Laufen steht, da der Tunnel an der B463 saniert wird, eine Umleitung des Durchgangsverkehrs durch die Balinger Straße vor Augen. Die Entscheidung zu einer zweiten Umleitungstrecke ist gefallen.
Wenn in alten Zeiten die Bundesstraße 463 aus irgendwelchen Gründen vollständig gesperrt war, dann gab es Möglichkeit, den Verkehr in Richtung Balingen durch die Balinger und den ostwärts in Richtung Lautlingen fließenden Verkehr parallel zur Bahnlinie durch die Steinstraße umzuleiten – über den Bahnübergang in der Tieringer Straße.
Auf diese Option hatte Ortsvorsteher Peter Landenberger, der die mit einer Verbreiterung verbundene Umleitung des gesamten Durchgangsverkehrs durch die Balinger Straße unbedingt verhindern wollte, besondere Hoffnungen gesetzt. Doch wie sich bei einem Ortstermin mit der Deutschen Bahn herausgestellt hat, besteht sie nicht. Laut Angaben der Bahnvertreter wären die zur Sicherung des Bahnübergangs erforderlichen Maßnahmen so beschaffen, dass der Bahnübergang trotzdem die halbe Zeit geschlossen wäre. Nicht denkbar auf einer so dicht befahrenen Strecke.
Wo liegt das Problem? Wie sich die Vertreter der Stadt beim Ortstermin von denen der Bahn erklären ließen, müsste bei einem Verkehrsaufkommen wie dem auf der B 463 der Übergang permanent von einem Posten überwacht werden, der den Lokführern signalisiert, dass der Übergang geschlossen ist und sie kommen können. Im Falle einer Umleitung, die nicht länger als fünf Tage dauert, könnte dieser Posten auch als Verkehrspolizist an der Halbschranke agieren und den Kraftverkehr sozusagen mit der Kelle stoppen.
Einsatz einer „TH-BÜP-Anlage“ würde 400 000 Euro kosten
Währt die Ausnahmesituation aber länger, etwa zehn Monate wie im Falle Laufen, dann ist es mit Halbschranke und Posten nicht mehr getan, dann muss eine andere Lösung her: eine hochtechnische mobile Übergangssicherungsanlage, genannt „TH-BÜP-Anlage“. Die ist sehr teuer und besitzt eine komplizierte Technik, weshalb sie sieben Tage pro Woche um die Uhr überwacht werden müsste – nicht nur wegen des Verkehrs, sondern auch wegen der Vandalismusgefahr. Ihr Einsatz würde 10 000 Euro pro Woche kosten; bei zehn Monaten Nutzungsdauer wären das über 400 000 Euro.
So what?, könnten Laufener sagen, der Umbau der Balinger Straße wird auch mit über 200 000 Euro veranschlagt, und ihre Wiederherstellung dürfte ähnlich teuer werden. Laut Baubürgermeister Udo Hollauer sind die Kosten aber gar nicht das eigentliche Problem. Dieses besteht darin, dass der Zug stehend an einer Stelle, wo Begegnungsverkehr möglich ist, warten muss, bis die Anlage ihm signalisiert hat, dass sie geschlossen ist – erst dann darf er los. Fährt er in Richtung Balingen, ist diese Stelle der Laufener Westbahnhof, und der Zug braucht zwei Minuten, bis er den Übergang passiert.
Zwölf Minuten Wartezeit in Ebingen
Fährt er aber in Richtung Balingen, dann muss er auf dem Ebinger Westbahnhof warten und benötigt zwölf Minuten bis Laufen Ort. In diesen zwölf Minuten bleibt die Schranke geschlossen – zählt man die Wartezeiten aller Züge zusammen, kommt man auf etwa 30 Minuten pro Stunde. Eine solche Umleitung wäre disfunktional, der Verkehrskollaps vorprogrammiert.
Weitere Bedenken der Bahn, etwa dass die Auflieger der schweren Sattelschlepper am Übergang havarieren könnten, scheinen vor diesem Hintergrund von eher nachrangiger Bedeutung beim Ortstermin gewesen zu sein. Wenn am Dienstagabend der Technische und Umweltausschuss tagt, wird die Verbreiterung der Balinger Straße auf der Liste der Auftragsvergaben stehen.
Bleibt die Frage, ob Peter Landenbergers Plan B für die Sicherung des Gastbetriebs des Restaurants „Sardegna“, die Öffnung der Lärmschutzwand unmittelbar vor dem östlichen Tunnelausgang, damit auch vom Tisch ist. Laut Udo Hollauer lässt sich das mit 100-prozentiger Sicherheit erst nach der Auftragsvergabe sagen, aber Hoffnung mag er den Laufenern nicht machen. „Die Tür ist nur noch einen Spalt offen.“