Wenn der Weihnachtsbaum am 24. Dezember noch nicht steht, dann herrscht Chaos. Foto: Jürgen Baiker

Bei Familie Eisele gerät der Heiligabend komplett aus den Fugen. Das Schlosstheater Nordstetten bringt das Chaos mit viel Witz und Spielfreude auf die Bühne.

Wer kennt das nicht? Je näher Heiligabend rückt, desto größer wird der Wunsch nach einem besonders schönen und festlichen Abend – und gleichzeitig der Druck, all die liegen gebliebenen Aufgaben noch rechtzeitig zu erledigen. Genau so ergeht es der Familie Eisele im Theaterstück „A scheene Bescherung“ des Schlosstheaters Nordstetten.

 

Die Besucher werden auf einen dreistündigen Theaterausflug mitgenommen, der zeigt, wie chaotisch der 24. Dezember verlaufen kann. Vieles wurde vergessen oder auf die lange Bank geschoben, manches droht zu eskalieren – Erinnerungen an eigene Erlebnisse sind da vorprogrammiert. Und vielleicht wird mancher im Publikum daran erinnert, dass auch der nächste Heiligabend nicht mehr allzu fern ist und es langsam Zeit wird, noch dies oder jenes zu besorgen, bevor der Haussegen schief hängt oder – wie im Stück – gar eine Scheidung im Raum steht.

So turbulent ist das Drehbuch

Zum Inhalt: Die Familie Eisele steckt mitten in den Vorbereitungen für den Heiligen Abend, doch es fehlt an allen Ecken und Enden. Eine Weihnachtsgans soll auf den Tisch, doch der Kühlschrank hat seinen Geist aufgegeben. Die Gans ist aufgetaut und unbrauchbar. Woher nun Ersatz nehmen? Gleichzeitig ist es im Wohnzimmer kalt, denn auch die Heizung funktioniert nicht. Ob man am Heiligabend noch einen Kundendienst erreicht? Man erinnert sich jedenfalls an den Monteur Luigi. Die frisch verheiratete Tochter hat einen handfesten Ehekrach. Der Weihnachtsbaum passt nicht in den Baumständer, ein Stück des Stammes muss abgesägt werden, eventuell muss sogar ein neuer Ständer gekauft werden. Das alte Lametta könnte immerhin noch aufgebügelt werden. Währenddessen ruft die Oma immer wieder an und fragt, wann sie abgeholt wird und wann die Bescherung stattfindet. Am Ende wird ihr das Warten zu lang: Sie kommt mit dem Taxi und erwartet von ihrer Tochter die Erstattung der 28 Euro – sehr zu deren Missfallen.

Der Kühlschrank scheint schließlich doch wieder zu funktionieren, nachdem klar wird, dass er zuvor lediglich falsch bedient wurde. Doch nun sind sogar die Getränke, darunter der Wein, gefroren. Notfalls lässt er sich wohl noch als Glühwein verwenden.

Die Rollen werden prächtig umgesetzt

Die Rollen sind hervorragend besetzt, ja wirken geradezu wie für die Darsteller geschrieben. Bianca Christinger spielte Irmgard Eisele, Daniel Heyn ihren Ehemann Reinhold. Manuela Schäfer verkörperte Klothilde Eisele, Kathrin Kiefer Kerstin Eisele, Marina Bok Angelika Eisele, Christoph Schneiderhan Eberhard Bok. Claudia El Ahwany spielte Frau Mäuschele, die Nachbarin, die nie zum passenden Zeitpunkt auftaucht. Theaterexpertin Yasmina Elsner übernahm die Rolle des Monteurs Luigi.

Noch vor etwa eineinhalb Jahren wussten die Darsteller nicht einmal, dass es die Theatergruppe geben würde. Yasmina Elsner, die in Berlin Theaterwesen studiert hat, und Evelyn Schneiderhan gründeten schließlich das Schlosstheater Nordstetten. Heute zählt die Gruppe drei Männer und acht Frauen, von denen nur einige über Theatererfahrung verfügen.

Wie es sich für eine echte Laiengruppe gehört, übernehmen die Mitglieder alle anfallenden Aufgaben selbst – von der Organisation der Requisiten bis zum Erstellen der Eintrittskarten. Besonderer Dank gilt der Schreinerei Göttler, die die Bühnenkulisse kostenlos angefertigt hat.