Wer nicht zur Typisierungsaktion am 27. November auf dem Sportgelände Am Köpfle in Althengstett kommen kann, hat alternativ die Möglichkeit, sich ein Registrierungsset von der DKMS zuschicken zu lassen. Foto: © Valéry Kloubert für DKMS

In den Dienst der guten Sachen stellen sich die Fußballer des Sportvereins Althengstett (SVA) am 27. November: Mit einer Typisierungsaktion wollen sie helfen, möglichst vielen Menschen eine zweite Lebenschance zu geben.

Althengstett - "Das Thema Blutkrebs ist allgegenwärtig und beschäftigt auch uns als Verein immer wieder", sagt SVA-Mitglied Jonas Widmayer. Er weiß, wovon er spricht. Der 24-Jährige hat selbst schon Stammzellen gespendet und damit einem Kanadier weitere Lebensjahre geschenkt. "Für mich ist es immer noch unglaublich, einem Menschen durch die Spende geholfen zu haben. Der Empfänger meiner Stammzellen ist inzwischen wieder gesund und ich bin regelmäßig im Kontakt mit ihm. Nächstes Jahr möchte ich ihn in Kanada besuchen!", heißt es in einem Instagram-Post.

"Auch auf dem Platz kann man nur gemeinsam siegen"

"Wir selbst hatten in unseren Reihen schon einen Stammzellempfänger sowie auch -spender und wollen weiterhin unseren Beitrag leisten, um gegen den Blutkrebs anzukämpfen", äußert sich der Althengstetter weiter, der die Aktion in den Reihen des SVA angestoßen hat. Es sei wie auf dem Fußballplatz, wo man auch nur gemeinsam siegen könne, sagt Widmayer.

Spende verläuft völlig problemlos

Widmayers Fußballkamerad Loris Sailer (23), Spieler der 1. Mannschaft, der dieses Jahr Stammzellen gespendet hat, sagt: "Nachdem der Anruf der DKMS kam, habe ich mich sehr schnell für eine Spende entschieden, da ich womöglich einem Menschen das Leben retten kann. Die Spende verlief problemlos und ich würde es jederzeit wieder tun".

"Durch eine Aktion der Berufsschule habe ich mich bei der DKMS registrieren lassen. Als ich dann den Anruf erhielt, wurde mir erst so richtig klar, dass ich einem Menschen helfen kann. Jetzt bin ich froh, dass ich mich für die Registrierung entschieden habe", schildert Dardan Arifi, der in der 2. Mannschaft spielt, was in ihm vorging, als er 2019 spendete.

Erkrankter Fußballkamerad steht heute wieder voll im Leben

Ohne diese Bereitschaft der drei Spender und zahlloser weiterer Menschen wäre womöglich Christian Hess, ebenfalls SVA-Kicker, nicht mehr am Leben. "Diagnostiziert wurde die Krankheit bei mir am 9. August 2013", berichtet er. Er sei extrem müde und antriebslos gewesen – "und das vor allem beim Fußball". Schließlich habe er sich untersuchen lassen. Die niederschmetternde Diagnose: Blutkrebs. "Die Behandlung beinhaltete eine Chemotherapie sowie Schädel- und Ganzkörperbestrahlung. Am 23. Dezember 2013 habe ich dann nach Beendigung der Hochdosis-Chemo die Stammzellen erhalten", schildert der Althengstetter den weiteren Verlauf. Danach habe er sehr starke Probleme gehabt, sein Körpergewicht zu halten und verweist auf ein Minimalgewicht von circa 65 Kilogramm. Doch Hess hat es dank seines Stammzellspenders geschafft: "Mittlerweile spiele ich wieder Fußball, wobei ich ehrlich sagen muss, dass das Ganze mir vor allem bei Sprints) immer noch sehr zu schaffen macht. Beruflich und privat ist aber alles top."

Zwei Wege zur Registrierung

Wer am Sonntag, 27. November, nicht zum Sportgelände Am Köpfle in Althengstett kommen kann, hat alternativ die Möglichkeit, sich ein Registrierungsset von der DKMS zuschicken zu lassen, mit dem getestet werden kann, ob der Absender als potenzieller Stammzellenspender infrage kommt. Für eine Stammzellentransplantation müssen die Gewebemerkmale zwischen Spender und Patient nahezu vollständig übereinstimmen. Spender und Empfänger sind also so etwas wie genetische Zwillinge. Nähere Informationen dazu finden sich im Internet unter www.dkms.de/svalthengstett.

Info: Geschichte der DKMS

Die DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) hat sich als internationale gemeinnützige Organisation dem Kampf gegen Blutkrebs verschrieben. Sie wurde 1991 in Deutschland von Peter Harf gegründet und verfolgt seitdem mit heute mehr als 1000 Mitarbeitern das Ziel, möglichst vielen Menschen eine zweite Lebenschance zu geben. Dies ist bis heute mit mehr als 11,5 Millionen registrierten Lebensspendern durch die Vermittlung von Stammzellspenden bereits 100 000 Mal gelungen. Neben Deutschland ist die DKMS auch in den USA, Polen, UK, Chile und Südafrika aktiv.

Die Geschichte der DKMS beginnt 1990 mit einem Familienschicksal und dem Kampf um das Leben eines geliebten Menschen. Für Mechtild Harf war damals eine Knochenmarktransplantation die einzige Chance, ihre Leukämie zu besiegen. Doch damals gab es in Deutschland gerade einmal 3000 registrierte potenzielle Stammzellspender. Angesichts dieser großen Herausforderung, für seine Ehefrau einen "genetischen Zwilling" zu finden, ergriff ihr Ehemann Peter die Initiative: Er beschloss, seinen Unternehmergeist dem großen Ziel zu widmen, die Überlebenschancen seiner Frau und anderer Betroffener zu verbessern. Das bedeutete zunächst, die Zahl der potenziellen Stammzellspender deutlich zu erhöhen.

Am 28. Mai 1991 gründete er gemeinsam mit Mechtilds behandelndem Arzt Gerhard Ehninger die DKMS. Bereits im ersten Jahr stieg die Zahl verfügbarer Spender in Deutschland von 3000 auf 68 000. Doch trotz aller Anstrengungen überlebte Mechtild ihre Krankheit nicht. Aber sie nahm ihrem Ehemann das Versprechen ab, weiter zu kämpfen. So lange, bis jeder Patient einen passenden Spender bekäme. Diesem Versprechen ist Peter Harf zusammen mit seiner Tochter Katharina treu geblieben: Bereits 1995 war die DKMS die weltweit größte Stammzellspenderdatei. Bisher konnten mehr als 100 000 Stammzellspenden für Menschen in 57 Ländern vermittelt werden (Quelle: DKMS).