Ernst Gilbert rettet kleine Turmfalken, nachdem sie aus dem Nest gefallen sind. Foto: privat

Seit vier Wochen haben Gilbert und Conny Ernst aus Altenheim Turmfalken als Mitbewohner, samt fünffachem Nachwuchs. Seitdem ist bei Familie Ernst einiges los – drei Jungvögel mussten schon gerettet werden.

Altenheim - Ein dumpfer Schlag ließ Conny und Gilbert Ernst aus Altenheim aufhorchen. "Wir haben gleich gehört, dass ein Turmfalke aus dem Nest gefallen ist", berichtete Conny Ernst. Seit gut vier Wochen nisten beim Ehepaar Ernst in Altenheim die Greifvögel auf einem circa 30 Zentimeter großen Vorsprung vor dem Dachstuhl. Gilbert Ernst, der Jäger ist, habe gleich reagiert und sich um das Turmfalkenjunge gekümmert. "Ich dachte, einen Sturz aus dieser Höhe überleben die Jungvögel nicht", sagt Conny Ernst gegenüber der Lahrer Zeitung. Der Jungvogel blieb glücklicherweise unverletzt. "Bei einem Sturz spreizen sie die Flügel wie Fallschirmspringer", erklärte Gilbert Ernst. Den verängstigten Jungvogel habe er dann zu den Ichenheimer Tierrettern gebracht. Denn das Nest sei schlicht und einfach zu klein für fünf Turmfalken. Insgesamt drei Vögel sind nach und nach aus dem Nest gefallen – und nun alle in Ichenheim untergekommen.

"Sie haben von klein an eine Hackordnung. Wenn zu viele im Nest sind, gibt es Futterneid", so Conny Ernst. Die Eltern sind den ganzen Tag mit dem Füttern ihres Nachwuchses beschäftigt. Zu 90 Prozent ernähren sich Turmfalken von Mäusen, aber auch andere Kleintiere wie Regenwürmer oder Heuschrecken stehen auf dem Speiseplan. Die Nachbarn störten die Schreie nicht. Im Gegenteil, das Interesse an den Vögeln sei groß.

Jungvögel werden bei den Tierrettern in Ichenheim ausgewildert

"Es ist besser als Fernsehen", so Conny Ernst. Den Tauben gefielen die Greifvögel allerdings nicht. "Wenn die Elterntiere auftauchen, sind alle Tauben weg", so das Ehepaar Ernst gegenüber der Lahrer Zeitung.

Dass man dadurch weniger Taubenkot habe, sei sehr positiv. Allerdings machten die Turmfalken ebenfalls viel Dreck. Der Vorsprung des Dachstuhls, die Holzbalken sowie die Terrassenplatten seien stets verkotet. Unter dem Nest hat Familie Ernst eine Schutzvorrichtung angebracht. "Wir wechseln den Karton unter dem Nest alle zwei Tage", sagt Gilbert Ernst. In etwa vier Wochen, schätzt er, ist die Vogelfamilie ausgeflogen. Dann sei eine Grundreinigung mit Dampfstrahler sinnvoll.

"Turmfalken brüten eigentlich nicht an einem gewöhnlichen Wohnhaus", so Conny Ernst. Die Tiere würden dafür luftigere Höhen, wie Kirchtürme, Hochhäuser oder Felsvorsprünge, bevorzugen. Umso schöner sei dieses kleine besondere Erlebnis, so das Ehepaar.

ch müssen sie selbst auf Beutejagd gehen.

Bis zu sieben Eier pro Nest

Der Turmfalke ist der am häufigsten vorkommende Falke Mitteleuropas. Die Paarungszeit der Greifvögel ist von April bis Juni. Sie legen vier bis sieben Eier pro Horst und brüten circa 30 Tage. Die Nestlingsdauer beträgt in der Regel 33 Tage. Danach werden sie noch 30 Tage mit Nahrung versorgt, bis die jungen Vögel selbstständig jagen können und dann das Revier ihrer Eltern verlassen.