Der Aufzugsschacht ist eindeutig von Außen zu erkennen und dient der Barrierefreiheit. Foto: Buck

Dass ein öffentlicher Bau im Zeit- und Kostenrahmen bleibt, ist fast schon eine Seltenheit geworden. Bad Teinach-Zavelstein ist das jetzt geglückt. Das neue Kinderhaus in Bad Teinach ist fertig und jetzt eröffnet worden.

Bad Teinach-Zavelstein - Es ist vollbracht. Das Kinderhaus in Bad Teinach ist nun fertig – die offizielle Einweihung ging am Dienstagabend über die Bühne. Bereits 2020 hatte man sich mit der Entscheidung im Gemeinderat auf den Weg gemacht. Bewusst, so beteuerte es Bürgermeister Markus Wendel, habe man sich den längsten Tag des Jahres jetzt für die Einweihung ausgesucht. Den Beginn des Sommers als Signal des Aufbruchs sozusagen.

"Ganz überwiegend", so Wendel, werde in dem Gebäude Kleinkindbetreuung stattfinden. Außerdem habe man jetzt auch die baulichen Voraussetzungen geschaffen, um künftig Ganztagesbetreuung stemmen zu können. Dass es überhaupt so weit kam, dass in Bad Teinach-Zavelstein wieder ein Kindergarten gebaut werden musste, freut Wendel natürlich.

Höherer Bedarf an Betreuungseinrichtungen

"Noch vor zehn, zwölf Jahren wurde eifrig das Totenglöckchen über dem ländlichen Raum geläutet", blickte er zurück. Heute sei das anders: "Wir erleben die Renaissance des ländlichen Raums, wir sind eine Boom-Region." Das merke man auch an den Geburtenzahlen in Bad Teinach-Zavelstein: Waren es 2009 lediglich elf Geburten in einem Jahr, so kamen in den vergangenen Jahren stets zwischen 28 und 32 neue Bad Teinach-Zavelsteiner Bürger auf die Welt. Und all diese Geburten führten eben zu einem höheren Bedarf an Bildungs- und Betreuungsangeboten. Eines davon ist jetzt mit der Fertigstellung des Kinderhauses in Bad Teinach in Betrieb. Zwei Kleinkindgruppen mit zehn respektive zwölf Kindern können betreut werden – allerdings gleichzeitig maximal zehn.

Auch die avisierte Bauzeit konnte eingehalten werden. Zu Ostern 2022 zogen die Kinder samt Erzieherinnen wieder ins Gebäude ein, siedelten von der Interimslösung in der Grundschule wieder zurück in den frisch sanierten Bau. Die Kosten bleiben, das betonte Wendel ausdrücklich, ebenso im abgesteckten Rahmen. Mit Zuschuss landet man wohl bei Kosten in Höhe von 580 000 Euro. Doch fürs Geld bekommen die Kinder auch etwas. "Es ist quasi ein Neubau", erklärte der Rathauschef im Obergeschoss des Kindergartens, der übrigens im Zuge der nötigen Barrierefreiheit nun auch mit einem Aufzug erreicht werden kann, dass man auch viel parallel am Gebäude gemacht habe, was ohnehin anstand. So sei jetzt beispielsweise die Wärmedämmung auf dem aktuellen Stand.

Wuchtige Fluchttreppe außen am Gebäude

Auch mit dabei ist die neue wuchtige Fluchttreppe. Dort könnten, führte Wendel aus, alle Kinder samt Personal drauf stehen und das stählerne Konstrukt würde sich nicht bewegen. Sicherheit sei ja durchaus wichtig, betonte Wendel, ergänzte aber angesichts der immer weitergehenden Vorschriften: "Bei manchen Dingen gucken wir uns mit großen Augen an und sagen uns ›Okay, wo ist hier der Sinn‹?" Doch es helfe ja nichts, man müsse als Stadt und Bauträger in solch einem Fall eben die Regularien erfüllen.

Doch zurück zum Gebäude. Die Holzdecke im Obergeschoss passe zum Schwarzwald, so der Rathauschef, hier habe man auch das Auge mitbauen lassen. Außerdem wurde der Außenbereich "aufgepeppt" und neue Spielgeräte angeschafft. Zum Schluss fehlte noch der Segen für das Gebäude – und das könne ja keiner besser als ein Pfarrer, meinte Wendel mit Blick auf Hans Georg Schmid. Der Geistliche zitierte aus der Bibel Psalm 8, Vers 3, in dem es unter anderem heißt: "Aus dem Munde der jungen Kinder hast du eine Macht zugerichtet."

Segen für das neue Kinderhaus

Das zeige, so Schmid, dass an die Kinder schon in der Bibel gedacht wurde und deshalb das Thema Kinderbetreuung ebenfalls wichtig sei. Schlussendlich bat er Gott darum, den "Frieden auf das Haus zu gießen". Nach dem offiziellen Teil lud Wendel Mitarbeiter und Gäste zu einem feudalen Vesperbuffet und einigen Häppchen wie zu einem kleinen Rundgang ein, um das Gebäude zu erkunden.