Ältere Arbeitslose, selbst Fachkräfte, finden oft nur schwer einen neuen Arbeitsplatz. Foto: IMAGO/Funke Foto Services

Mercedes, Porsche, Bosch – und jetzt auch Mahle: alle streichen Stellen. Werden Ältere arbeitslos, finden sie oft schwer einen neuen Job. Ein Karriereberater erklärt, was viele Bewerber falsch machen.

Knapp eine Million Menschen, die 50 Jahre oder älter sind, haben aktuell keine Arbeit. Eigentlich fehlen überall Fachkräfte und eigentlich sollen die Bürger nach dem Willen von Arbeitgebern und Politik länger arbeiten. Doch bei Bewerbungen erhalten ältere Arbeitnehmer trotzdem eine Absage nach der anderen. Mehr als jede zweite Erwerbslosigkeit bei Ü50 endet ohne Job. Die Betroffenen entscheiden sich entweder für den Vorruhestand oder kommen anders ohne Rente klar. Warum ist das so? Und: Lässt sich das ändern?

 

Gibt es Alterdiskriminierung?

„Mit über 50 benötigen die Leute deutlich länger, bis sie einen neuen Arbeitsvertrag unterschreiben als mit 40“, sagt der Hamburger Karriereberater Matthias Martens, der viele Führungskräfte begleitet. Ab Mitte 50 könne das länger als ein dreiviertel Jahr dauern. Altersdiskriminierung mag eine dokumentierte Hürde sein, Personaler geben das aber selten zu. Dabei könne es sich auch um ein „unbewusstes Vorurteil“ handeln, meint Martens. Ältere würden oft für nicht genug digital-affin oder nicht mehr lernfähig gehalten.

Karriereberater Matthias Martens: Es gibt ein „unbewusstes Vorurteil“ gegenüber älteren Arbeitnehmern. Foto: privat

Dabei kann Erfahrung durchaus zum Plus werden. Aber: Bei einer Bewerbung reiche es nicht, nur auf die lange eigene Berufserfahrung zu verweisen, erläutert Martens: „Bei der Bewerbung müssen daraus konkrete Vorteile ersichtlich werden, wie Wertschöpfung geschaffen wird.“ Wie etwa Kosten gesenkt, Abkürzungen gegangen oder Mitarbeiter ins Boot geholt werden könnten. Er rät auch dazu, das Alter wegzulassen, was insbesondere bei international auftretenden Unternehmen üblich ist.

Was sind die eigenen Ziele und Qualitäten?

Basis jeder beruflichen Neuorientierung sollte in den Augen von Coach Martens eine „vernünftige Standortbestimmung“ sein: „Was kann und was will ich? Was will ich künftig tun und was nicht mehr?“ Entscheidend sei, sich klar zu positionieren und das in den Bewerbungsunterlagen zum Ausdruck zu bringen. Der Karriereberater empfiehlt, für die Selbstreflexion andere mit ins Boot zu holen. Ein viel gemachter Fehler: Die Bewerber versetzten sich nicht in die Rolle des Personalers und fragen: Welche Rolle kann ich lösen helfen? Was dann auch mit Beispielen zu untermauern sei, so Martens.

Wichtig ist, zu überlegen, wie flexibel und mobil man sein möchte beim Pendeln, Umziehen oder bei einem geringeren Gehalt. Auch die Qualifikation spielt eine große Rolle. „Wenn sich ein Bereichsleiter jetzt für eine Teamleiter-Position bewirbt, muss er das gut begründen“, erläutert der Berater. Für Vorgesetzte könnte das problematisch erscheinen. Sie bangen um ihre Autorität oder das Team droht durcheinander gebracht zu werden. Für Ü50 sieht Martens derzeit besondere Chancen: „In einer Welt voller Unsicherheit und Transformation gewinnt Erfahrung an Wert.“ Ältere Bewerber hätten vieles schon erlebt und könnten mit innerer Ruhe reagieren. Er macht Über-50-Jährigen auch Mut zur Selbstständigkeit – als Interimsmanager oder Berater. Da spiele das Alter keine große Rolle.

Wie man sich richtig bewirbt

Berater berichten von mitunter „unterirdischen Unterlagen“ älterer Jobsuchender. Mancher ältere Arbeitslose bewirbt sich nach einer Absage mit denselben schlechten Unterlagen auf neue Positionen. Berater Martens rät zu einem knappen Anschreiben: „In vier Absätzen zu je vier Zeilen erklären Sie, warum Sie sich bewerben, worin der Mehrwert liegt und belegen das.“ Gefragt sei eine „klare, nüchterne Betrachtung“, keine „Selbstbeweihräucherung bei den Soft Skills“.

Mit über 50 passt der Lebenslauf auch nicht mehr auf eine Seite. Martens empfiehlt einen tabellarischen Lebenslauf nach Stationen, vorneweg die fünf wichtigsten Punkte, „der rote Faden“, der auf den weiteren Seiten ausgeführt wird. Die letzte Station stets zuerst und am ausführlichsten, inklusive Verantwortungsbereich, Budget und Zahl des Personals. Dazu für eine deutsche Bewerbung auch ein Foto, aber kein Passbild, „sondern ein ansprechendes, das Souveränität und Offenheit zeigt“, so Martens. Bei einer englischsprachigen Bewerbung geht es auch ohne Foto.

Unbedingt auf LinkedIn präsent sein

„Wer auf LinkedIn nicht stattfindet, den gibt es gar nicht“, so umschreibt Coach Martens griffig die große Bedeutung von Karriereplattformen. Auch Xing sei – trotz Abgesangs – nicht zu unterschätzen. Für viele qualifizierte Stellen suchen die Personaler über Suchbegriffe nach geeignetem Personal. Deshalb gilt es, das eigene Profil so genau wie möglich auszufüllen. Dann landet es bei den Suchtreffern weiter oben. Wichtig dabei, so Martens, das Info-Fenster: „Da muss die Kernaussage rein: Was kann ich und was will ich.“ Und das Ganze gerne auch in anderen Sprachen.

Matthias Martens

Wer
Matthias Martens arbeitet seit 20 Jahren als selbstständiger Berater und Coach in der Karriereberatung und im Outplacement, vor allem für Führungskräfte. Davor war er zehn Jahre Personalleiter, „auf der anderen Seite des Tischs“, wie er sagt. Er weiß, wie Manager ticken, kennt Unternehmen von innen. „Ich habe genau meine Berufung gefunden“, meint der 61-Jährige über seine Arbeit als Karriereberater.

Was
In seinem Hamburger Unternehmen Martens Outplacement begleiten Martens und sein Team vor allem viele Führungskräfte. Viele seiner Klienten blicken auf langjährige Erfahrungen zurück. Er unterstützt sie bei der beruflichen Neuorientierung. Martens sagt: „Je älter, desto länger dauert die Beratung.“