Lukas Kling steht seit einer Woche bei den Bundesligaspielen der U 17 der Stuttgarter Kickers an der Seitenlinie. Foto: Holger Zinser/SVK

Lukas Kling vereint Theorie und Praxis. Der Ex-Profi hat unter Thomas Tuchel trainiert, besitzt die A-Lizenz und hat Sportwissenschaften studiert. Welche Erwartungen hat er an sein Amt als U-17-Bundesligatrainer der Stuttgarter Kickers?

Stuttgart - Lukas Kling hat mit 31 Jahren in verschiedenen Bereichen im Fußball schon Erfahrungen gesammelt. Zuletzt war er als spielender Co-Trainer beim SC Geislingen aktiv. Seine neue Tätigkeit als Trainer der U-17-Bundesligamannschaft der Stuttgarter Kickers wird für den ehemaligen Profi eine ganz besondere Herausforderung.

 

Herr Kling, 1:3 gegen den FC Augsburg, 1:6 beim FC Bayern München – Ihr Einstand hätte besser verlaufen können.

Klar, wenn es nach den nackten Ergebnissen geht, kann ich nicht zufrieden sein. Aber zum einen ging es gegen starke Gegner, die in der Liga vorne dabei sein werden, zum anderen kam ich praktisch direkt vor dem Augsburg-Spiel am vergangenen Mittwoch in mein neues Amt, ich konnte also noch nicht groß mit der Mannschaft arbeiten.

Wie überrascht waren Sie, vom Angebot die U 17 übernehmen zu können?

Sehr überrascht. Nach meinem Weggang als Spieler von den Kickers im vergangenen Sommer hatten wir schon vereinbart, dass mir die Türen als Nachwuchstrainer bei den Blauen offen stehen, aber dass es so schnell ging, war nicht zu erwarten.

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Zumal Sie ja beim Landesligisten SC Geislingen unter Ex-Kickers-Trainer Tobias Flitsch als spielender Co-Trainer voll gefordert sind.

Ja, er war natürlich nicht begeistert, der Verein hat Ziele und will in die Verbandsliga aufsteigen. Andererseits haben beim Sportclub auch alle Verständnis dafür, dass die Tätigkeit bei den Kickers eine große Chance für mich ist. Schließlich ist es keine Selbstverständlichkeit, wenn man in seiner ersten Station gleich die Verantwortung für eine U-17-Bundesligamannschaft übertragen bekommt.

Wie sind Sie mit dem SC Geislingen verblieben?

Ich bin nicht mehr Co-Trainer, mein Spielerpass bleibt im Eybacher Tal. Wenn mal eine Notsituation eintreten sollte, könnte ich einspringen. Aber es war schon klar, dass beides – Geislingen und Kickers – aus zeitlichen Gründen nicht funktioniert. Ich bin Tobi Flitsch und allen beim SC für das Entgegenkommen jedenfalls sehr dankbar.

Voraussetzung für das Traineramt in der U-17-Bundesliga ist die A-Lizenz. Wann haben Sie diese erworben, und welche Jugendteams haben sie schon trainiert?

Schon vor fünf Jahren habe ich die A-Lizenz erworben. Vorher habe ich in jüngeren Jahren die U11 des SV Wörnitzstein und die C-Jugend des FV Illertissen trainiert.

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Durch ihr Studium haben Sie sich auch weitergebildet?

Ich habe mein Studium Sport und angewandte Trainingswissenschaft abgeschlossen, meine Masterarbeit hatte den Bereich Leistungssport zum Inhalt.

In der Praxis haben Sie bestimmt einiges von Ihren ehemaligen Trainer mitgenommen. Wer hat Sie am meisten geprägt?

Der bekannteste Trainer, den ich hatte, war Thomas Tuchel, unter dem ich in der A-Jugend beim FC Augsburg gespielt habe. Er war damals schon unglaublich akribisch und hat auf jedes Detail geachtet. Auch taktisch hat er ungemein viel vermittelt und eingefordert. Das war schon sehr einprägsam.

Und sonst?

Viel gelernt habe ich auch beim FV Illertissen von Holger Bachthaler (Anm.d.Red.: zuletzt SSV Ulm 1846) und vor allem von Ilija Aracic (Anm.d.Red.: früher auch VfB U19), speziell in Sachen Menschenführung. Manfred Paula beim TSV Aindling und die Torwart-Legende Rene Müller beim 1. FC Nürnberg haben mich ebenfalls geprägt.

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Wie schwer wird der Klassenverbleib mit der U17?

Sehr schwer, wenn von 21 Teams sieben absteigen, kann man sich das vorstellen. Doch wir haben sehr gute Jungs, mit denen zu arbeiten, meinem Assistenten Marcel Brandstetter und mir großen Spaß macht.

Einer davon ist Karlo Kuranyi. Hat er das Talent vom Papa?

Er hat zumindest eine ähnliche Statur und ist auch Stürmer (lacht). Ich habe ihn jetzt gerade mal eine halbe Woche gesehen, mit einem Urteil bin ich noch vorsichtig. Man tut dem Jungen ja keinen Gefallen, wenn man ihm mit dem prominenten Papa vergleicht. Ich freue mich jedenfalls ihn und die komplette Mannschaft nun richtig kennenzulernen.

Wie geht’s weiter?

Wir spielen an diesem Mittwoch um 18.30 Uhr in der zweiten WFV-Pokal-Pokalrunde beim FV Löchgau, dann geht es in der Bundesliga erst wieder am 31. Oktober um 13 Uhr gegen den SC Freiburg weiter.