Im DFB-Pokal hält der Regionalligist gegen den 1. FC Heidenheim lange gut mit, verliert aber dennoch mit 0:5. Auch weil der Gegner im Gegensatz zum BSC effizient ist.
1. Runde DFB-Pokal: Bahlinger SC – 1. FC Heidenheim 0:5 (0:2). Was wäre, wenn? Diese Frage dürfte sich am Samstagnachmittag wohl so mancher gestellt haben. Was wäre, wenn Ibrahima Diakités Schuss in der fünften Minute nicht an die Latte, sondern ins Tor gegangen wäre? Oder der Nachschuss nicht auf der Linie geblockt worden wäre? Oder wenn Schiedsrichter Lukas Benen in der 20. Minute auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte? Und ja, was wäre passiert, wenn Holger Bux in der 56. Minute den Strafstoß zum 1:2-Anschluss verwandelt hätte?
Die Antwort darauf werden die 4000 Fans (ausverkauft) im Kaiserstuhlstadion wohl nie erfahren. Nicht umsonst sprach Bahlingens Trainer Stefan Reisinger hinterher von einem „Spiel der verpassten Möglichkeiten“, das der Bundesligist 1. FC Heidenheim am Ende bei gut 30 Grad mit 5:0 gegen den Regionalligisten Bahlinger SC gewann.
Ganz so eindeutig, wie es am Ende auf der Anzeigetafel stand, war es über zumindest 60 Minuten hinweg nicht. „Es war viel schwerer, als es das Ergebnis aussagt“, befand auch Heidenheims Trainer Frank Schmidt, der von einer „gefühlt ausgeglichenen“ ersten Halbzeit sprach. Gefühlt deshalb, weil es nach Toren zur Pause 2:0 für den haushohen Favoriten aus Württemberg stand.
Aus 50 Metern die Latte getroffen
Bereits nach vier Minuten traf Leonardo Scienza nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte aus mehr als 50 Metern Entfernung die Latte – genau wie Diakité auf der Gegenseite. Dessen Schuss aus halblinker Position aus elf Metern wurde ans Aluminium abgefälscht. Den Abpraller wollte Laurin Tost ins leere Tor schieben, wurde jedoch in letzter Sekunde kurz vor der Linie geblockt.
„Wir hätten auch in Rückstand gehen können“, bewertete Schmidt diese Szene, in der seine Mannschaft etwas Glück hatte, dass es weiterhin 0:0 stand – zumindest kurzzeitig. Denn eine kurz ausgeführte Ecke der Heidenheimer von links landete bei Scienza, der relativ unbedrängt in den Strafraum ziehen und den Ball ins lange Eck zur Führung schlenzen durfte.
Bahlingens Trainer ärgert sich über Gegentreffer
Über die Entstehung des Gegentreffers ärgerte sich Reisinger, denn genau diese Eckenvariante des FCH habe man noch im Abschlusstraining am Freitag geübt. „Das darf dann halt nicht passieren“, so der Neu-BSC-Coach.
Diskussionen um ausbleibenden Elfmeterpfiff
Es war die erste Euphoriebremse für die Breisgauer, die sich davon jedoch nicht beirren ließen und weiter mutig spielten. So auch in der 20. Minute, als Ferdinand Scholl im Mittelfeld nachsetzte und einen tollen Querpass in den Sechzehner der Heidenheimer spielte. Dort legte Diakité den Ball an FCH-Keeper Diant Ramaj (ausgeliehen von Borussia Dortmund) vorbei und wurde anschließend vom herausstürzenden Schlussmann von den Beinen geholt.
Rote Karte für Stefan Reisinger
Zur Verwunderung vieler Zuschauer winkte Schiri Benen jedoch ab und entschied auf Abstoß. Eine zumindest diskutable Entscheidung: Denn nach Ansicht der Livebilder wäre ein Elfmeterpfiff durchaus vertretbar gewesen. „Aus meiner Sicht ist es ein klarer Elfmeter“, sagte Reisinger, der sich energisch beim Schiedsrichterassistenten an der Seitenlinie beschwerte und ihn dabei wohl berührte beziehungsweise leicht schubste. Die Folge: Rot für den Trainer.
Auf der Pressekonferenz zeigte sich Reisinger einsichtig: „Es darf mir als erfahrener ehemaliger Spieler und Trainer nicht passieren, dass ich in der Emotion so reagiere. Ich weiß selber, dass ich da einen Fehler gemacht habe“, sagte der Ex-Profi.
Eigene Fehler laden den 1. FC Heidenheim zum Toreschießen ein
Er musste fortan von außerhalb des Innenraums zusehen, wie sich seine Mannschaft weiter wacker schlug, in der 34. Minute jedoch mit einem schweren Fehler im Aufbauspiel den Heidenheimer Mathias Honsak zum 2:0 einlud.
Zu Beginn des zweiten Durchgangs wechselten die Gastgeber doppelt und stellten taktisch um – mit sichtbarem Erfolg. Die ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit gehörten dem Bahlinger SC, der in der 56. Minute einen Elfmeter zugesprochen bekam. Bux, selbst gefoult worden, trat an – und scheiterte an Ramaj. „Wenn das 2:1 fällt, dann wird’s ein ganz anderes Spiel“, wusste auch Schmidt um die wichtige Parade seiner neuen Nummer eins.
Yannik Wagner vom SV Münchweier feiert sein Profidebüt
Denn der Fehlschuss war der entscheidende Nackenschlag im Spiel, von dem sich die Bahlinger nicht mehr erholen sollten. Stattdessen sorgte Scienza (62.) mit einem weiteren Fernschuss aus rund 16 Metern für die frühe Entscheidung. Mikkel Kaufmann nutzte den Patzer von Petzold zum 4:0 (77.) und Sirlord Conteh (83.) sorgte für den Endstand.
Als Vor-Vorlagengeber am letzten Treffer des Tages beteiligt: Yannik Wagner, der beim SV Münchweier das Fußballspielen lernte und am Samstag als Joker seinen allerersten Einsatz für die Heidenheimer Profis feierte.