Timo Finkbeiner wird bei der Registrierungsaktion von den drei Helferinnen im Landratsamt Daniela Pfau, Silke Finkbeiner und Stefanie Hölzlberger (von links) in Empfang genommen und eingewiesen. Foto: Monika Schwarz

Weil eine Mitarbeiterin des Landratsamts in Freudenstadt mit einer Leukämiediagnose konfrontiert wurde, haben ihre Kollegen eine DKMS-Registrierungsaktion organisiert.

Gespürt hatte es Angelika, deren voller Name hier nicht genannt werden soll, schon länger, dass irgendetwas nicht stimmt. Die Blutuntersuchung beim Arzt brachte schließlich Gewissheit. „Akute myeloische Leukämie“ lautete die Diagnose, die ihr Leben von heute auf morgen total verändert hat.

 

Ein Schock war das nicht nur für sie selbst, sondern auch für die vier erwachsenen Kinder und die Kollegen im Landratsamt, mit denen sie bis dato teilweise über Jahrzehnte zusammengearbeitet hatte. „Können wir dir irgendetwas Gutes tun?“, lautete deshalb die ihr oft gestellte Frage in dieser Situation. Lange überlegen musste Angelika nicht. „Wenn ihr mir wirklich etwas Gutes tun wollt, dann organisiert eine DKMS-Registrierungsaktion“, lautete ihre Antwort.

Über die Amtsleitungen und die Dezernentenrunde landete das Anliegen bei der Hausspitze und wurde befürwortet. In Kooperation mit der DKMS wurde der Termin für die Registrierungsaktion vorbereitet.

Überraschender Volltreffer

Für Angelika selbst gab es während der Vorbereitungszeit einen Volltreffer. Der passende Spender wurde in der Datenbank gefunden. Nach ihrer Chemotherapie wartet sie deshalb aktuell auf den Termin zur Übertragung der Stammzellen.

„Aufgeben war für unsere Mutter noch nie eine Option. Sie ist deshalb die ganze Zeit humorvoll und positiv geblieben“, erzählt die Tochter, die gemeinsam mit ihren drei Geschwistern trotzdem zur Registrierungsaktion gekommen war, um den Spendern und dem Landratsamt auch zu danken. Für sie alle hatten die Geschwister Obst, Brezeln und Kuchen mitgebracht. Ihnen wie auch der Mutter war wichtig, das Projekt trotzdem durchzuziehen, um anderen zu helfen.

Elisabeth Hardtke, die sich als 50. Person an diesem Tag registrieren ließ, mit Stäbchen im Mund Foto: Monika Schwarz

Schon vor dem offiziellen Start stand die erste Mitarbeiterin des Landratsamts vor der Tür, um sich registrieren zu lassen. Weitere Mitarbeiter des Landratsamts, der Kreissparkasse und der Stadtverwaltung, aber auch Bekannte der Familie und einige weitere „Helfer“ schauten im Laufe des Tages vorbei. Rund 60 Personen waren es am Ende, weggeschickt wurde – aus gesundheitlichen Gründen – nur ein Einziger.

Wer sich nicht registrieren lassen, aber trotzdem helfen wollte, der konnte vor Ort über einen QR-Code auch Geld spenden. Jede Registrierung kostet die DKMS nämlich 50 Euro. Registrierungswillige Personen wurden angeleitet und registriert. Sie konnten ihre Gewebemerkmale über einen simplen Wangenabstrich hinterlassen. Für eventuelle Rückfragen standen Daniela Pfau, Silke Finkbeiner und Stefanie Hölzberger vom Landratsamt jederzeit bereit.

Nicht lange gezögert

Die exakt 50. Spenderin an diesem Tag war beispielsweise Elisabeth Hardtke (39), die Leiterin des Stadtarchivs. „Wenn man die Chance hat, ein Leben zu retten, dann sollte man das auch tun“, sagt sie und erzählt, dass ihr Ehemann schon vor Jahren für eine Lehrerin Stammzellen gespendet hatte. Wichtig sei, der DKMS stets die aktuellen Kontaktdaten mitzuteilen, um im Bedarfsfall auch gefunden zu werden.

Auch Luca (17) hat nicht lange gezögert, als er über seine Mutter von der Aktion erfahren hat. Obwohl er zeitlich zwischen Feierabend und Folgetermin ziemlich unter Druck stand, ist er kurz vor Schluss noch schnell vorbeigekommen, um zu helfen. Ebenso Timo Finkbeiner (47), der von seiner Frau, eine Bekannte der betroffenen Familie, geschickt wurde. Es war auch für ihn eine Selbstverständlichkeit.

„Wenn man selbst in der Situation wäre, dann würde man sich auch wünschen, dass andere helfen“, sagt Angelikas Sohn. Er selbst hatte sich schon 2014 registriert und als Organspender ausgewiesen.

12,5 Millionen registriert

Die DKMS
Alle zwölf Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Mit Hilfe von Stammzellen erhalten Blutkrebspatienten eine echte Heilungschance. Jeder Gesunde zwischen 17 und 55 Jahren kann sich als Stammzellenspender kostenlos und einfach registrieren lassen. Die Daten werden von der DKMS gesammelt. Die DKMS wurde am 28. Mai 1991 aus einer privaten Initiative heraus als Deutsche Knochenmarkspenderdatei gegründet. Inzwischen sind mehr als 12,5 Millionen potenzielle Spender registriert.

Spenden
Weitere Informationen, auch zu Geldspenden, gibt es unter www.dkms.de.