Die Renovierung der denkmalgeschützten Turn- und Festhalle in Freudenstadt ist nahezu abgeschlossen.
Es sind gute Nachrichten für Schulen, Vereine sowie Freunde der Freudenstädter Bau- und Stadtgeschichte gleichermaßen: Die Sanierung der Turn- und Festhalle ist fast abgeschlossen. Das schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung.
Das denkmalgeschützte Gebäude sieht fast aus wie immer. Wer genauer hinschaut, entdeckt allerdings die Unterschiede. Die Holzfassade hat einen neuen Anstrich bekommen, und auch die Bitumenschindeln vom Dach sind verschwunden. Stattdessen hat die Halle jetzt eine Eindeckung aus Aluminiumblech. „Von einem anderen, schweren Material hat uns der Statiker abgeraten“, so Martin Frey vom Amt für Stadtentwicklung. Er ist für den Bereich Gebäudeunterhalt zuständig und hat die Sanierung federführend betreut.
Dach war undicht
Die Eindeckung ist, wie alle ausgeführten Arbeiten, mit dem Landesamt für Denkmalschutz abgestimmt. Mindestens genauso wichtig wie die Optik der Außenhaut ist auch das, was sich darunter getan hat. Weil das Dach undicht war, lief das Wasser ins Gebäude. Tragende Teile des Dachstuhls, etwa Kehlsparren, faulten. Auch ein Teil der Geschossdecke zur Toilette ging dadurch kaputt. Sie wurden im Zuge der Sanierung ertüchtigt.
„Ein großartiges Ergebnis und eine sehr gute Nachricht für unsere Schulen und Vereine“, so Oberbürgermeister Adrian Sonder bei einer Besichtigung. Denn das Gebäude ist an jedem Wochentag genutzt, vor allem durch den Schulsport. Er sei froh, dass das architektonische Kleinod gerettet ist.
Viel länger hätte die Stadt damit nicht warten dürfen. Jetzt ist die Bausubstanz gesichert. Mehr noch: Bei dieser Gelegenheit wurden die unteren Dachflächen, die Hallendecke und die obere Wand gedämmt. Das Ergebnis kann sich laut Hausmeister Jonas Stürmer sehen lassen: „Die Heizkosten sind nach ersten Erfahrungen um etwa die Hälfte gesunken.“ Von der Pflicht, eine Photovoltaikanlage zu installieren, wurde die Stadt hierbei entbunden. Die alte Dachkonstruktion sollte laut Statiker nicht zusätzlich belastet werden.
210 000 Euro Förderung
700 000 Euro waren für die Sanierung veranschlagt. Laut Thomas Gärtner, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, reicht das Budget aus. 210 000 Euro erhält die Stadt an Zuschüssen aus der Förderung des kommunalen Sportstättenbaus des Kultusministeriums Baden-Württemberg.
Die Bauaufträge wurden von Handwerksbetrieben aus Stadt und Raum Freudenstadt ausgeführt. Außer dem Dach wurde auch die Fassade saniert; kaputte Holzschindeln wurden erneuert, die verbleibenden Teile der historischen Holzfassade sandgestrahlt und frisch gestrichen. Zum Abschluss bekommen die Fenster noch einen neuen Anstrich. Auch der Blitzschutz muss noch installiert werden.
Unter der Holzfassade befindet sich übrigens eine Fachwerkkonstruktion. Die Freudenstädter Halle stammt aus dem Jahr 1870 und gab der Straße ihren Namen: Turnhallestraße. Die Turn- und Festhalle ist laut Denkmalamt die letzte ihrer Art in Baden-Württemberg und wahrscheinlich eine der letzten alten erhaltenen Holzhallen in Deutschland.
Die Geschichte der Turn- und Festhalle
Rückblick
Am 21. August 1865 fand zum ersten Mal ein turnerisches Fest in Freudenstadt statt: das Gauturnfest. Üblich war es zu solchen Festen, einen eigenen, wetterunabhängigen Zweckbau zu errichten: die Turn- und Festhalle. Oft wurden diese Festhallen als schnelles und günstiges Provisorium in leichter Holzbauweise vom städtischen Bauamt geplant und errichtet. Als Turnfestplatz bestimmte man in Freudenstadt das Flurstück in der späteren Turnhallestraße 39. Der Platz lag günstig südöstlich des Idealstadtquadrats und war zentral in Richtung Kienberg gelegen. Zur 300-Jahr-Feier der Stadt Freudenstadt wurde die Halle vergrößert sowie um 1920 und 1951 umgestaltet. Die grundlegende Form blieb aber erhalten. Allerdings hat sich die Außenfassadengestaltung sehr verändert. Noch immer lässt sich aber an der Form der pseudosakrale Charakter des Bauwerks ablesen: die Form einer Basilika mit einer Schaufassade, die als abstrahierte, antikisierende Tempelfront mit Pilastergliederung und Dreiecksgiebel gestaltet ist. Als kultureller und gesellschaftlicher Versammlungsort spielt die Halle seit 1865 eine zentrale Rolle für das Veranstaltungs- und Sportwesen in Freudenstadt. In ihrer Form spiegelt sich das erstarkende Bewusstsein des sich entwickelnden Kurortes wider.