Seit diesem Jahr gibt es Angebote für Kinder im Turm der Burg Hohennagold, den die Vögte zweimal im Monat von April bis Oktober öffnen. Auch für Erwachsene interessant ist, wie das Leben in der Burg damals wirklich ausgesehen haben könnte.
Wie schwer war eine Kanonenkugel? Konnte ein Ritter ohne Hilfe sein Pferd besteigen? Und wie viele Pferde musste er eigentlich besitzen, um überhaupt Ritter sein zu können?Diese und ähnliche Fragen, gilt es beim Kinderquiz der Turmvögte der Burgruine Hohennagold zu beantworten. Die derzeit sieben Vögte wechseln sich bei der Öffnung des Turms – jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat von April bis Oktober – ab. Eigentlich öffnen sie den Turm bei Wind und Wetter – nur bei Gewitter nicht, sagt Turmvogt Martin Kübel. Wenn der Turm offen ist, weht auf ihm die gehisste Fahne des Schwarzwaldvereins.
Neben dem Quiz, das es mit anderen Fragen auch für Erwachsene gibt, bieten die Vögte seit diesem Jahr noch weitere Angebote für Kinder an. So steht in der ersten Etage des Turms eine Spielburg auf einem Tisch. Drumherum steht ein Minikatapult, jede Menge Ritterfiguren, eine Königsfigur und die einer Hofdame.
Die Burg als kleines Dorf
Leider habe es keine Figuren von Töpfern, Köchinnen oder Wasser-Schleppern gegeben, sagt Turmvogt Klaus Jorke. Das verbreitete Bild vom Leben auf Burgen ist einseitig. Jorke kommt ins Erzählen, welche Aufgaben und Berufe dagegen alleine ein betriebener Pferdestall mit sich brachte: Versorgung der Pferde durch Wasser aus dem Brunnen und Futter, eine Schmiede für die Hufeisen und vieles mehr. Vor dem geistigen Auge baut sich schließlich ein ganzes kleines Dorf in und um Mauern auf.
Die Ritterfiguren hat Jorke selbst mit Liebe zum Detail bemalt, Kinder die sich am Quiz versuchen bekommen eine ebenfalls von ihm handbemalte Mini-Ritterfigur geschenkt. Auch Schilder, Schwerte und Helme stehen für die Kinder bereit. Eins der Schilder ist besonders schwer, damit die Kinder sehen, „was die Krieger damals schleppen mussten“, sagt Jorke. Auf einem weiteren Tisch liegen verschiedene Kinderbücher über Burgen, Ritter und das Mittelalter insgesamt.
Anstieg der Besucherzahlen
„Wenn was geboten wird, dann bleibt auch mehr hängen als nur Steine“, sagt Turmvogt Martin Kübel. Gleichzeitig gehe es den Turmvögten vor allem um das Gemäuer. Kübel ist schon 20 Jahre bei den Vögten und hat als Vater von drei Kindern zehn Jahre die Familiengruppe des Schwarzwaldvereins geleitet, unter der die Turmvögte organisiert sind. Die Vögte geben die am Turm gesammelten Spenden an die Familiengruppe weiter, führt Kübel fort.
Über das Jahr kämen im Durchschnitt pro Öffnung des Turms circa 150 Kinder und 400 Erwachsene zu Besuch, sagt er. Für drei Stunden Öffnungszeit zwischen 14 und 17 Uhr ist das eine ganze Menge. Seit der Nagolder Gartenschau 2012 habe die Besucherzahl auf dem Burgturm deutlich zugenommen, sagt Kübel. Insbesondere die Bewirtung auf der Burg, für die verschiedene sich abwechselnde Vereine jeden Samstag und Sonntag sorgen, locke Publikum auf die Burg.
80 Liter Taubenkot
Eine weitere Aufgabe der Vögte sei der Frühjahrsputz nach der Winterpause. Dieses Jahr mussten die Vögte organisieren, dass achtmal zehn Liter Taubenkot aus dem Turm transportiert werden, sagt Jorke. Mittlerweile haben die Vögte ein Netz an der Öffnung des Turms installiert und an den Scharten Gitter, damit die Tauben nicht ins Turminnere können.
Von der Aussicht auf dem Turm ist die Nagold, die den Schlossberg umläuft, ein Highlight, sagt Kübel: „Das sieht man von oben perfekt.“ Ansonsten können Besucher bei guter Sicht bis hin zu Lochen, Lemberg und Hohenzollern schauen. Als ältestes Bauwerk weit und breit zeigt Turmvogt Ferdinand Mayer Besuchern oft die Remigiuskirche, die im achten Jahrhundert entstanden sei.
Turmvögte suchen neue Helfer
Besonders fasziniert Mayer, wie alt die Hohennagold ist. Um 500 vor Christus sei der Schlossberg bereits ein keltischer Fürstensitz gewesen, steht in einem Faltblatt der Stadt Nagold. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts sei die Burg schließlich als hochmittelalterlicher Herrschaftssitz ausgebaut worden.
Aktuell sucht der Verein Zuwachs. Wer Interesse hat, kann sich unter schwarzwaldverein-nagold@t-online.de per Mail melden.