Das ehemalige Liapor-Gelände in Tuningen, das jetzt dem Ressourcendepot Haldenwald gehört. Auf der grauen Fläche läuft weiterhin der Tonabbau. Foto: Cornelia Hellweg

Auf dem ehemaligen Liapor-Gelände tut sich was. Das betrifft auch den Tuninger Forst. Das war eines der Themen der Waldinformationsfahrt des Gemeinderates.

Der Tonabbau läuft. Das ist eines der Geschäftsfelder des Ressourcendepots Haldenwald – einem Unternehmen der Geiger-Gruppe. Außerdem wird das Gelände vorbereitet für die Nutzung in den Bereichen Deponie und Recyclinghof. Dafür laufen die Vorbereitungen in Abstimmung mit Gemeinde und dem Forst. Einen Überblick gaben Revierleiter Matthias Berger und Matthias Schupp, stellvertretender Leiter des Kreisforstamtes, im Rahmen der Waldinformationsfahrt des Tuninger Gemeinderates.

 

Das Ressourcendepot Haldenwald Angrenzend an das Gelände liegt ein Waldgebiet. Ein größeres Stück davon hat das Unternehmen roden lassen. „Der Wald hier gehört dem Eigentümer, wird allerdings vom Forst Tuningen betreut“, erläuterte Matthias Berger. Die gerodete Fläche werde auf Kosten des Ressourcendepots wiederbepflanzt. Die Einnahmen stünden der Gemeinde zu.

Für das komplette Gelände bestehe eine bergbaurechtliche Abbaugenehmigung. Der Tonabbau gehe weiter bis zur Grundstücksgrenze. Ein Weg führt hinauf auf eine Anhöhe. Dort hat man einen Blick auf das beeindruckende Areal.

Der Ton werde gemahlen und als Granulat im Bau gerne genommen. Die bereits abgebaute Fläche nutzt das Unternehmen unter anderem als Deponie. Ab dem 1. Juli sollen Anlieferungen hierfür eintreffen. „Andere Deponien holen sich hier Ton, um ihren Boden dicht zu machen“, so Berger. „Das ist schon gewaltig“, meinte Bürgermeister Ralf Pahlow mit Blick auf das Gelände. Für den September plane das Unternehmen einen Tag der offenen Tür. Momentan benötige die Mülldeponie in Talheim Ton aus Tuningen. „Was hier liegt, ist ein paar hundert Meter schon nicht mehr da.“ Hier werde deutlich, wie sich das Gelände verändere und noch verändern werde. Am Altholz entlang sei ein neuer Maschinenweg geplant, den Forstmitarbeiter nutzen könnten, so der Hinweis des Revierleiters. Außerdem werde es eine Einzäunung geben.

Die fehlende Mitte Viele alte Bäume, viele junge Bäume, wenig im mittleren Alter: So könnte man den Tuninger Wald aus Sicht der zuständigen Förster beschreiben. Der Altholzbestand ist schön für das Waldbild. Der hohe Anteil im Gemeindewald birgt allerdings das Risiko, dass sie in Phasen langer Trockenheit schneller Schaden nehmen beziehungsweise dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Im auf zehn Jahre angelegten Plan (Start 2023) für den Tuninger Wald ist vorgesehen, dass jährlich 2000 Festmeter Holz eingeschlagen werden. Jetzt liege man durch den hohen Anfall von Schadholz bereits bei knapp 10.000 Festmeter seit 2023. Der Anteil von Schadholz beträgt knapp 6000 Festmeter, und davon entfielen 46 Prozent auf „abgängige“ Weißtannen.

Vor Kurzem stand er noch: Alte Bäume, insbesondere Tannen, fallen als Schadholz im Tuninger Wald. Foto: Cornelia Hellweg

Trotzdem empfahl Schupp, nicht alles Altholz sofort zu fällen, sondern Schritt für Schritt. Zum einen wegen des Landschaftsbildes, zum anderen sieht er bei Altholz noch nützliche Funktionen für den Wald insgesamt. Aus den Reihen des Gemeinderates kam der Vorschlag, den geplanten jährlichen Holzeinschlag hochzusetzen, damit die Gemeinde besser mit den Einnahmen für den Haushalt planen kann. „Wir sind gesprächsbereit“, meinte Schupp.

29.000 neue Pflanzen Die letzte Station war auf der ehemaligen Mülldeponie Tuningen, die inzwischen wieder aufgeforstet wird. Angesicht der vielen Jungbäume würde hier niemand vermuten, dass sie quasi auf einem Haufen Müll stehen. Bisher wurden rund 200.000 Euro für die Wiederbewaldung aufgewendet. Diese Summe zahlt das Kreisabfallwirtschaftsamt, so Matthias Berger.

Die ehemalige Mülldeponie Tuningen wird wiederbewaldet mit einem Mix aus Laub- und Nadelbäumen. Foto: Cornelia Hellweg

Seit 2019 seien rund 29.000 Pflanzen gesetzt worden. Davon 10.000 Nachbesserungen, weil in den ersten Jahren die Witterung den Jungpflanzen stark zusetzte. Seit der Verwendung von Wuchshüllen läuft es besser. So ist bereits ein kleines Naturparadies entstanden.