Das Württemberg-Duo startet am Sonntag in die neue Saison der Handball-Bundesliga. Wir nehmen den TVB Stuttgart und Frisch Auf Göppingen unter die Lupe und geben eine Prognose ab.
Durch den Abstieg der SG BBM Bietigheim ist Handball-Württemberg in der neuen Bundesligasaison nur noch mit zwei Teams vertreten. Wo liegen die Stärken und Schwächen des TVB Stuttgart und von Frisch Auf Göppingen? Wo landen die beiden Clubs?
TVB Stuttgart
TVB Stuttgart
Team Was war das für eine Zittersaison 2024/25? Jürgen Schweikardt drückt es vor dem Start am Sonntag (16.30 Uhr/Porsche-Arena) gegen den HSV Hamburg so aus: „Das Extremste, was ich meiner Sportkarriere erlebt habe. Das war der absolute Anschlag, das absolute Maximum an Belastung.“ Nach dem Happy End ist der 45-Jährige heilfroh, dass er sich jetzt wieder ausschließlich auf seine Rolle als Geschäftsführer konzentrieren kann. Gemeinsam mit seinem Trainer-Nachfolger Misha Kaufmann hat er im Team einen großen Umbruch vollzogen. Zehn Spieler haben den TVB verlassen, sieben neue Profis kamen. Darunter Torwart-Routinier Daniel Rebmann (31/SG BBM Bietigheim), Abwehrspezialist und Champions-League-Sieger Antonio Serradilla (26/SC Magdeburg) sowie als Schlüsselspieler für den Angriff Simone Mengon (25).
Der italienische Nationalspieler harmonierte in der Vorbereitung im Rückraum bestens mit den Häfner-Brüdern Max und Kai und kennt das Konzept Kaufmann aus gemeinsamen Zeiten beim ThSV Eisenach. Das gilt auch für Linksaußen Ivan Snajder (28). Komplett neu besetzt ist die Rechtsaußen-Position mit Kasper Lien (24/Elverum HH/Norwegen) und Jakob Nigg (22/HV Fivers Margareten/Österreich). Siebter Neuer ist Keeper Jorick Pol (25/JD Techniek Hurry-Up/Niederlande), der ein Doppelspielrecht für Drittligist TSV Neuhausen/Filder besitzt.
Trainer Es gibt keinen im Umfeld des TVB, der etwas anderes behauptet: Die größten Hoffnungen im elften Bundesligajahr liegen auf dem Chefcoach. Misha Kaufmann steht für die Aufbruchstimmung. Mit seiner Kreativität und seinen innovativen Ideen hat der 41-Jährige den ThSV Eisenach 2023 in die Bundesliga geführt und zweimal souverän den Klassenverbleib geschafft – mit vergleichsweise bescheidenden finanziellen Mitteln. Die Spielweise mit vier Rückraumspielern ist längst nicht mehr ein Taktik-Kniff, sondern wird das bevorzugte System sein. Deshalb fiel es dem TVB auch viel leichter, Kreisläufer Lukas Laube zum THW Kiel ziehen zu lassen. Kaufmann kommt bei der Mannschaft bisher sehr gut an. Abzuwarten bleibt, wie sich die spezielle Art des Schweizers bei Misserfolgen aufs Team auswirkt.
Saisonziel 15, 14, 14, 15, 12, 14, 15, 15, 11, 16 – so lauteten die Platzierungen in den vergangenen zehn Bundesligajahren in der Abschlusstabelle. Nun soll sich die gute Arbeit auf vielen Ebenen endlich auch aufs Sportliche positiv auswirken und der Sprung unter die Top Ten gelingen. Wobei Kaufmann stets betont: „Hier in Stuttgart ist noch viel mehr möglich, als ein einstelliger Tabellenplatz. Ich möchte für das Unmögliche arbeiten. Dafür stehe ich jeden Morgen auf.“
Prognose Das Spielsystem ist flexibler geworden und nicht mehr so sehr auf Kai Häfner zugeschnitten. Die Abwehr hat mit Rückkehrer Jonas Truchanovicius und Serradilla mehr Stabilität. Der TVB wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen. Bleibt das Team von Verletzungen von Schlüsselspielern verschont und gelingt der Start, wird der TVB zwischen Platz zehn und zwölf landen.
Frisch Auf Göppingen
Frisch Auf Göppingen
Team Den großen Umbruch hatte es bereits vor der vergangenen Saison gegeben. In seinem zweiten Jahr muss Ben Matschke nur zwei neue Spieler integrieren. Den erfahrenen norwegischen Nationaltorwart Kristian Saeveras (29/SC DHfK Leipzig) und Rückraumspieler Martin Hanne. Der 24-jährige Zugang von der TSV Hannover-Burgdorf war bei der EM 2024 der Überraschungs-Mann im deutschen Nationalteam (neun A-Länderspiele), stagnierte danach aber in seiner Entwicklung. Als Nachfolger des kroatischen Nationalspielers Josip Sarac (27/zu Tatabanya KC/Ungarn) will er in Göppingen an alte Stärken anknüpfen.
Sehr gut aufgestellt ist Frisch Auf auf der Spielmacher-Position. Junioren-Nationalspieler Elias Newel (21), mit dem bis 2029 verlängert wurde, vertrat ab April Stamm-Regisseur Ludvig Hallbäck (24) nach dessen Ellbogenverletzung sehr gut und spielte auch eine bärenstarke Vorbereitung. Nun ist Hallbäck wieder fit, beide können sich abwechseln oder auch gemeinsam im Angriff wirbeln, zumal auch Matschke die Variante mit vier Rückraumspielern im Repertoire hat.
Trainer Schon bisher ging kein Transfer ohne das Okay von Ben Matschke über die Bühne. Nun hat der 43-Jährige als Chefcoach und Sportlicher Leiter in Personalunion auch formal die Machtfülle. Das Vertrauen in seine Arbeit dokumentiert auch die Vertragsverlängerung bis mindestens 2028. Sein Vorgänger Christian Schöne bleibt aber im Management, so dass sich eigentlich nur auf dem Papier etwas ändert. Positive, durchaus auch nötige, frische Impulse für den Verein könnten von zwei Ex-Kapitänen kommen, die auch bei den Fans ein hohes Standing genießen: Manuel Späth (39) fungiert neuerdings als Markenbotschafter, Matthias Dudium (55) verstärkt den Aufsichtsrat.
Saisonziel Die Weiterentwicklung der Mannschaft wurde als Ziel genannt, keine Platzierung. Mehr Punkte (24:44/Platz 12) sollen es werden als im Vorjahr.
Prognose In der Vorbereitung griff ein Rädchen ins andere. Was die Eingespieltheit unter Druck wert ist, zeigt sich gleich am ersten Spieltag, wenn Frisch Auf bei Aufsteiger GWD Minden (Sonntag, 16.30 Uhr) als Favorit ins Spiel geht. Kommt das Team gut aus den Startlöchern und Vorjahres-Senkrechtstarter Hallbäck nach seiner Verletzung wieder in Schwung, wird sich Frisch Auf – wie der TVB Stuttgart (beide haben einen Etat von rund 6,5 Millionen Euro) – von den Abstiegsplätzen fernhalten und sich mit dem Nachbarn ein spannendes Rennen um Platz zehn liefern. Unter einer Voraussetzung: Dem neuen Stammkeeper Saeveras darf nichts passieren, sonst hätte Göppingen ein Riesenproblem.
Saison 2025/26
TVB Stuttgart
TVB – HSV Hamburg (31. August, 16.30 Uhr), SG Flensburg-Handewitt – TVB (4. September, 20 Uhr), TVB – Bergischer HC (6. September, 20 Uhr), SC Magdeburg – TVB (14. September, 16.30 Uhr), TVB – FAG (18. September, 19 Uhr), VfL Gummersbach – TVB (25. September, 19 Uhr), TVB – MT Melsungen (5. Oktober, 18 Uhr), TBV Lemgo Lippe – TVB (12. Oktober, 16.30 Uhr), TVB – Füchse Berlin (19. Oktober, 15 Uhr), HSG Wetzlar – TVB (23. Oktober, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – TVB (26. Oktober, 15 Uhr).
Frisch Auf Göppingen
GWD Minden – FAG (31. August, 16.30 Uhr), FAG – Füchse Berlin (3. September, 19 Uhr), HC Erlangen – FAG (6. September, 19 Uhr), FAG – SC DHfK Leipzig (11. September, 19 Uhr), TVB – FAG (18. September, 19 Uhr), SG Flensburg-Handewitt (28. September, 15 Uhr), FAG – TSV Hannover-Burgdorf (4. Oktober, 19 Uhr), Rhein-Neckar Löwen – FAG (9. Oktober, 19 Uhr), FAG – VfL Gummersbach (12. Oktober, 18 Uhr), FAG – Bergischer HC (17. Oktober, 19 Uhr), HSG Wetzlar – FAG (23. Oktober, 19 Uhr). (jüf)