Den beiden Lehrern Arndt (Thomas Loibl, links) und Mertens (Florian David Fitz) geht es gerade gar nicht gut. Foto: ARD/Wolfgang Ennenbach

Keine Lust mehr auf ewig Fußball im Fernsehen? Zum Auftakt seines „Sommerkinos“ bringt das Erste eine mit lauter deutschen Stars besetzte Komödie auf den Bildschirm: Sönke Wortmanns Lehrerzimmer-Milieustudie „Eingeschlossene Gesellschaft“.

Freitagmittag, ein Gymnasium in Köln: Der Schulhof ist leer, das Lehrerzimmer dünn besetzt. Doch plötzlich klopft es an der Tür und der Vater eines Schülers, Manfred Prohaska (Thorsten Merten), tritt mit einem dringenden Anliegen ein: Sein Sohn würde die Abiturzulassung wegen eines fehlenden Punktes im Fach Latein verfehlen; Lateinlehrer Engelhardt weigere sich aber standhaft, die Punktzahl nach oben anzupassen.

Peinliche Personalakten

Prohaska zieht eine Pistole und erzwingt damit eine Notenkonferenz, in der sich die Lehrer in Parteien aufspalten: hier die pragmatischen Unterstützer für den Schüler, dort die prinzipientreuen Verfechter objektiver Notenlehre. Verschiedene Generationen an Lehrkräften prallen mit ihren Ansichten und Prinzipien aneinander. Und die angespannte Situation droht noch weiter zu eskalieren, als der Vater die Lehrer mit ihren jeweiligen Personalakten konfrontiert, die alles andere als die moralische Integrität des Lehrkörpers belegen.

Ein Staraufgebot erster Klasse

Der Regisseur Sönke Wortmann inszeniert mit „Eingeschlossene Gesellschaft“ eine Komödie, die auf einem Hörspiel von Jan Weiler Hörspiel basiert. Der Film bietet eine Art Charakterstudie eines vielschichtigen Kollegiums in klaustrophobischer Lage. Das Ensemble, bestehend aus bekannten deutschen Schauspielern wie Florian David Fitz, Anke Engelke, Nilam Farooq und Justus von Dohnányi, glänzt durch scharfzüngige Dialoge beim Mehrfrontenkrieg.

Frischer Wind oder olle Kamellen?

Da ist zum Beispiel Justus von Dohnányi als zynischer Lateinlehrer Engelhardt, dessen herablassende Art die meisten abschreckt. Ähnlich erzkonservativ und spießig zeigt sich Anke Engelke als verbitterte Französischlehrerin Lohmann, die einem schon wieder überheblichen Bildungsidealismus anhängt. Florian David Fitz als lässig-lockerer Sportlehrer Mertens ist der Kumpeltyp, der sich als Denunziant entpuppt, und Nilam Farooq spielt die Referendarin Sarah Schuster, die frischen Wind in das verstaubte Kollegium bringen möchte. Abgerundet wird die Riege durch Torben Kessler als Außenseiter und Tomas Loibl als Vertrauenslehrer, der sich opportunistisch auf die Schülerseite schlägt.

Die Genderdebatte wirkt überholt

Die Dialoge sind voll von geschliffener Bosheit und situativer Komik. Doch trotz der satirischen Übertreibungen entwickelt sich beim Zuschauer ein Gefühl der Nostalgie für ein Lehrerbild, das inzwischen doch auch überholt ist. Auch die Genderdebatten im Film wirken inzwischen leicht aus der Zeit gefallen. Besonders die finale Eskalation lässt die anfangs anarchische Energie der Geschichte verpuffen.

Tolles Ensemble

Insgesamt jedoch überzeugt „Eingeschlossene Gesellschaft“ durch eine unterhaltsame Mischung aus Kammerspiel und Ensemblekomödie, in der die Schauspielstars brillieren. Während der Film als Kommentar zum modernen Schulwesen und seinen Herausforderungen heute etwas veraltet wirkt, bietet er jede Menge bissiger Einblicke in menschliche Macken und Egoismen.

ARD, Montag, 20.15 Uhr. Die weiteren Sommerkino-Filme und Termine unter www.degeto.de/film/ard-sommerkino-2024

TV-Ausstrahlung

Termin
„Eingeschlossene Gesellschaft“ bildet den Auftakt zum ARD Sommerkino. Er wird am 8. Juli 2024 um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt und ist danach auch in der ARD Mediathek zu sehen.