Gewohntes Bild: die MTV-Turnerinnen als deutsche Meisterinnen (hier 2019) Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Der MTV Stuttgart hat lange überlegt, ob er weiter Turnerinnen in der Bundesliga an den Start schicken soll. Nun ist eine Entscheidung gefallen.

Am Donnerstag hat in der Stuttgarter Porsche-Arena der DTB-Pokal begonnen. Rund einen Monat später steht zumindest national ein weiteres wichtiges Turn-Event auf dem Programm: Der erste Wettkampftag der Bundesliga der Frauen. Ob mit oder ohne eine Riege des MTV Stuttgart? Darüber wurde am Kräherwald lange diskutiert.

 

„Nach den Herausforderungen der vergangenen Monate haben wir uns intensiv mit der Zukunft unseres Bundesligateams beschäftigt“, sagt Nico Helwerth, der Präsident des MTV – der mit seinen Mitstreitern nun eine Entscheidung getroffen hat. Er ergänzt: „Wir möchten unseren Athletinnen daher auch weiterhin die Möglichkeit geben, sich auf höchstem Niveau zu präsentieren.“ Bedeutet: Der nach dem VfB größte Stuttgarter Sportverein schickt seine Turnerinnen nach wie vor in der Bundesliga an die Geräte.

Zweifel daran waren beim Serienmeister (seit 2012) aufgekommen, nachdem seit Dezember 2024 immer mehr Turnerinnen mit einer Vergangenheit in Stuttgart die Umstände ihres Trainingsumfelds am Kunstturnforum (KTF) angeprangert hatten. Es folgten zahlreiche Debatten, zwei Suspendierungen und die Suche nach einer nachhaltigen Änderung im Turnsystem. Erste Schritte sieht man beim MTV gegeben.

Die „Entwicklungen“ beim Schwäbischen Turnerbund (STB) würden „in die richtige Richtung“ gehen, sagt Nico Helwerth, der aber auch ankündigte, weiter genau hinschauen zu wollen: „Wir werden diesen Prozess weiterhin genauestens evaluieren, um sicherzustellen, dass die angekündigten Veränderungen eintreten.“

MTV will für „Null-Toleranz-Politik“ stehen

Der Verein selbst, so heißt es in einer Mitteilung, „nimmt seine Verantwortung für das Wohl der Turnerinnen sehr ernst und setzt verstärkt auf Maßnahmen, die ihre physische und psychische Gesundheit schützen“. Das bereits bestehende Schutzkonzept werde weiterentwickelt. Der MTV stehe „für eine Null-Toleranz-Politik in Bezug auf unangemessenes Verhalten und schafft ein Umfeld, in dem sich die Sportlerinnen sicher und respektiert fühlen“.

Betreut werden die Turnerinnen bei den Wettkämpfen von den Landestrainerinnen Marta Boldori sowie Elena Dolgopolova. Das Duo hatte zuletzt auch geholfen, den durch die Suspendierungen entstandenen Engpass am KTF einigermaßen auszumerzen. Die vom STB freigestellte Trainerin und der freigestellte Trainer waren einst auch für den MTV bei Bundesligatagen im Einsatz gewesen.

Zum Team der Turnerinnen gehören unter anderem Maha Feniuk, Mia Frick, Marlene Gotthardt, Helen Kevric, Madita Mayr, Michaela Mühlhofer, und Elisabeth Seitz. Wobei Letztere derzeit wegen einer Schulterverletzung passen muss und auch die Heim-EM Ende Mai verpassen wird.