt, dass ihr nach vorn überhängender Bauch sie fast umkippen lässt“, erzählt Tammler. Den bekannten Fußgängerzonenvogel erkennt man an den weißen Flecken am Hals. „Bis vor 30 oder 40 Jahren war die noch ein scheuer Waldbewohner, jetzt ist sie auf fast jedem Balkon zu sehen“, sagt er.

Die kleinen Teichhühner dagegen haben Gehschwierigkeiten. Die Jungvögel stolpern nicht selten über ihre langen Zehen. Und auch im Wasser zuckeln die braunen Vögel mit rot-gelbem Schnabel nur gemächlich vor sich hin. Beide Vogelarten haben in der Großstadt ihre Nische gefunden. Für manch einen ­Vogel ist das Stadtleben sogar von Vorteil. „Es ist wärmer hier, das Nahrungsangebot ist groß“, sagt Tammler.

Mauersegler schläft und frisst während er fliegt

Anders gestaltet sich die Lage aber für Mauersegler. Durch die hohe Bebauungsdichte und die Flächenversieglung finden diese keine Nistplätze und so ist die Population in den letzten Jahren „drastisch runtergegangen.“ Dabei sind die schwarz-braunen Vögel vergleichsweise angenehme Stadtbewohner – außerhalb der Brutzeit sind sie nie am Boden anzutreffen. Denn der Mauersegler schläft und frisst während er fliegt. Auch die Fortpflanzung geschieht in der Luft. „Der kann eine Gehirnhälfte ausschalten und mit der anderen weiterfliegen“, erklärt Tammler. Aber nicht nur die Menschen verkleinern den Lebensraum der Tiere. Auch untereinander nimmt die Konkurrenz, dank steigender Artenvielfalt, zu. Tammler hat hier einen ganz persönlichen Feind: Nilgänse. „Die sind hier nicht heimisch und so was von aggressiv“, sagt er. Erkennen kann man sie an ihren langen ­roten Beinen und schwarz-weiß-grünen Flügeln. Vor allem der Stockente wird die ursprünglich afrikanische Art immer mehr zum Verhängnis.Lebensraum bietet den ­ Vögeln beispielsweise der Pumpsee im Rosensteinpark. „Dort findet man eigentlich das gesamte Spektrum an Wasservögeln, die in Stuttgart brüten“, sagt Tammler. „Noch“, fügt er hinzu.

Täglich stakst dort ein Graureiher durch das niedrige Gewässer. „Lange hat man den Fischreiher genannt, aber das ist falsch, die jagen vor allem Mäuse“, erklärt Tammler. Zwei Brutkolonien gibt es bisher in Stuttgart, eine davon ist am Max-Eyth-See, über zehn brüten in der Wilhelma. „Das ist hier ein echter Kulturvogel geworden, der lässt Menschen gelegentlich ganz nah an sich ran“, freut sich der Vogelfreund.

Aber auch ein paar der wenigen Blässhühner, die es in Stuttgart gibt, findet man am Pumpsee. Namensgebend ist die deutlich sichtbare weiß-graue Blässe. Die kugelrunden Tiere haben an Stelle von Schwimmhäuten zu Lappen verbreiterte Zehen. Auch schwimmend sind sie schnell auszumachen: ein erster Hinweis ist die Blässe, schwimmt der Vogel dann noch ruckelig kann man sich sicher sein – denn Blässhühner holen mit dem Hals Schwung.

Kreischende Papageien selten alleine unterwegs

Neben den kleinen Vögeln sieht die Graugans fast wie ein Koloss aus. Für Tammler ist die hohe Zahl von fast 200 Tieren in Stuttgart aber kein Grund zur Freude. „Die kacken hier alles voll und vertreiben andere Vögel, die darf man nicht füttern, die gehören hier eigentlich nicht her“, ärgert er sich. Der wilde Vorfahr der Hausgans ist in der Tat ein rabiater Vogel und schlägt sogar einen Fuchs in die Flucht, wenn dieser auf seinen Brutplatz aus ist, so Tammler.

Die eigentlichen Stars der Stuttgarter ­Vogel-Szene bleiben aber nach wie vor die Papageien. Auch zum After-Work-Birding kommen die meisten vor allem wegen der bunten Vögel und blicken suchend in den Himmel. Tauchen sie kreischend auf, sind sie selten alleine unterwegs. „Die werden bis zu 50 Jahre alt und unterhalten lebenslange Partnerschaften“, erzählt Tammler. Obwohl die Population derzeit stagniert, werden sie also wohl in den nächsten Jahren ein Highlight am Stuttgarter Himmel sein.

Auch Ulrich Tammlers Leidenschaft für die Vogelbeobachtung wird wohl ein Leben lang anhalten. Er engagiert sich seit fast 30 Jahren ehrenamtlich im NABU. Anwohner der Eisenbahnstraße in Cannstatt, dem Überwinterungsquartier der Papageien, beklagen sich oft bei ihm über die lauten Zaungäste – Ulrich Tammler kann das schon verstehen, „aber Verkehrslärm ist doch tausendmal schlimmer“, findet er.

Wer mit dem NABU Vögel beobachten will: Am 11. September trifft man sich um 17.30 Uhr an der Haltestelle Weilimdorf Bahnhof. Infos unter www.nabu-stuttgart.de oder 07 11 / 62 69 44.

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