Chaos vor dem Endspiel der Copa America zwischen Argentinien und Kolumbien. Foto: dpa/Lynne Sladky

Nach der Euro, ist vor der WM. Und die findet in zwei Jahren in den USA, Mexiko und Kanada statt. Doch bei der jetzt zu Ende gegangenen Amerika-Meisterschaft Copa America zeigten sich nicht nur beim Finale gravierende Mängel.

Eigentlich war alles angerichtet für eine historische Fußballnacht: Doch was sich vor dem Finale der Amerika-Meisterschaft Copa America dieser Tage in Miami abspielte, dürfte nicht nur den FIFA-Verantwortlichen zwei Jahre vor der WM in den USA die Sorgenfalten auf die Stirn treiben.

 

Sportlich und organisatorisch zeigte sich der Gastgeber zweitklassig. Halbleere Stadien bei den Spielen der US-amerikanischen Nationalmannschaft, die daraufhin eine neue Marketingleiterin einstellten. Für Ex-Bundesligaprofi Greg Berhalter endete der Traum von der WM im eigenen Land auf der Trainerbank vorzeitig: Weil die USA nicht mal Panama in Schach halten konnten, flog der Gastgeber schon nach der Vorrunde raus und der Trainer gleich mit.

Gravierende Sicherheitsmängel

Noch gravierender aber sind die Sicherheitsmängel: Die Schlägerei von Spielern mit Zuschauern nach dem Halbfinale gegen Uruguay und Kolumbien auf der Tribüne hat offenbart, dass während der Copa kaum Sicherheitspersonal bereitstand. Zwei Polizisten versuchten die wütenden Streithähne zu trennen, standen aber auf verlorenem Posten.

Zu den Prügelknaben gehörte Liverpool-Star Darwin Nunez und einige kolumbianische Zuschauer, die laut uruguayischen Angaben die Familien der Spieler bedroht haben sollen. Diese Szenen durften noch unter Skurrilitäten abgebucht werden.

Am Finaltag aber schrammte der Gastgeberort Miami nur knapp an einer Katastrophe vorbei – weil tausende Fans zur geplanten Anstoßzeit noch vor den Toren feststeckten. Einige von ihnen offenbar ohne oder mit gefälschten Tickets. Dazwischen Zuschauer mit gültigen Tickets, die aber nicht durchkamen.

In TV-Berichten ist zu sehen wie sie vor dem Gitter stehen und erklären: „Ich habe 2000 Dollar für eine Karte bezahlt und nun lassen sie mich nicht rein“. Das könnte noch juristischen Ärger geben.

Die Polizei verengte daraufhin Zugänge, was zu bedrohlichen und erdrückenden Staus an den Gittern führten, die zu Käfigen wurden. Denn von hinten drückten weitere Zuschauer nach. Kinder schrien oder weinten, andere bekamen einfach keine Luft mehr. Als die Gitter brachen, verloren einige Eltern ihre Kinder aus den Augen und riefen verzweifelt um Hilfe.

Stadionsprecher mit Offenbarungseid

Schließlich verkündete ein Stadionsprecher den Offenbarungseid: Die Verantwortlichen hätten „beschlossen, die Tore des Stadions für eine kurze Zeit für alle Fans zu öffnen, um Massenanstürme und schwere Verletzungen an der Absperrung zu verhindern“. Nun aber strömten die Massen gleichzeitig und auf einmal ins Stadion, auch die, die keine Tickets hatten. Die Folge: In der sich nun rasend schnell füllende Arena wurde jeder Zentimeter Platz belegt, auch die Notausgänge und Treppen. Vereinzelt suchte die Polizei die Ränge ab, doch gegen die Masse an Menschen, die keine Tickets hatten, standen sie auf verlorenem Posten.

Wenn das Sportliche zur Nebensache wird

Unter diesem Eindruck geriet das Sportliche fast schon nur Nebensache: „Dieses Finale hat schon vor dem Anpfiff verloren“, kommentierte die argentinische Zeitung „La Nacion“, nachdem sich der Anstoß über eine Stunde verzögerte. Da konnte auch die Halbzeitshow der Sängerin Shakira nicht mehr viel retten. Schließlich war es Lautaro Martinez (112. Minute), der das Finale wegen der langen Verspätung erst nach Mitternacht mit seinem Treffer für Argentinien entschied. Für Messi und Co. war es der dritte Turniersieg in vier Jahren – die erfolgreichste Epoche der argentinischen Verbandsgeschichte.

Und ein Erfolg, der für ihn wie für seinen kongenialen Mitspieler Angel Di Maria, der an diesem Abend seine Nationalmannschaftskarriere beendete, einen besseren Rahmen verdient gehabt hätte, als überforderte Gastgeber in Miami. Das alles aufzuarbeiten ist nun Aufgabe der Gastgeber, des südamerikanischen Fußball-Verbandes Conmebol und wohl auch der Gerichte. Ein teueres Nachspiel droht.