Bei Münster arbeiten Mineure jetzt an einem Tunnel, mit dem die Stadtbahnlinie U 12 verlängert wird. Von Herbst 2016 an sollen durch die Röhren Bahnen auf dem Weg zwischen Dürrlewang und Remseck fahren.
Bei Münster arbeiten Mineure jetzt an einem Tunnel, mit dem die Stadtbahnlinie U 12 verlängert wird. Von Herbst 2016 an sollen durch die Röhren Bahnen auf dem Weg zwischen Dürrlewang und Remseck fahren.
Stuttgart - Ein „bisschen mulmig“ war Waltraud Ulshöfer schon zumute gewesen. Dann aber brachte die Tunnelpatin den mächtigen Arm des Baggers doch in Bewegung. Mit ein paar Griffen im Führerhäuschen schaffte es die Ehefrau von OB Fritz Kuhn (Grüne), die zwei Zähne des Bagger-Greifarms richtig anzusetzen und ein paar Gesteinsbrocken aus der Wand zu brechen. Die Kapelle des Musikvereins Münster setzte ein, und mehrere Hundert Schaulustige applaudierten dem geglückten Tunnelanschlag im U-12-Baufeld am Lechweg.
Es war am Samstagnachmittag der offizielle Baustart für den rund 200 Meter langen bergmännischen Tunnelabschnitt der 1,1 Kilometer umfassenden Neubaustrecke zwischen Hallschlag und Aubrücke. „Wir schaffen hier eine starke innerstädtische Querverbindung“, sagte Reinhold Bauer vom Vorstand der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) über den Ausbau der Linie U 12. Von Herbst 2016 an sollen 80 Meter lange Straßenbahnen auf direktem Weg von Dürrlewang über Degerloch, Hauptbahnhof und Europaviertel bis zum Hallschlag und von dort weiter bis nach Remseck rollen – und umgekehrt. Von vier Bauabschnitten für die U 12 ist das Teilstück Löwentor–Hallschlag seit September 2013 in Betrieb, die anderen Abschnitte sind in Arbeit.
Bauer lobte die seit 50 Jahren währende gute Kooperation mit der Stadt, besonders dem Tiefbauamt. Auch bei diesem Großprojekt ziehe man wieder am gleichen Strang. Was von Fritz Kuhn bestätigt wurde. „Die U 12 ist ein ganz wichtiger Baustein für einen attraktiven Nahverkehr“, sagte der OB. Bei der notwendigen Reduzierung des Autoverkehrs im überlasteten Talkessel spiele der systematische Ausbau des öffentlichen Schienennahverkehrs eine bedeutende Rolle zum Erhalt der Mobilität. Das Stadtoberhaupt verteidigte die Investitionen in die U 12: „Eine bessere Verwendung von Steuergeldern kann es gar nicht geben.“ Kosten zwischen 60 und 80 Millionen Euro fallen an, wovon Bund und Land zusammen 70 bis 80 Prozent tragen, den Rest die Stadt.
Für den nach seiner Patin benannten „Waltraud-Tunnel“ werden die am Bau beteiligten drei Fachfirmen das Ulmenstollenverfahren anwenden. „Wir haben hier einen schwierigen Untergrund zu bearbeiten, viel lockere Geologie“, begründete der Firmenvertreter Manfred Kicherer die Wahl der aufwendigen Vortriebsart.
Das Verfahren ist in Stuttgart bereits bekannt. Es wurde vor über 40 Jahren in der Innenstadt beim Bau des unterirdischen Gleisdreiecks Torstraße ebenso angewendet wie beim Streckenabzweig vom Tunnel Neue Weinsteige in den Tunnel zur Waldau. Etwa zwei Meter pro Tag werde man vorankommen. Die Experten erwarten den Tunneldurchschlag am Lechweg für Ende 2014.
Für die „gefahrvolle Bauaufgabe“, sagte Kicherer, seien geistlicher Beistand und die heilige Barbara als Schutzheilige der Mineure unentbehrlich. Die Kirchenvertreter Sibylle Duvill und Wilfried Döneke segneten das Tunnelprojekt. „Es ist auch ein Bauwerk des Glaubens – des Glaubens an zeit- und kostengerechtes Bauen“, meinte Döneke. Tunnelpatin Waltraud Ulshöfer („ich bin sozusagen die irdische Vertreterin der heiligen Barbara“) hoffte, dass es klappt wie früher: „In 50 Jahren Tunnelbau in Stuttgart ist bis auf einen gequetschten Finger noch nie etwas Ernsthaftes passiert.“ So soll es bleiben.