Bei einem Tuner-Treffen in Donaueschingen präsentieren PS-Liebhaber ihre kreativen Auto-Umbauten, bei denen auch Rost dazugehört – das sind die Gründe dafür.
Zum vollen Erfolg wurde die Tuning-Show bei der Diskothek Okay am Samstag, 18. April. Unter dem Motto „Black Forest Fuel – Day & Night“ wurde Donaueschingen zum Treffpunkt der Szene. Im Mittelpunkt stand ein Autotreffen, das bewusst auf Austausch statt Konkurrenz setzte.
Schnell waren die Stellplätze mit Fahrzeugen belegt, von Serienfahrzeugen, getunten und folierten Autos bis hin zu Motorrädern. Kräftige Beats aus Lautsprechern und das gelegentliche Aufheulen von Pkw- oder Motorradmotoren prägten das Geschehen auf dem Parkplatz rund um die Diskothek Okay.
Ein Tuning- und Autotreffen ist eine Veranstaltung, bei der sich Autofans aus unterschiedlichen Regionen versammeln, um ihre individuell gestalteten Fahrzeuge zu präsentieren und sich untereinander auszutauschen.
„Es geht nicht darum, wer das lauteste oder teuerste Auto hat“, sagt Okay-Betreiber Ben Bensberg. „Im Kern geht es um die Leute dahinter und darum, die Szene zusammenzubringen.“ Bereits im Vorfeld waren viele Stellplätze vergeben. „Das hohe Interesse zeigt uns, dass genau solche Formate fehlen“, so Bensberg.
Optische und technische Veränderungen
Bereits beim Eintreffen fiel die große Vielfalt der Fahrzeuge auf. Neben serienmäßigen Autos sind vor allem stark modifizierte Fahrzeuge zu sehen, die durch optische und technische Veränderungen auffallen. Dazu gehören etwa auffällige Lackierungen, spezielle Felgen oder leistungsstärkere Motoren.
Viele Besitzer investieren viel Zeit und Geld in ihre Fahrzeuge, wodurch oft einzigartige Modelle entstehen. Auch aus der benachbarten Schweiz waren Fahrzeuge zu Gast, so Chantal Wehrli aus Aargau mit ihrem Honda Civic Sport Plus.
Ihr Pkw besticht nicht unbedingt mit übermäßigem Tuning, „Bis auf die Sportauspuffanlage, sowie schönen Alufelgen haben wir am Auto nicht viel gemacht, da bei uns in der Schweiz die Regularien auf der Straße sehr streng sind“, so Wehrli. Aber sie steht auf „Itasha“, wörtlich „schmerzhaftes Auto“, eine japanische Subkultur, bei der Fahrzeuge mit aufwendigen Folierungen von Anime-, Manga- oder Videospiel-Charakteren verziert werden.
Schmerzhaft ist der Preis
„Und schmerzhaft steht hier für die Preise des Folierens“, sagt sie. Alleine für ihren Honda habe sie 6500 Euro für die Folierung ausgegeben. Im Mittelpunkt des Treffens stand nicht nur das Präsentieren der Autos, sondern auch der Austausch innerhalb der Szene. Besucher kamen miteinander ins Gespräch, diskutierten über Umbauten oder verglichen ihre Fahrzeuge.
Besonders für Neulinge bietet sich hier die Möglichkeit, Einblicke in die Tuning-Szene zu erhalten und Kontakte zu knüpfen. Überraschend war auch das breit gefächerte Publikum. Von Familien, Jugendlichen über eingefleischte Tuning-Fans oder einfach Interessierte, die sich einmal auf dem Gelände umsehen wollten. Für die Jüngsten gab es im Club die Möglichkeit, einmal Diskotheken-Feeling zu erleben, für sie schallte Kindermusik über die Lautsprecher.
Die Tuning-Show hat auch Pascal Hoffmann aus Singen angelockt. Er fährt einen Mercedes-Kombi mit Baujahr 1998 und stolzen 228 000 Kilometern auf dem Tacho. Seine Form des Tunings nennt sich „Ratlook“.
„Ratlook“ bedeutet Kreativität statt Hochglanz. Alles, was alt ist und auch so aussieht, sorgt in der Szene für helle Begeisterung. Da darf natürlich auch Rost nicht fehlen. Dieser ist das Haupterkennungsmerkmal der „Ratten“ genannten und auf alt getrimmten Fahrzeuge.
Was auf den ersten Blick für Außenstehende wie ein „Gammel-Look“aussieht, wurde von Tuningenthusiasten in liebevoller und stundenlanger Kleinarbeit realisiert. „Ich habe bestimmt eineinhalb Tage mit einer Flex den Lack vom Auto geschliffen und den Rest überließ ich Mutter Natur“, lacht Hoffmann.
Doch sein Auto hat noch eine ganz besondere Geschichte. „Auf dem Dachgepäckträger habe ich ein altes Ölfass und ein Bobbycar installiert. Das alte Fass, weil ich daraus früher Grills gebaut habe, und das Bobbycar, weil ich immer Bobbycar-Rennen gefahren bin“, erzählt er.
Neben dem Fahrzeugtreffen gab es Musik, Gastronomie und Aussteller. Am Abend ging das Treffen in den Clubbetrieb über. „Der Übergang ist bewusst so gedacht“, sagt Bensberg. „Tagsüber Begegnung, nachts Gemeinschaft.“ Für ihn liegt darin die eigentliche Bedeutung des Treffens: „Viele kennen sich nur online. Hier wird daraus eine reale Szene.“
Die Tuningszene
Tuning begeistert zunehmend die Massen. Laut einer Studie der BBE Automotive GmbH aus dem Jahr 2023 interessieren sich rund 22 Prozent der deutschen Autofahrer grundsätzlich für das Thema Tuning. Bei Tuningtreffen präsentieren Teilnehmende unterschiedliche Stilrichtungen: von dezent veredelten Serienfahrzeugen bis hin zu auffällig gestalteten Showcars. Neben dem Austausch unter Gleichgesinnten stehen dabei oft auch Trends, Kreativität und handwerkliches Können im Mittelpunkt.