TVB-Trainer Misha Kaufmann: „Unser Business ist Druck. Ich liebe diesen Druck. Punkt.“ Foto: Baumann/Julia Rahn

Der TVB Stuttgart klettert nach 7:1 Punkten in Serie auf Platz zwölf und fährt mit Mut nach Kiel. Trainer Misha Kaufmann interessiert aber nicht die Tabelle, sondern die Entwicklung.

Es gibt viele Dinge, die einen vor einem Auswärtsspiel beim deutschen Rekordmeister beschäftigen können. Bei Misha Kaufmann, dem Trainer des TVB Stuttgart, ist es unter anderem die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn. Denn die Bundesliga-Handballer reisen zu der Partie an diesem Mittwoch (19 Uhr) im hohen Norden mit dem Zug an. Er habe die wildesten Gerüchte gehört, sagte der 41-Jährige. 25 Minuten Verspätung seien noch pünktlich. „So etwas wäre bei uns Schweizern ein No go, und Ausfälle gibt es bei uns schon gar nicht“, meinte Kaufmann.

 

Er war froh über das Ergebnis nach dem glücklichen 33:32 (14:17) vor 4532 Zuschauern in der Porsche-Arena gegen den SC DHfK Leipzig. Dadurch schraubte der TVB seine Erfolgsserie auf 7:1 Punkte, kletterte auf Platz zwölf und hat damit den Anschluss ans Mittelfeld hergestellt. „Das war wichtig. Unser Team hat bewiesen, dass es dem Druck standhält“, sagte Geschäftsführer Jürgen Schweikardt.

Leipzigs Coach Frank Carstens ist zurück in der Handball-Bundesliga. Foto: IMAGO/24passion

Kaufmann dagegen antwortete, angesprochen auf den bei zuvor 4:18 Punkten naturgemäß vorhandenen Druck, auf seine Art: „Druck machen mehr die Medien. Mich interessiert die Tabelle einen Sch...dreck. Da werde ich meine Meinung nicht ändern, auch wenn wir irgendwann mal auf dem vierten Platz stehen würden.“

Kaufmann geht es um Entwicklung

Ihm gehe es vielmehr darum, seine Spieler mental und spieltaktisch zu unterstützen, besser zu machen. Tag für Tag. Training für Training. „Mir geht es um Entwicklung“, betonte der 45-Jährige und kam noch einmal auf das Thema Druck: „Unser Business ist Druck. Ich liebe diesen Druck. Das gehört dazu. Punkt.“

Dieser spezielle Kick in der stärksten Liga der Welt, war auch der Grund, warum Trainer Frank Carstens sein US-Abenteuer im sonnigen Kalifornien Knall-auf-Fall abbrach und in Leipzig anheuerte, beim in der Liga immer noch sieglosen Schlusslicht (3:27 Punkte). Die Arbeit in Los Angeles sei ein ehrenamtliches Handball-Projekt gewesen, das jetzt eben Handball-Bundesliga. „Ich habe ein halbes Jahr auf dem Sofa gesessen, der schlimmste Moment war, als die Spiele losgingen, da bin ich richtig aggressiv geworden, weil ich nicht dabei war. Das war fürchterlich.“ Jetzt sei er sehr froh, wieder dabei zu sein, „auch wenn wir heute durch die Hölle mussten“.

Um nach vorne zu kommen, wird sich Leipzig verstärken. Heiß im Gespräch ist nach Informationen unserer Redaktion der slowenische Spielmacher Dean Bombac (36/Györi ETO KC). Rund um den TVB kursiert das Gerücht, dass Kreisläufer Gianfranco Pribetic (25/Vertrag läuft am Saisonende aus) möglicherweise schon in der EM-Pause gehen könnte.