Breda Nußbaum, Chefredakteurin des Staatsanzeigers, überreicht den Vertretern der Bürgerinitiative JVA um Uwe Fischer ihren Leuchtturm. Foto: Cools Foto: Schwarzwälder-Bote

JVA Bürgerinitiative wird für Engagement und sachliche Herangehensweise in Stuttgart ausgezeichnet

Von Jasmin Cools

Stuttgart/Tuningen. Es war eines der meist diskutierten Themen in Baden-Württemberg: der Standort der JVA. Obwohl der Standort Tuningen letztlich ausgeschlossen wurde, gewann die Bürgerinitiative, die sich für den Bau eingesetzt hatte, einen Preis für Bürgerengagement in der Kommunalpolitik.

Sie hatten viel Arbeit und jede Menge Gegenwind – die Bürgerinitiative für die JVA auf Tuninger Gemarkung hatte es beim besten Willen nicht leicht in ihrem Vorhaben, ihre Mitbürger von der JVA zu überzeugen. Doch genau das ist laut Gudrun Heute-Bluhm, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Städtetags Baden-Württemberg, erstrebenswert: "Bürger sprechen nur bei Themen mit, die sie bewegen." Deshalb sei die Diskussion bei Bürgerbeteiligung wichtig.

Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, fasste das Ziel des Wettbewerbs "Leuchttürme der Bürgerbeteiligung" so zusammen: "Die Bürger müssen wieder Lust am Ehrenamt und an der Beteiligung bekommen, Lust am Mitmachen und Gestalten."

Mit ihrer ruhigen, dialogorientierten Art konnte die Bürgerinitiative um Uwe Fischer dem Streit um die JVA den Wind aus den Segeln nehmen, so die Jury in ihrer Begründung. Die Initiative informierte dabei nicht nur umfassend über Printmedien, online und mit Flyern, sondern sie suchten auch das persönliche Gespräch mit den Gegnern.

Der Zeitraum umfasste das Frühjahr 2014 bis zum Bürgerentscheid am 6.Juli desselben Jahres. Die Kosten trugen dabei die 30 bis 50 Ehrenamtlichen der Bürgerinitiative und steckten dabei nicht nur Geld, sondern auch viel Herzblut in ihr Projekt. Und doch verloren sie den Kampf – die JVA ist momentan an den Standorten Rottweil und Meßstetten im Gespräch. Dennoch haben sie bei der gestrigen Preisverleihung des zum zweiten Mal stattfindenden Wettbewerbs "Leuchttürme der Bürgerbeteiligung", organisiert vom Staatsanzeiger, gewonnen – den ersten Platz, 4000 Euro, einen Gutschein für zwei Personen für das Seminarangebot "Bürgerbeteiligung: Mitreden, Mitmachen, Mitentscheiden", eine Leuchtturmfigur, aber vor allem Anerkennung ihrer Mühen.

In ihrer Kategorie Unternehmer, Freiberufler, bürgerschaftliche Initiativen setzten sie sich damit gegen das Projekt 41 "Initiative plant Skulpturenpfad und wirbt Geld dafür ein" aus Herrenberg und gegen Projekt 19 "Ein altes Gemäuer wird wieder zum Leben erweckt" durch. Die Streits, Aufwendungen und Nerven im Jahr 2014 haben sich also für die Tuninger Initiative doch noch etwas gelohnt. "Im Großen und Ganzen haben wir dasselbe Ziel: konsensorientierte Demokratie", fasste es Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung und Schirmherrin des Wettbewerbs, zusammen.

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