Der verklemmte Ernst (Jens Oberföll) lässt sich zu einem Heiratsantrag an Alwine (Petra Neumann) hinreißen. Foto: Hella Schimkat

Beim Theaterabend in Brigachtal hatte das Publikum großen Spaß und die Akteure auf der Bühne gaben alles dafür. Das Stück „Die Pfirsichbowle“ drehte sich um eben dieses gehaltvolle Getränk und jede Menge Turbulenzen drumherum.

Auf die Theatergruppe des Gesangvereins „Harmonie“ Brigachtal ist Verlass: Seit Jahrzehnten spielen sie zwei Wochen vor Weihnachten Theater und diese Stücke haben es in sich.

 

Am Samstag und Sonntag war es wieder soweit: Auf der Bühne ging es zu wie bei Familie Hoppenstedt von Loriot. Alle hatten „einen Schuss“ und das schon bevor sie die besagte Pfirsichbowle intus hatten. Die knockte die gesamte Familie aus, sodass sie alle in Tiefschlaf verfielen, was bedeutete, dass kurz Ruhe auf der Bühne war.

Es handelte sich um den Dreiakter „Die Pfirsichbowle“, die zur goldenen Hochzeit von Opa und Oma gereicht wurde. Oma wünschte sich eine Feier, in der alles so sein sollte wie vor 50 Jahren, inklusive der Kleidung, die nicht mehr passte.

Schlaftabletten als Zutat

Die Pfirsichbowle sollte als Zutat neben dem Wein Pfirsiche haben, wonach sich die gestressten Töchter Alwine und Marlene auch richteten, nur hatte Alwine der Bowle statt der vorgesehenen „Hallo-wach-und-fit“-Tabletten Schlaftabletten hinzugefügt.

Überhaupt war Alwine während des gesamten Dreiakters mit Heulen beschäftigt („Ich bin so unglücklich“) und ihr Geheule galt dem Finanzbeamten Ernst, der grandios alle Wörter verdrehte, dazu noch stotterte und Paragrafen herunterleierte.

Schwester Marlene, die mit dem feschen Paul verheiratet war, stellte sich als krankhaft eifersüchtig dar, sie verdächtigte ihren Paul, mit der feschen zukünftigen Bürgermeisterin Josefa ein Verhältnis zu haben, auch hier wurde gekreischt.

Die Bowle hatte es in sich

Enkel Kevin hatte nichts besseres zu tun, als in seinem Laptop zwei Damen anzufordern, sozusagen als Auswahl für den verklemmten Ernst.

Die kamen auch, und die jodelnde Zensi aus den Bergen mit viel Holz vor der Hütte sowie die radebrechende Chantal aus Frankreich mit noch mehr Holz stürzten sich auf Ernst, dann auf Paul und auch noch auf den Kaplan.

Dass es da rund ging, war selbstverständlich. Im dritten Akt hingen sie alle vor der Festtafel in den Seilen, hatten sie doch die Bowle genossen, wer mit wem war nicht mehr zu erkennen, Ernst bewegte sich im Schlaf auf der Bühne wie eine Krake auf dem Meeresboden, Kevin fotografierte die ganze Gesellschaft einzeln und beim Erwachen wurde sortiert, Opa versprach seiner Oma eine heiße Nacht, Ernst fragte seine Alwine, ob sie ihm dabei helfen würde, die Steuerklasse positiv zu verändern, das sollte ein Heiratsantrag sein, und alles war gut.

Ensemble mit viel Spielwitz

Das Publikum, das immer mal wieder einbezogen wurde, lachte sich schlapp, die Schauspieler waren wie gewohnt in Hochform mit viel Spielwitz und Simone Wohlgemuth dankte dem Publikum für das Kommen.

Und, ach ja, aus der radebrechenden Chantal, die ihre Perücke verlor, war ein Mann geworden, aber darauf kam es auch nicht mehr an.

Die Besetzung

Es spielten
 Petra Neumann (Alwine), Achim Bartler (Paul), Carola Bogdanski (Marlene), Jens Oberföll (Ernst), Heidi Müller (Omma). Michael Maier (Opa), Lena Stöckmeyer (Josefa ). Miguel Grangler (Kevin), Ann-Katrin Turina (Zensi), Daniel Engler (Theo und Chantal) und Kai Renouf (Kaplan) Regisseur
war Ralf Köhler, die Kamera
bediente Siegfried Fuchs, in der Box
war Ralf Köhler, für die Kulisse
waren alle gemeinsam zuständig und für den Ton
war Andreas Turina verantwortlich.