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UCI Mountainbike WM Ein Lebenstraum: Als Praktikant in die Vollen

Von
Thomas Wickles jubelt mit Alexandra Engen beim Cross-Country Eliminator in Saalfelden. Foto: Maasewerd

Wie Thomas Wickles quasi als Praktikant zu seinem "Traumjob" kam, was er im reinen Frauen-Team seither gelernt hat, warum Albstadt, der Weltcup und die WM so wichtig sind und wie ein schwerer Unfall seine Einstellung zum Leben verändert hat, das erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung in der Serie 20 Köpfe für 2020.

Thomas Wickles, wie sind Sie eigentlich zum Mountainbiker geworden?

Das ist eine ganz schlimme Geschichte (lacht). Ich hatte einfach für Sport mit Bällen kein Talent. Aber wie heißt es in dem Buch, das mir vor Kurzem nahegelegt wurde: "Talent is overrated".

Warum sind Sie dann zum Mountainbiker geworden? Und wie sah es da aus mit Ihrem Talent?

Die Fränkischen Schweiz, wo ich herkomme, ist für Mountainbiken prädestiniert. Ich war 13 oder 14, als ich mein erstes Mountainbike bekommen habe. Es ging gerade los mit den voll gefederten Bikes. Das fand ich cool. In der Folge wurde für mich schnell Wettkampfsport daraus. Aber es gab bei mir zu Hause keine Struktur und niemanden, der Ahnung hatte. Ich habe alles selber ausprobiert, um dabei festzustellen, wo meine Grenzen liegen – nicht auf Weltcup-Niveau.

Es war trotzdem offenbar der Einstieg in die Mountainbike-Welt.

Ja. Bei mir drehte sich alles um Räder. Ich habe neben der Schule her Geld verdient in einem Radladen. Nach dem Abi habe ich eine Lehre in einem Radladen gemacht und während des BWL-Studiums dort gearbeitet. Mein Praktikum für das Studium habe ich bei Ghost-Bikes gemacht, das fand ich spannend.

Wie kam es dazu, dass Sie zum Team-Manager der Cross-Country-Equipe wurden?

Bei Ghost ging alles ganz schnell. Einer der beiden (damaligen) Chefs hat mich gefragt, ob ich meine Diplom-Arbeit über das Sponsoring eines Teams schreiben und das Team selber leiten will. Das habe ich gemacht. Meine Abschlussprüfung hatte ich 2011 zwischen den Weltcups in Dalby und Offenburg (lacht).

Das war ja ein Schnellstart hinein in den Profi-Sport.

Ich hatte keine großen Erfahrungen. Wenn Sie mir heute sagen würden, dass wir einen Praktikanten anstellen und ihm zum Beispiel die Leitung eines Downhill-Weltcup-Teams anvertrauen würde, dann würde ich den Kopf schütteln. Aber damals waren alle in der Firma überzeugt.

Für die Marke Ghost selbst war es auch Neuland, selbst ein Team zu organisieren.

Vorher hatte man das Team von Sabine Spitz als Sponsor unterstützt. Aber man war nicht zufrieden und wollte es lieber selber machen. Und es war auch kein schlechtes Team, das da am Start war. Das war schon ein namhaftes Setup. Die Lernkurve war am Anfang sehr steil. Pietermaritzburg (Südafrika) war mein allererster Weltcup und das erste Rennen, an dem alle zusammen waren. Das war schon hart, das aus dem Boden zu stampfen. Das war extrem viel Arbeit, aber ich wusste nicht, was mich erwartet. Deshalb hatte ich keine Angst. Heute hätte ich Angst, einfach, weil ich weiß, was da alles dazu gehört. Damals dachte ich: geil, das klingt nach einem Lebenstraum.

Ist es eine besondere Herausforderung, als Mann ein reines Damen-Team zu leiten?

Das wichtigste ist die Team-Zusammenstellung. Dann kommen im Alltag viel weniger Herausforderungen auf dich zu. In der Vergangenheit hat das nicht immer gepasst.

Im Sport geht es um Leistung, um Ergebnisse. Steht das bei der Team-Zusammenstellung im Vordergrund?

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Athletin kommen ganz unterschiedliche Argumente zum Tragen. Woher kommt sie? Welches sportliche Niveau hat sie? Wie ist ihr Social-Media-Auftritt? Das Wichtigste aber ist, dass die Sportlerin ins Team passt, in dieses soziale Gefüge, weil die Athletinnen untereinander auch Konkurrentinnen sind. Ich glaube, dass das ein Schlüssel zum Erfolg ist. Da musste ich auch mal unpopuläre Entscheidungen fällen. Man muss sich auch trennen können, wenn es nicht passt.

Ist das Frauen-Team eine bewusste Entscheidung?

Bewusst war das nicht so gedacht. Es ist so entstanden, wir haben ergänzt und aufgefüllt, und es hat sich herausgestellt: Es ist ein klasse Alleinstellungsmerkmal, heute noch mehr als damals. Wir sind dabeigeblieben, und es hat sich bewährt. Anfangs hat da auch das Finanzielle eine Rolle gespielt. Es ist leider heute noch so, dass Frauen einfach geringer bezahlt werden – und das obwohl wahrscheinlich vier von fünf Frauen-Rennen spannender sind als das der Herren.

Hat Ihre schwere Verletzung, die Sie sich ja beim Mountainbiken zugezogen haben, Ihren emotionalen Zugang zum Mountainbike-Sport verändert?

Nein, sie hat meine generelle Lebenseinstellung verändert, aber nicht zum Thema MTB. Ich bin heute in der glücklichen Lage, nahezu normal Rad fahren und ein nahezu normales Leben führen zu können. Ich weiß Kleinigkeiten mehr zu schätzen. Dass ich zum Beispiel jetzt gerade in Südafrika sein und meinen Job machen kann, aber auch, dass ich laufen kann. Ich bin mir bewusst, dass ich großes Glück hatte.

Spielt es in Albstadt eine Rolle, dass Sie für eine deutsche Marke fahren?

In Albstadt geht für uns in eine andere Richtung. Es ist für uns eine Heim-WM. Deutschland ist der wichtigste Markt, und wir versuchen die WM als Werbe-Plattform zu nutzen. Bei einer WM haben wir weniger Zugriff auf unsere Sportlerinnen, aber für Deutschland ist es cool, eine WM zu haben. Speziell, wenn man um Medaillen mitfahren kann, dann ist eine WM auch extrem wertvoll. Es ist eines der größten sportlichen Events und wird sicher eine geile Veranstaltung.

Ist es für Sie als deutsches Team generell wichtig, dass es einen deutschen Weltcup beziehungsweise eine WM in Deutschland gibt?

Auf jeden Fall. Als es nach dem Ende des Offenburg-Weltcups 2012 keinen deutschen Weltcup gab, das war schon ziemlich schlecht. Dass es seit 2013 den Weltcup in Deutschland gibt, ist für den Sport sehr, sehr wichtig. Albstadt und Weltcup, das kennt am Ende jeder, und viele waren auch schon dort.

Was muss 2020 passieren, damit Sie zufrieden sind?

Erstens, dass alle Athletinnen aus dem Team zurückblicken und mit ihrer Saison happy sind. Ich weiß zu schätzen, was wir 2019 erreicht haben. Aber es hat so lange gedauert, dass es vermessen wäre zu sagen, wir werden das Gleiche wieder erreichen.

Und zweitens?

Würde ich mir für die WM gutes Wetter wünschen.

Auf was freuen Sie sich denn bei der WM in Albstadt am meisten?

Auf die Zuschauer. Bei einer WM kommen die schon Tage vorher, es sind Menschen, die Begeisterung für den Sport mitbringen. Am Schluss werden sie die Veranstaltung speziell machen. Wenn die Hütte voll ist, wird es richtig klasse, und die Athleten werden eine Gänsehaut haben.  

Die Fragen stellte Erhard Goller.

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